Die Lage der 3.Liga

  • Diskussion zum Artikel Die Lage der 3.Liga:

    Aktuell befindet sich die 3.Liga noch in der Winterpause, doch bereits in der nächsten Woche geht es weiter. 17 Spieltage wurden in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 durchgerückt. Vor Wiederaufnahme des Spielbetriebes bietet sich ein Blick auf die Liga an.



    Keine Phrase: Jeder kann jeden schlagen

    Das Merkmal der 3.Liga aus den vergangenen Jahren bestätigt sich auch in dieser Saison. Alle Mannschaften befinden sich auf einem ähnlichen Niveau und meistens entscheiden Spielglück, Tagesform und Kleinigkeiten über den Ausgang der Begegnung. In vielen Ligen oft angesagt, doch selten Realität kann in der 3.Liga tatsächlich jede Mannschaften jeden Gegner schlagen und es gibt regelmäßig "Überraschungen".



    Enge Abstände

    Eine direkte Folge der vielen ausgeglichenen Spiele: Die Liga ist extrem eng beisammen. Mit einer Siegesserie (wie bei Lübeck oder Halle gesehen) kann man sich schnell um einige Positionen verbessert, auch die andere Richtung ist möglich. Momentan liegen zwischen dem zweiten Platz und dem neunten Tabellenplatz gerade einmal vier Punkte. Durch Nachholspiele kann sich dies weiter zusammen schieben. Spitzenreiter Dresden ist dagegen erst mal enteilt. Im Tabellenkeller liegen gerade einmal sechs Punkte zwischen den letzten acht Mannschaften. Auch hier gilt: Durch Nachholspiele kann sich das Feld noch enger werden und selbst die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte können leicht in Abstiegsgefahr geraten.



    Wichtige Form

    Ungemein wichtig und kann in dieser engen Liga Spiele entscheiden. Der FCS, Dynamo Dresden, der SV Meppen, der VfB Lübeck oder Halle können ein Lied davon singen. Geht die Form etwas verloren kann es auch schnell in die andere Richtung gehen. Alle Teams in dieser Liga kennen die Schwankungen und müssen mit der Situation umgehen.



    Fußball & Kampf

    Über viele Jahre galt die 3.Liga als reine Kampfliga. Das Bild hat sich längst gewandelt und viel spielerische Qualität ist in der Liga angekommen. Mannschaften wie 1860 München, Dresden, Viktoria Köln oder auch der FCS setzen auf Ballbesitzfußball und wollen den Spielen ihren Stempel aufdrücken. Auch diese Teams müssen jedoch den kampfbetonten, intensiven Spielstil der Liga annehmen und Abwehrbollwerke wie bei Uerdingen, Kaiserslautern, Duisburg, Meppen oder Magdeburg knacken. Die individuelle Qualität reicht dafür oft nicht aus und defensive Stabilität mit Umschaltmomenten zahlt sich regelmäßig aus. Mannschaften wie Uerdingen oder Meppen zeigen das man auch auf diese Weise erfolgreich sein kann.



    Keine Pausen

    Durch den verspäteten Saisonstart ist es ein Mammutprogramm für die Drittligisten gewesen. Der Spielplan ließ keine Pausen zu und sah viele englischen Wochen vor. Spielabsagen durch Corona ließen weitere englische Woche dazu kommen. So blieb den Mannschaften kaum mal Zeit zum Durchatmen. Teams mit Quarantäne-Zeiten konnten sich "frisch" in einen Lauf bringen, auch spielfreie Gegner profitierten in einzelnen Spielen davon. Teams mit breiteren Kadern haben einen zusätzlichen Vorteil gehabt. In 2021 setzt sich dies im Januar zunächst fort. Bis zu drei englische Wochen stehen für einzelne Teams an. Weitere Spielausfälle durch Corona-Fälle sind zu erwarten und können für zusätzliche englische Wochen sorgen. Ansonsten ist bis Saisonende nur noch eine komplette englische Woche im April eingeplant. Im März soll sogar eine Länderspielpause durchgeführt werden. Dafür könnten viele Spiele in den Landespokalen auf die Teams warten.



    Finanzen

    Seit März haben die Vereine auch mit den wirtschaftlichen Nachteilen der Pandemie zu kämpfen. Zuschauereinnahmen fallen aus, Sponsorengelder sinken. Dafür gibt es den vollen Kostenapparat und einige Zusatzkosten (Hygienekonzepte, Corona-Tests etc.) zu zahlen. Bei vielen Vereinen merkt man noch keine wirkliche Veränderung, gerade in Sachen Gehalt soll sich bisher nicht viel verändert haben. Die Vereine planen auch im Winter mit Neuzugängen, obwohl die Planungen teilweise sogar mit vielen Zuschauern aufgestellt worden. Vereine die im Sommer nicht aufsteigen könnten in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Der FCS agiert bewusst konservativ. Merklich ist die Situation dagegen in Uerdingen und bei Türkgücü München. Beide Vereine teilen sich ein Problem: Der Investor will sich zurückziehen. Gerade in München dürfte es dann schwer werden. Allerdings sind bei beiden Vereinen neue Investoren mit frischem Geld zu erwarten.



    Fünf Wechsel?

    Nachdem die 3.Liga im Sommer einen Sonderweg ging und die Anzahl der erlaubten Auswechslungen wieder von fünf auf drei Wechsel reduzierte, sollen die Vereine nun laut dem Fachmagazin Kicker wieder eine Rückkehr auf fünf Wechsel ins Auge fassen. Mehr Wechselmöglichkeiten würde die Ausgangslage vor den weiteren verändern und den Mannschaften mehr Optionen bieten.



    Damoklesschwert Regionalliga

    Einige Teams haben bisher eine schwierige Saison gespielt. Vor allem die Mannschaften aus dem Tabellenkeller stehen wie gewohnt vor einer Zerreißprobe. Ein Abstieg in die Regionalliga wäre für die meisten Teams eine Katastrophe. Nach einigen Jahren in der Regionalliga weiß man dies beim FCS am besten. Auch für die Traditionsteams aus Lautern, Duisburg und Magdeburg gilt dies. Gerade Duisburg und der FCK waren mit anderen Ambitionen in die Saison gestartet.

  • Vielen Dank für die klasse Zusammenfassung.


    Ich bin besonders bei dem Punkt "Finanzen" auf die zweite Saisonhälfte gespannt. Wenn man die Artikel über den KFC oder Türkgücü gelesen hat, sieht das ja schon nach einem Showdown mit Blick auf die Nachlizensierung aus. Auch der mediale Rummel um die Finanzen in Duisburg lassen da sicherlich einige Fragezeichen zurück.


    Mal schauen, ob alle Teams die Saison sportlich zu Ende bringen können/dürfen. Würde mich fasst schon überraschen.

  • Ich dachte immer -ohne das ich mich eingelesen habe- man müsste die finanzielle Leistungsfähigkeit für eine komplette Saison nachweisen. Dem ist scheinbar nicht so, bei Duisburg wurde häufig berichtet das die Kohle nur bis Ende der Vorrunde gesichert sein. Wie das geht und welchen Sinn das mach müsste mir mal jemand erklären, ich verstehe es nicht.

  • Die können doch einfach alle Insolvenz anmelden wie die Pfälzer oder hat man die Vorgehensweise abgeschafft als die Pfäzer durch waren?


    Natürlich können Mannschaften Insolvenz anmelden. Statt neun Minuspunkten gibt es dann - wegen Corona - in dieser Saison nur drei Punkte Abzug. Insolvenz anmelden bedeutet aber nicht unbedingt auch genügend Geld zu generieren um die Saison zu Ende spielen zu können. Das könnte bei Türkgücü (wenn sie überraschenderweise keine neuen Geldgeber finden) der Fall sein. Es ist in den aktuellen Strukturen ein junger Verein und niemand weiß wie viel Kraft schon hinter dem Club steht.

  • Ich dachte immer -ohne das ich mich eingelesen habe- man müsste die finanzielle Leistungsfähigkeit für eine komplette Saison nachweisen. Dem ist scheinbar nicht so, bei Duisburg wurde häufig berichtet das die Kohle nur bis Ende der Vorrunde gesichert sein. Wie das geht und welchen Sinn das mach müsste mir mal jemand erklären, ich verstehe es nicht.


    Die Lizenzierung läuft auf Planungsphase. Sprich die Vereine müssen unter anderem geplante Ein- und Ausgaben angeben. Der wichtigste Punkt für die Verbände: Können Vereine die Saison durchspielen? Das wird geprüft und dafür müssen ausreichend Einnahmen (als Vertrag, als Eigenkapital, aber auch als geplant) vorhanden sein. Je höher der Planansatz ist, umso größere Bürgschaften verlangen die Verbände normal und sicher wird es auch eine Grenze geben wie hoch die geplanten Einnahmen sein dürfen. Dazu wird jetzt Ende Januar noch eine Nachfinanzierung erfolgen.


    Duisburg ist da ein Beispiel. Die kommunizieren ja offen, dass sie nicht durchfinanziert sind. Sie werden aber die benötigten Einnahmen bis Saisonende (z.B durch neue Sponsoren, Ablösesummen im Winter) als geplante Einnahmen eingereicht haben.

  • Insolvenz anmelden bedeutet aber nicht unbedingt auch genügend Geld zu generieren um die Saison zu Ende spielen zu können.

    Genau das ist der springende Punkt. Beim MSV hieß es ja auch, dass eine Insolvenz auch deshalb vermieden werden soll, weil es keinen neuen Sponsorenpool geben würde, der die weitere Finanzierung stemmen wird (anders als bei den Pfälzern, da hatte man die Investorengruppe in der Hinterhand).


    Beim KFC weiß ich auch nicht, wie es im Falle einer Ablehnung des/der neuen Investoren aussieht. Hat Ponomarev die Saison mit durchfinanziert, oder klafft bei der Ablehnung neuer Investoren hier auch eine entscheidende Lücke? Wird dann auch spannend, ob es im Insolvenzfall eine positive Fortführungsprognose gibt.