So plant der 1. FC Saarbrücken seine Heimspiele in Frankfurt

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    Ruhig liegt es da, fast schon beschaulich, das Stadion am Bornheimer Hang in Frankfurt. Verkehrsgünstig gebaut, direkt an der Autobahn 661, mit der U-Bahn-Haltestelle Johanna-Tesch-Platz quasi direkt am Fuße der Südtribüne. Die Footballer der Universe tragen hier für gewöhnlich ihre Heimspiele aus, und natürlich der FSV, dieser traditionsreiche Fußball-Sport-Verein, der in den vergangenen Jahren von einem Fast-Bundesliga-Aufsteiger zu einem Regionalligisten zusammengeschrumpft ist. Ab der kommenden Saison soll es am Bornheimer Hang aber wieder Profifußball zu sehen geben – zumindest für ein paar Spiele.


    Allerdings wird dann nicht der FSV die Heimmannschaft sein, sondern der 1. FC Saarbrücken. Der Ex-Club von Weltmeister Andi Brehme und Eintracht-Stürmerlegende Anthony Yeboah kehrt nach dem Corona-Saisonabbruch als Meister der Regionalliga Südwest in Deutschlands dritthöchste Spielklasse zurück. Das Problem der Saarländer: Das Ludwigsparkstadion, die eigentliche Heimspielstätte, befindet sich seit mehreren Jahren im Umbau.


    200 Kilometer Anfahrt – zum Heimspiel

    Eine Fertigstellung vor Beginn der neuen Spielzeit? So gut wie ausgeschlossen. Nach zahlreichen Gast-Heimspielen im knapp 14 Kilometer entfernten Völklingen müssen sich der FCS und seine Fans zumindest vorübergehend auf einen neuen Ausweichspielort einstellen. Schon bei der Bewerbung für die Lizenz fiel die Wahl auf das drittligataugliche Stadion in Frankfurt-Bornheim. Die Entfernung zum Heimspiel nun: fast 200 Kilometer. Zu den Auswärtsspielen in Kaiserslautern und in Mannheim, das ist das Kuriose, wird die Anreise jeweils deutlich kürzer sein.


    Weitere Informationen

    FCS-FANS DEMONSTRIEREN AM LUDWIGSPARK

    Mit einer Menschenkette um das Saarbrücker Ludwigspark-Stadion haben Fans am Samstag für einen Spielbetrieb auf der Baustelle im Ludwigspark demonstriert. Rund 1000 Menschen waren gekommen, um den Druck auf die Stadt und die Baufirmen zu erhöhen.


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    "Die Tendenz ist klar: Wir müssen die ersten Heimspiele in Frankfurt absolvieren", sagt Saarbrückens Geschäftsführer David Fischer, früher viele Jahre bei Kickers Offenbach, im Gespräch mit dem hr-sport. "Fakt ist: Die Ausweichspielstätte ist beantragt und freigegeben worden. Auf dem Papier ist das unsere Spielstätte für die ersten Spiele." Lediglich zwei Szenarien könnten dafür sorgen, dass der Aufsteiger doch nicht zur Untermiete beim FSV kicken muss.


    FCS bereits geisterspielerprobt

    Szenario Nummer eins: Entgegen der Hoffnungen insbesondere vieler Fans darf die 3. Liga nicht vor einer Mindestzahl an Zuschauern in den Spielbetrieb zurückkehren. Geisterspiele könnte der Club zur Not im bereits bestens bekannten Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen austragen. Dort hatte der FCS erst vor wenigen Wochen Bundesligist Leverkusen zum Halbfinale im DFB-Pokal empfangen (0:3). "Wir haben gezeigt, dass wir ein Geisterspiel in Völklingen realisieren können", sagt deshalb auch Geschäftsführer Fischer.


    Szenario Nummer zwei: Die Bauarbeiten im Ludwigspark werden doch noch irgendwie bis zum geplanten Rundenstart Anfang September abgeschlossen – zumindest so weit wie für Spiele ohne Zuschauer eben nötig. "Auch auf einer Baustelle kann es manchmal etwas zügiger gehen", gibt sich Fischer betont optimistisch. "Dann wären wir natürlich darauf erpicht, in den Ludwigspark zurückzukehren." Der große Wunsch sei aber ohnehin, mit Fans in den Stadien starten zu können. In diesem Fall wäre für den 1. FC Saarbrücken jenes Hygienekonzept bindend, das der FSV mit den Frankfurter Behörden für seine Heimspiele eine Liga tiefer ausarbeitet.


    iner, der ein solches Konzept jedem Geisterspiel dieser Welt vorziehen würde, ist Christoph Tautz, Stadionsprecher beim FCS seit 2006 sowie Radiomoderator und -Nachrichtensprecher beim Hessischen Rundfunk. "Egal wo wir spielen, die Hauptsache ist, wir sind wieder in der 3. Liga", sagt er, und bringt damit vermutlich die Vorfreude aller Saarbrücken-Fans auf den Punkt.


    2014 war der Verein in die Regionalliga abgestiegen und fristete seitdem ein Viertliga-Dasein, die Drittliga-Rückkehr über die Aufstiegsspiele misslang gleich zwei Mal. "Es wird jetzt einfach mehr Spaß machen, gegen Kaiserlautern, Mannheim oder Dresden zu spielen und endlich wieder eine richtige Fußballstimmung zu haben. Etwas ketzerisch könnte man sagen: Wenn wir da sind, werden die Bornheimer erst einmal wieder merken, dass sie ja ein Stadion haben."


    Saarbrücken könnte in Frankfurt auf Rivale Kaiserslautern treffen

    Bei allem Spaß weiß Tautz aber auch: Für einige Saarbrücken-Fans werden die Heimspiele im 200 Kilometer fernen Frankfurt eine große Herausforderung. "Normalerweise geht ein halber Tag drauf, jetzt wird es definitiv ein ganzer. Vor halb sieben, sieben abends ist da niemand zu hause", sagt er. "Viele werden es nicht schaffen, sowohl zeitlich als auch finanziell. 2.000 bis 3.000 Treue sind immer da, wenn die jetzt für die Eintrittskarten allerdings auch noch mehr bezahlen müssen, wird es schwierig. Aber der Verein versucht etwas vorzubereiten und will Fan-Busse vom Saarland nach Frankfurt anbieten."


    Die könnten vor allem dann proppenvoll werden, sollte das Heimspiel des FCS gegen den Erzrivalen Kaiserslautern in die Zeit in Frankfurt fallen und vor Zuschauern ausgetragen werden dürfen. "Wir mögen die einfach nicht, das ist extremste Rivalität", sagt der Stadionsprecher, der die gut 30.000 Einwohner Bornheims vorsorglich auf ein Match mit erhöhtem polizeilichen Interesse vorbereitet: "Dann wird der Stadtteil abgeriegelt. Es ist das Spiel, auf das wir seit Jahren warten."


    Fünf Minuten Fußweg zum FCS-Heimspiel in Bornheim

    Er selbst wohnt übrigens ebenfalls in Frankfurts viertgrößtem Viertel, muss zu den temporären Heimspielen seines Herzensvereins nur einen fünfminütigen Fußweg zurücklegen. Eine Art Déjà-vu-Erlebnis, in Völklingen liegen zwischen dem Hermann-Neuberger-Stadion und seinem Elternhaus gerade einmal 100 Meter. Zudem ist Tautz mit Daniel Franzen befreundet, dem Stadionsprecher des FSV, in Abläufe und Wege im Frankfurter Stadion ist er im Prinzip schon eingearbeitet. "Wir haben einen langen Leidensweg hinter uns, jetzt freuen wir uns auf die Duelle in der 3. Liga", sagt Tautz. Der Bornheinmer Hang ist jedenfalls bereit.

    Link: https://www.hessenschau.de/spo…ielt-in-bornheim-100.html