Helmut Schwan

Er ist eine Institution beim 1. FC Saarbrücken. Hat ungezählte Aufstiege gefeiert und etwa genauso viele Abstiege beweint. Seit 44 Jahren gehört Helmut Schwan zur FCS-Familie. Der Verein ohne „das Mädchen für alles“ — kaum vorstellbar. „Angeschleppt hat mich eigentlich der damalige Stadionsprecher Herry Klemm“, erinnert sich der gebürtige St. Ingberter: „Ich habe damals geholfen, die Lautsprecher-Boxen für die Beschallung aufzustellen.“ Wenig später wurde Helmut Schwan Zeugwart und Betreuer der zweiten Mannschaft der Blau-Schwarzen, die in der Oberliga spielte — sein Einstieg in eine bemerkenswerte Vereinskarriere.


„1991 verlangte der Deutsche Fußball-Bund, dass die Vereine Fanbeauftragte einsetzen“, blickt Helmut Schwan zurück, „da habe ich es halt gemacht.“ Auch als der Verein einen zweiten Vorsitzenden brauchte, stellte er sich zur Verfügung. Als ein Betreuer für die erste Mannschaft gebraucht wurde, war er da. „1995 war der Verein finanziell am Ende. Die Spieler hatten seit drei Monaten kein Geld bekommen. Sie konnten ihre Mieten nicht zahlen, ihren Familien nichts zu essen kaufen“, erzählt Helmut Schwan von dunklen FCS-Stunden und der Insolvenz, „damals sind Masseur Jo Carlino und ich zur Bank und haben jeweils 15 000 Mark von unseren privaten Konten abgehoben und den Spielern vorgeschossen. Die waren glücklich, haben später jeden einzelnen Pfennig zurückgezahlt.“


Wie viele Spieler Helmut Schwan beim 1. FC Saarbrücken erlebt hat? Er weiß es nicht. „Es können sicher 500 gewesen sein“, sagt er: „Trainer waren es 39.“ Fragen nach „dem Besten“ verweigert er sich. „Jeder, der gerade da ist, ist der Beste“, sagt er lächelnd, „ich finde, Trainer sind Personen, zu denen man aufschauen sollte. Respekt und Distanz gehören dazu, auch wenn man eng zusammenarbeitet“.


Mit vielen Übungsleitern hat Helmut Schwan hinter dem Manschaftsbus schon mal eine Zigarette geraucht. Dass Dieter Ferner und Dirk Lottner dazu gehören, streitet er ab: „Die sind noch in einem Amt, da erzählt man sowas nicht.“ Der Zuhörer ist überrascht, wenn Schwan erzählt, dass ausgerechnet auch Thomas von Heesen noch immer an Geburtstagen anruft. „Er hatte es damals schwer aus dem Schatten von Klaus Toppmöller zu treten. Alle Mitarbeiter hatten große Sorgen, was der Star vom HSV alles ändern würde. Dann war er ein ganz einfacher Kerl, der nicht wollte, dass die Spieler verhätschelt wurden.“

Gekümmert hat sich Helmut Schwan aber immer um seine Jungs: „Franz Beckenbauer hat damals zu mir gesagt, ich solle seinen Sohn Stephan im Auge behalten.“ Für die einen hat er die Aufenthaltsgenehmigungen besorgt, für die anderen den Deutschlehrer gespielt. „Peter Eich kam mittags oft zum Essen zu uns nach Hause. Wir haben dann immer Darts gespielt. Peter war gut“, berichtet Helmut Schwan: „Einmal hatte er noch 36 Punkte Rest, ich 180. Als ich trotzdem noch gewonnen habe, schnappte er seine Sporttasche und verschwandt stinksauer zum Trainingsgelände. Er war sehr ehrgeizig.“

Ohne die Unterstützung seiner Familie wäre sein Engagement für den Verein nicht möglich gewesen. „Meine Frau Christel schreibt sich immer noch Briefe mit der Frau von Branco Zibert“, berichtet Helmut Schwan, „die ist Lehrerin.“

Am 5. April feierte Helmut Schwan seinen Geburtstag, welchen sagt er nicht. Wo, sagt er auch nicht. Beim 70. stand mal was über ihn in der FCS-Stadionzeitung, das ist über zwölf Jahre her. „Wenn du täglich mit 30 jungen Leuten zu tun hast, die deine Söhne und Enkel sein könnten, dann hält dich das jung“, sagt Helmut Schwan und setzt sich — scherzeshalber — trotzdem einen Termin, an dem er aufhören will: „Ich mache so lange weiter, bis der FCS in der Champions League spielt. Oder zumindest aber im Europapokal.“