12.02.2020|Zahlreiche Fehlplanungen beim Ludwigspark

  • Um die weiteren Kostensteigerungen beim Saarbrücker Ludwigspark aufzufangen, hat der Stadtrat am Dienstag 5,5 Millionen Euro locker gemacht. Dass der Umbau noch einmal teurer wird, ist auch auf Fehlplanungen zurückzuführen.

    Mit großer Mehrheit gaben die Stadtverordneten grünes Licht für einen Kredit über 2,5 Millionen und dafür, dass drei Millionen aus sogenannten „Haushaltsresten“ aus dem Jahr 2019 in die neue Arena gepumpt werden. Damit kostet der Umbau statt ursprünglich 16 nun 46,5 Millionen Euro. Dass damit das letzte Wort in Sachen Stadionkosten gesprochen ist – dafür legt keiner mehr die Hand ins Feuer.


    RISIKOZUSCHLÄGE ZU NIEDRIG

    Unterdessen sind Einzelheiten zur jüngsten Kostensteigerung bekannt geworden: Die Liste von Fehlplanungen ist lang. Hieß es bisher lediglich, dass die Sanierung der Flutlichtmasten, die Erneuerung des Rasens und der Bau der Polizeiwache die LuPa-Kosten weiter in die Höhe schnellen lassen – nun liegt dem SR die entsprechende Stadtratsvorlage vor, auf deren Grundlage die zusätzlichen 5,5 Millionen Euro bewilligt wurden.


    Daraus geht hervor: Von Anfang an wurde der „Park“ ein Stück weit schön gerechnet. Die sogenannten Risikozuschläge hätten sich bei „bestimmten Einzelmaßnahmen als deutlich zu niedrig herausgestellt.“ Hier lässt die Stadtverwaltung nun mehr Realismus walten, setzt „variable Risikozuschläge“ zwischen zwei und 20 Prozent an. Insgesamt führe das zu Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro.



    POLIZEIWACHE WAR NICHT EINGEPLANT

    Weiterer dicker Posten ist der Bau der Polizeiwache nebst Arrestzelle. Bei der letzten Kostenschätzung im Oktober 2019 hatte man die noch gar nicht eingeplant. Nach aktueller Beschlusslage aber sei die Wache „unabdingbar“ und müsse auch allein von der Stadt finanziert werden. Einschließlich Planungskosten macht das ein Plus von 665.000 Euro.


    Den Rasen hatte man während des Baus eigens liegen lassen, da er ja noch intakt sei. Nun aber heißt es: „Nach gutachterlicher Prüfung ist festzustellen, dass die Spielfläche in ihrer botanischen Zusammensetzung (unzureichend scherfeste Gräser) und aufgrund Schädlingsbefalls (Larven) nicht mehr für den Spielbetrieb geeignet ist.“ Mehrkosten: 300.000 Euro. Wobei der Rasen insgesamt inklusive Heizung für 800.000 Euro neu verlegt werden soll. Auch wenn das den ursprünglichen Plan „Liegenlassen“ durchkreuzt hat – im Betrieb soll nun gespart werden. Eine intelligente Heizungssteuerung soll Strom sparen, kostet aber zunächst 90.000 Euro mehr.



    NEBENKOSTEN STEIGEN UM 750.000 EURO

    Zusätzliches Geld fließt in Kühlanlagen für die Gastronomie in der Nord- und Osttribüne (130.000 Euro), den Feuerwehrfunk (80.000 Euro) und die Zäune (50.000 Euro). Die Baunebenkosten insgesamt steigen um satte 750.000 Euro – von der Objektüberwachung bis hin zu zusätzlichen Planungskosten, wobei Letzteres fast schon wie ein „Schneeballsystem“ wirkt.


    Planungsleistungen mussten wiederholt werden, weil Termine nicht gehalten wurden. Zudem liegt eine Nachtragsforderung der ARGE vor, die die Dächer baut. Die Unternehmen wollen einen Nachtrag über 475.000 Euro – unter anderem für Lagerkosten, die angefallen waren, weil sich die Dachmontage verzögerte.



    DACHHÖHE NICHT BERÜCKSICHTIGT

    Apropos Dächer: Schwer nachvollziehbar ist, dass erst jetzt die lichte Höhe der alten Victors-Tribüne aufgefallen sein soll. Lautsprecher und Beleuchtung der später vier Tribünendächer sollten eigentlich mit „Montagehilfen“ (Hubsteigern) angebracht werden. Dazu die Stadtratsvorlage: „Nach aktueller Sachlage zeigt sich, dass aufgrund der enormen Dachhöhe der Nord-Tribüne dies nicht mit Montagehilfen ausgeführt werden konnte.“ Ein Gerüst wurde aufgebaut, weitere Gerüstkapazitäten seien notwendig – Mehrkosten 300.000 Euro.


    Fazit: Ein Teil der Mehrkosten war vermutlich tatsächlich nicht vorhersehbar (Larvenbefall). Jedoch die „enorme Dachhöhe“ der Victors-Tribüne hat sich seit Jahrzehnten nicht geändert, und auch die Polizeiwache steht seit Jahren im Lastenheft. Die Frage nach einem möglichen Regress gegenüber den beauftragten Planungsbüros drängt sich nahezu auf. Die Stadtverwaltung selbst hält sich da derzeit zurück.


    Gleiches gilt für den Fertigstellungstermin des neuen Ludwigsparks. Die Baustelle laufe derzeit unter Volllast, heißt es. Ob es für den Saisonstart in die ersehnte Dritte Liga (Ende Juli 2020) reicht, ist allerdings offen.


    [1]

    Einzelnachweise
    1. https://www.sr.de/sr/home/nach…rung_beschlossen_100.html

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