09.03.2017|Stadtrat zieht die Notbremse

  • Die Stadtverwaltung hebt das Vergabeverfahren für die Sanierung des Ludwigsparkstadions auf. Das hat der Stadtrat gestern Abend in einer Sondersitzung bei nur einer Gegenstimme beschlossen. Nachdem die Sanierung ursprünglich 16 Millionen kosten sollte, stieg der Betrag zunächst auf 20 und mittlerweile auf 28 Millionen Euro.

    Den jüngsten Kostensprung hatte der Stadion-Eigentümer, die Stadt Saarbrücken, so begründet: Auf die Ausschreibung für zwei Tribünen hätten sich nur zwei Unternehmen gemeldet. Wie Baudezernent Heiko Lukas erklärte, lagen beide Angebote bei rund 15 Millionen Euro, vier Millionen mehr als kalkuliert oder 30 Prozent. Lukas: "Bei einer Differenz von mehr als 20 Prozent ist von einer Unangemessenheit der Angebote auszugehen." Bisher habe die Verwaltung fünf Millionen Euro für die Arbeiten im Ludwigspark ausgegeben. Bei den Kanalarbeiten sei das Angebot nach der Ausschreibung unter der Kalkulation geblieben. Lukas: "Die Kostenberechnung war sehr präzise und sauber." Dagegen habe es jetzt bei der "Baukonstruktion" und den Baunebenkosten die größten Abweichungen der Angebote gegenüber den kalkulierten Werten gegeben.


    Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) wies mehrfach darauf hin, dass alle Beschlüsse zum Stadion in den politischen Gremien immer einstimmig gewesen seien. "Doch nun hat plötzlich niemand etwas von den Kostensteigerungen gewusst außer mir", sagte Britz. Sie betonte, die Verwaltung habe mit offenen Karten gespielt und nicht einfach weitergebaut, als klar war, dass es nicht bei 20 Millionen Euro für das Stadion bleiben werde. CDU-Fraktionschef stellte trotzdem die Frage, ob die Kostenschätzung richtig oder eben zu niedrig war. Und wenn man wisse, dass die Baubranche boomt, sei klar, dass nicht die Preise wie in der Kalkulation zu erzielen seien, sagte Strobel. Die Aufhebung des Verfahrens sei richtig. Denn die Stadt müsse mit Baukosten von 20 Millionen Euro auskommen. Der Idee, die dritte Tribüne erst zu einem späteren Zeitpunkt zu bauen, erteilte der Christdemokrat eine Absage. Diesen Vorschlag hatte SPD-Fraktionschef Peter Bauer ins Spiel gebracht, betonte aber jetzt, auch er wolle kein Provisorium. Bauer, der im Aufsichtsrat der Projektgesellschaft Sanierung Ludwigsparkstadion mbH sitzt, gab zu: "Wir waren zu optimistisch, was das Ergebnis der Ausschreibung angeht." Er forderte die Verwaltung auf, bis zur nächsten Stadtratssitzung am 21. März einen Zeitplan zu erarbeiten, wie es nun weitergeht und wann die Bauarbeiten fortgesetzt werden. Kritik kam auch von der FDP. "Die Verwaltung hat das Stadion ohne Perspektive abgerissen", sagte der Stadtverordnete Tobias Raab. Trotzdem stimmten die Liberalen zu. Torsten Reif (Grüne) war wichtig, den Haushalt nicht stärker als mit den vereinbarten 5,3 Millionen Euro zu belasten. 14,5 Millionen Euro will das Land übernehmen. Vor der Sitzung hatte der Landesrechnungshof vor einem juristischen Streit mit dem "bestplatzierten Bieter" gewarnt, der eventuell Schadenersatz für seine bisherigen Ausgaben fordern könne. Der Landesrechnungshof bezweifelte im SR, ob die Kostenberechnungen für den Ludwigspark solide waren. Oberbürgermeisterin Britz (SPD) sagte aber während der Sitzung, sie habe mit dem Landesrechnungshof gestern gesprochen. Der habe betont, weil er das Projekt derzeit nicht prüfe, könne er auch keine Aussagen zur Kostensteigerung machen.


    Mit der gestrigen Stadtratsentscheidung verzögert sich nun die Sanierung. Das gefällt dem 1. FC Saarbrücken gar nicht, der zurzeit seine Spiele in Völklingen austrägt. Mehrere Fans waren ins Rathaus gekommen, um die Debatte zu verfolgen. Einer hatte ein Kreuz dabei mit der Aufschrift "Ludwigspark".


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    Einzelnachweise
    1. https://www.saarbruecker-zeitu…die-notbremse_aid-1939033

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