Saisonprognose 4

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    Jan Ahlers 11. September 2020 um 10:56 Uhr


    1860 München


    Die Löwen sind im dritten Jahr allmählich angekommen in der 3. Liga, die sie allerdings nur ungerne langfristig als ihr Zuhause betrachten wollen. In Giesing wachsen die Ansprüche und Hoffnungen schnell in den Himmel, doch dank einer Etaterhöhung scheint die 2. Bundesliga nun wieder greifbarer zu werden.

    Wie lief die Vorsaison?

    Das Löwen-Jahr war geprägt von einem Trainerwechsel, der erst gefürchtet worden war und sich letztlich doch auszahlte. In Daniel Bierofka sprang eine Identifikationsfigur im Herbst des Vorjahres ab, doch Michael Köllner erwies sich rasch als absolut würdiger Nachfolger und brachte die Fans nicht nur mit guten Leistungen hinter sich, sondern auch, weil er ihre Sprache spricht. Auf Platz 8 kam 1860 ins Ziel, hatte dabei bis zum letzten Spieltag eine theoretische Chance, in die Aufstiegsrelegation einzuziehen. Eine starke Leistung! Und doch wurmt es jeden Blauen, dass die Amateure der Roten die Meisterschaft holten. Gerne würde der TSV 1860 kommendes Jahr wieder vor der Bayern-Reserve stehen…

    Was ist neu, was bleibt bestehen?

    Die Abgänge von Efkan Bekiroglu (Alanyaspor), Tim Rieder (1. FC Kaiserslautern) und Talent Noel Niemann (Arminia Bielefeld) schmerzten, überhaupt wurde der Kader ordentlich ausgedünnt. Qualität statt Quantität ist nach der Etaterhöhung Ende August das Motto. Dazu zählte nicht nur, in Sascha Mölders den Routinier und Torjäger für eine weitere Saison an sich zu binden, sondern auch die Verpflichtung des enorm zweitliga-erfahrenen Innenverteidigers Stephan Salger aus Bielefeld. Er könnte mit Dennis Erdmann ein beinhartes Duo vor dem Torhüter bilden, das in der 3. Liga Spitzenniveau besitzt. Auch die Rückkehr von Richard Neudecker schürt Hoffnungen, zudem soll noch ein Stürmer kommen.

    Welches Potenzial hat der Verein?

    Hält Sascha Mölders seine Torquote aus der letzten Saison bei und schlagen die Neuzugänge voll ein, sollten die Löwen zum erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten gehören.

    Prognose: Platz 3 bis 9


    SV Meppen


    Im Emsland steht ein Umbruch an, der es in sich hat. Allein der Weggang von Trainer Christian Neidhart, der den SVM einst in die 3. Liga geführt hatte, kommt einer Zäsur gleich. Und dann will mit Torsten Frings auch noch ein sehr medienwirksamer Nachfolger sportliche Schlagzeilen schreiben. Frings und Meppen – eine spannende Mischung!

    Wie lief die Vorsaison?

    Zwischenzeitlich sah einiges nach dem ganz großen Wurf aus für den SV Meppen, der aber nach dem Corona-Stopp schlicht ein wenig zu spät wieder in Tritt fand und so den Kontakt zu den Spitzenplätzen abreißen lassen musste. Über die gesamte Saison hinweg feuerte Meppen, angetrieben vom mittlerweile abgewanderten Torjäger Deniz Undav, aus allen Rohren: 69 erzielte Tore bedeuteten den drittbesten Wert hinter dem FC Bayern II und den Würzburger Kickers an der Tabellenspitze. Dazu zählten die Niedersachsen zu den auswärtsstärksten Mannschaften der Liga, verloren nur drei ihrer 19 Partien.

    Was ist neu, was bleibt bestehen?

    Mit der Personalie Torsten Frings ist der Umbruch noch längst nicht beendet. Stürmer Undav erwischte eine klassische Durchbruchssaison, ihm gelang mit Selbstvertrauen im Rücken und einem nicht vorhandenen schwachen Fuß fast alles, selbst ein Tor aus der eigenen Spielhälfte. Er kickt jetzt in Belgiens zweiter Liga. In Innenverteidiger Marco Komenda (Kiel) und Flügelflitzer Marius Kleinsorge (Kaiserslautern) sind zwei weitere wichtige Spieler weg. Unter der Neuen stechen bislang Werder Bremens Torwart-Leihgabe Luca Plogmann und der erfahrene Christoph Hemlein, gekommen aus Lautern, hervor.

    Welches Potenzial hat der Verein?

    Meppen hat seine stärksten Spieler verloren und diese durch einige schwer einschätzbare Neuzugänge ersetzt. Die ganz große individuelle Klasse fehlt, und ob Frings die Mannschaft so motivieren kann wie einst Christian Neidhart – warten wir es ab.

    Prognose: Platz 9 bis 14


    Hansa Rostock


    Und jährlich grüßt das Murmeltier: Hansa würde so gerne hoch in die zweite Liga. Aber schaffen es Jens Härtel und seine Jungs in diesem Jahr endlich? Acht Anläufe verliefen nicht erfolgreich. Unter Jens Härtel ist das Umfeld zur Ruhe gekommen, das ist keine verkehrte Ausgangslage.

    Wie lief die Vorsaison?

    Mit etwas Abstand werden die Rostocker Fans zufrieden sein, was ihre Mannschaft im Vorjahr erreicht hat. Rang 6 ist respektabel, 59 Punkte sind es ebenfalls – das zweitbeste Punkteresultat seit dem Abstieg 2012. Ein klein wenig fehlende Konstanz und kurze Schwächephasen mögen in der Endabrechnung die Relegation und den direkten Aufstieg gekostet haben. Aber der Hansa-Anhang nimmt die Platzierung mit Humor. Schließlich sind zwei Ereignisse derzeit so sicher wie das Amen in der Kirche: Rostock wurde dreimal in Folge Drittliga-Sechster. Und spielte jedes Mal wenige Monate später sein DFB-Pokal-Erstrundenspiel gegen den VfB Stuttgart.

    Was ist neu, was bleibt bestehen?

    Die Kogge mag für vieles stehen, aber eher nicht für personelle Konstanz. Auch in diesem Jahr war die Fluktuation groß, wobei unter den Abgehenden sportlich am Ehesten der Wechsel von Mirnes Pepic nach Duisburg wehtat. Menschlich sind die Verluste von Maximilian Ahlschwede und Kai Bülow schwer aufzufangen, beide haben die professionelle Laufbahn beendet. Es sind natürlich noch Leistungsträger übrig: Torhüter Markus Kolke etwa, Stürmer Pascal Breier oder Defensivakteure wie Nico Neidhart, Sven Sonnenberg und Nils Butzen. Apropos Butzen: Trainer Härtel hat noch einige weitere Ex-Mitstreiter aus Magdeburg an die Ostsee gelotst: Jan Löhmannsröben, Manuel Farrona Pulido und Björn Rother bringen viel FCM-Flair zu Hansa. Zusammen mit Damian Roßbach und Bentley Baxter Bahn hat sich Rostock ordentlich verstärkt.

    Welches Potenzial hat der Verein?

    Kurz und knackig: Hansa war im Vorjahr gut aufgestellt, wir sehen den Klub derzeit qualitativ ähnlich wie 2019/20. Und mit etwas mehr Konstanz könnte der Aufstieg im neunten Anlauf gelingen.

    Prognose: Platz 3 bis 7


    MSV Duisburg


    An 20 Spieltagen grüßte der MSV Duisburg in der letzten Saison von der Tabellenspitze. Doch als es in die wichtigen Wochen ging, waren die Zebras gelähmt. Nun müssen sie mehr denn je raus aus der "Pleiteliga" – zumal die fehlenden Zuschauer an der Wedau für im Ligavergleich besonders hohe Einnahmenausfälle sorgen.

    Wie lief die Vorsaison?

    Am Anfang der Saison hatten wir alle gestaunt. Meiderich war nicht ganz gut drauf, sie waren phasenweise bockstark, dominant, es sah spielerisch leicht aus. Und das alles mit einem Kader, der nach dem Zweitliga-Abstieg rasend schnell zusammengestellt werden musste. Irgendwann nach dem Jahreswechsel verflog diese Routine einer Spitzenmannschaft, es gab auswärts kaum noch Punkte, quälend viele Unentschieden und einen stetig schmilzenden Vorsprung. Einige Wochen vor dem Saisonende war dieser aufgebraucht, Duisburg wurde vom Gejagten zum Jäger. Doch mit dem späten 2:2-Ausgleich des FC Bayern II endete am vorletzten Spieltag auch diese Mission in einer bitteren Stunde.

    Was ist neu, was bleibt bestehen?

    Kein Saisonübergang ohne Aderlass: Einige der Vorjahresbesten haben die Gestreiften verlassen. Talent und Eigengewächs Lukas Daschner, jetzt bei St. Pauli, spielte eine nette sechsstellige Ablöse ein, so auch Ergänzungsspieler Petar Sliskovic, den Türkgücü München um fast jeden Preis verpflichten wollte. Schmerzhafter als das Fehlen Sliskovics sind die Abgänge von Yassin Ben Balla (Braunschweig) und Tim Albutat, der auf die andere Rheinseite nach Uerdingen gewechselt ist. Weiter dabei ist die prominent besetzte Offensive um Moritz Stoppelkamp, Vincent Vermeij und Ahmet Engin. Verstärkt hat sich der MSV etwa mit Maximilian Sauer und Dominik Schmidt, die die Verteidigung mit viel Zweitliga-Erfahrung aufwerten. Mirnes Pepic und Wilson Kamavuaka sollen die Verluste im Mittelfeld auffangen, für den Sturm sicherten sich die Zebras die Dienste von Orhan Ademi.

    Welches Potenzial hat der Verein?

    Eigentlich fehlte der Mannschaft von Torsten Lieberknecht im Vorjahr nur etwas Courage. Nun sind die Ansätze in der Vorbereitung gar nicht übel. Vieles spricht somit dafür, dass der MSV auch in der kommenden Saison oben mitspielen wird.

    Prognose: Platz 2 bis 5