Heinz Böhmann

Nach 33 Jahren beim 1. FC Saarbrücken als Torhüter, Feldspieler, Abteilungsleiter und Torwarttrainer kündigt Heinz Böhmann seinen Abschied an. Der 58-Jährige sagt: „Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass er mir so lange das Vertrauen geschenkt hat.“


SAARBRÜCKEN | Es wird das Ende einer langen Leidenszeit: Mit dem Spiel um 14 Uhr gegen Hansa Rostock kehrt der Fußball-Drittligist 1. FC Saarbrücken am kommenden Samstag, 26. September, in seine Heimat zurück. Nach fünf Jahren im Exil im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion spielt der FCS wieder im Ludwigspark. Endlich – sagen nicht nur die Fans. „Ich hatte nicht mehr geglaubt, dass ich das noch erleben darf“, sagt auch Torwarttrainer-Urgestein Heinz Böhmann vom FCS. Und schiebt nach: „Zumindest in meiner aktiven Zeit.“

Führt der erste Satz noch zu einem Lächeln, lässt der zweite aufhorchen. Der 58-Jährige klärt auf: „Ich habe den Verantwortlichen bereits vor der Saison mitgeteilt, dass es meine letzte Saison sein wird. Ich werde danach nur noch ein Jahr im Nachwuchsleistungszentrum mitmachen. Dann ist Schluss.“ Nach 33 Jahren beim 1. FC Saarbrücken als Torwart, Feldspieler, Abteilungsleiter und Torwarttrainer. „Der viel zu früh verstorbene Werner Fuchs hat mich damals von Aachen nach Saarbrücken geholt. Ich habe dann unter Klaus Schlappner und Peter Neururer spielen dürfen“, erinnert sich Böhmann an seine Zeit zwischen den Pfosten: „Es gab viele tolle Spiele und natürlich dann auch unglaubliche Stimmung im Park.“


1990 riss sich Böhmann im Zweitliga-Spitzenspiel beim MSV Duisburg (0:1) die Sehnen in der Handwurzel. Spezialisten in der Schweiz taten das damals Möglichste. Dennoch musste das Gelenk versteift werden. Das Ende der Torwartkarriere Böhmanns. „Ich hab’ dann noch im Feld gespielt. In der Oberliga. Das war damals auch die dritthöchste deutsche Spielklasse.“ Auch beruflich musste er sich umorientieren. Gelernt hatte er Automechaniker und Jalousienbauer. Nun schulte er um auf Ergotherapeut.

Torwarttrainer als Hauptberuf kam für den heute 58-Jährigen nie in Frage. „Ich hätte mit Klaus Toppmöller damals mitgehen können, aber das wollte ich nicht. Immer unterwegs. Nie wirklich zuhause. Das wäre nichts für mich gewesen.“

Heute arbeitet Böhmann in der SHG-Tagesklinik in Saarbrücken-Güdingen mit Kindern und Jugendlichen. „Manche haben Angststörungen, andere gehen nicht zur Schule, jedes Kind ist speziell“, sagt Böhmann über seine Arbeit, „sie zeigt mir immer wieder, wie gut es den Fußballern eigentlich geht.“ Die frühe Rundum-Sorglos-Versorgung in den Nachwuchsleistungszentren der Vereine sieht der erfahrene Ergotherapeut kritisch: „Viele wissen das nicht schätzen – oder erst, wenn die Karriere vorbei ist. Wir müssen auch Werte vermitteln. Loyalität. Zuverlässigkeit.“


Böhmann ist dafür ein Beispiel. Über keinen der 38 Cheftrainer, mit denen er beim 1. FC Saarbrücken zusammengearbeitet hat, kommt von ihm ein böses Wort. Auch über die Kollegen beim Torwarttraining spricht das FCS-Urgestein nur positiv. Über manche Tendenz im Sport allerdings nicht. „Mir wird da zu viel Wissenschaft draus gemacht. Natürlich muss man mit der Zeit gehen, aber am Ende zählt nur, was auf dem Platz passiert“, sagt Böhmann.


Von den ungezählten Torhütern, mit denen er beim FCS gearbeitet hat, hebt der Bübinger einen heraus. „Der FCS hatte immer gute Torhüter. Stephan Straub war sicher nicht das größte Talent. Aber er hat unglaublich geschuftet. Er hat sich das verdient, später mit Aachen in der Bundesliga und im Europapokal zu spielen“, sagt Böhmann. Und die aktuelle Nummer eins Daniel Batz? Der hat es sogar ins Fußball-Museum geschafft. „Er hatte es hier nicht leicht. Es gab ja viele Anfeindungen. Er hatte Potenzial – darum haben wir ihn geholt. Und er hat an sich gearbeitet. Er hat gezeigt, wie sehr er sich auf die Sache fokussieren kann.“


Welche Sachen Böhmann angehen wird, wenn er beim FCS aufhört, weiß er noch nicht. „Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass er mir so lange das Vertrauen geschenkt hat. Ich bin meiner Frau Manuela dankbar, dass sie das alles mitgemacht hat. In all den Jahren war ja mit Urlaub nie viel drin“, sagt Böhmann. Und ergänzt: „Ich habe zwei Söhne und einen Enkel. Mir wird sicher nicht langweilig. Und den FCS werde ich auch weiter anschauen.“ Das kann er endlich auch wieder im Ludwigspark.


Quelle: Saarbrücker Zeitung