Blick auf den neuen Mann: Adriano Grimaldi

Das Gerücht schwirrte schon seit einigen Zeit durch Saarbrücken und in diesem Fall gibt es auch einen wahren Kern. Der 1.FC Saarbrücken hat Adriano Grimaldi verpflichtet. Der 30-Jährige kommt von Ligakonkurrent Uerdingen nach Saarbrücken. Beim FCS unterschreibt der Angreifer einen Vertrag über zwei Jahre und bindet sich bis zum 30.Juni 2023 an den Club. Grimaldi ist der vierte Neuzugang im Vorlauf auf die Saison 2021/22. Zuvor hatten die Malstätter in Außenverteidiger Nick Galle von Alemannia Aachen, Mittelfeldspieler Dave Gnaase (kam wie Grimaldi vom KFC Uerdingen) und Angreifer Justin Steinkötter von Borussia Mönchengladbach II bereits drei weitere Spieler unter Vertrag genommen.


Nachdem man zunächst zwei U23-Transfers fix machen konnte konnte man in den letzten beiden Tagen nun die ersten beiden gestandenen Drittligaspieler nach Saarbrücken holen. Durch die hohe Qualität bei den Abgängen sind starke Transfers neben perspektivischen Verpflichtungen unabdingbar. Grimaldi kam - teilweise verletzungsbedingt - nur zu 21 Einsätzen in dieser Saison für den KFC. Im Saisonendspurt fehlte er zunächst durch Quarantäne als Kontaktperson und anschließend durch einen eigenen Corona-Fall. In seinen Einsätze erzielte er fünf Tore. In Uerdingen war er seit Januar 2019 unter Vertrag.


Allgemein ist die Verpflichtung von Grimaldi ein schmaler Grat und darf als Risikotransfer bewertet werden. Auf der einen Seite bekommt man mit Grimaldi einen Qualitätsspieler. Er hat alleine schon 55 Tore in der 3.Liga erzielt. Ist er fit und knüpft an frühere Zeiten an, so gewinnt man einen fantastischen Angreifer für sich. Auch ist Grimaldi ein anderer Spielertyp als ein Jacob, Günther-Schmidt oder Steinkötter. Er ist hoch gewachsen, Kopfballstark, hat eine gute Robustheit und kann Bälle auch Abschirmen. Ihn als Stoßstürmer mit einem Jacob mit vielen Freiheiten dahinter klingt vielversprechend. Zugleich hatte er in seiner Zeit in Uerdingen aber stets mit Verletzungen zu kämpfen und hat zuletzt 2017/18 eine Saison ohne größere Verletzung bestritten. Dieses Risiko darf man nicht unterschätzen, zumal auch Jacob durchaus seine Verletzungshistorie hat. Die Vergangenheit von Jacob, aber auch von Steven Zellner sind jedoch positive Beispiele in den eigenen Reihen. Und in einem anderen Kontext hätte man einen solchen Angreifer nicht bekommen.


Aus Sicht des FCS macht es auch Sinn den Blick nach Uerdingen zu werfen. Der Umbruch in diesem Sommer lässt sich nicht vermeiden. Man hat nun zwei Spieler vom KFC geholt und dort wird es nach der turbulenten letzten Saison einen großen Aderlass geben. In Saarbrücken werden sie definitiv ein gutes Stück weniger an Gehalt bekommen als in Uerdingen, dafür kann man hier in einem normalen Verein Fußball spielen. Anders ausgedrückt: Die positive Entwicklung des FCS in den vergangenen Jahren sorgt nun dafür, dass man Chancen bei solchen Spielern hat und sie frühzeitig an Land ziehen kann.


Kadertechnisch steht man nach der Verpflichtung mittlerweile bei 21 Spieler für die kommende Saison. Abzüglich von U19-Spieler Recktenwald bleiben 20 Spieler. Die Zukunft von Leihgabe Marius Köhl bleibt - gerade nach den beiden Verpflichtungen im Angriff - offen. Denn mit Sebastian Jacob, Julian Günther-Schmidt, Marius Köhl, Justin Steinkötter und Grimaldi stehen mittlerweile fünf Angreifer für die neue Saison unter Vertrag. Es wird also eine komplett andere Ausgangslage als im vorherigen Sommer, als man lediglich mit Jacob als gelernten Angreifer in die Saison ging. Die Anzahl der Stürmer spricht auch für ein System mit zwei Spitzen, auch wenn man einen Spieler wie Günther-Schmidt auch im Mittelfeld sehen könnte. Der Stamm der Mannschaft liegt zum aktuellen Zeitpunkt bei 19 Spielern. Mögliche Sommerabgänge (Sverko, Köhl oder Bulic gelten als Kandidaten) mit Vertrag sind nicht eingerechnet. In allen Fällen ist noch der ein oder andere Kaderplatz für Neuzugänge frei.



Möglicher Kaderansatz beim FCS

TW: Batz, ???, ???

RV: Bösel, ???, (Recktenwald)

IV: Zellner, Sverko

IV: Uaferro, ???

LV: Müller, Galle

DM: Zeitz, ???, Bulic

RM: Deville, ???

OM: Jänicke, Kerber

OM: ???, ???

LM: Mendler, Gouras, ???

ST: Jacob, Günther-Schmidt, Steinkötter, Grimaldi, (Köhl)




Wer ist Adriano Grimaldi?

Adriano Grimaldi wurde im April 1991 im niedersächsischen Göttingen geboren. Seine Mutter stammt aus Deutschland, sein Vater gab ihm italienische Wurzeln mit. Fließend Italienisch spricht er nicht. Seine fußballerische Laufbahn begann er 1996 im Alter von fünf Jahren beim Nikolausberger SC am Rande von Göttingen. 2005 ging es dann innerhalb der Stadt zum SCW Göttingen. In Göttingen blieb er allerdings nur ein halbes Jahr, anschließend hatte er schon den Scouts einiger größerer Clubs auf sich aufmerksam gemacht. Im Januar 2006 folgte der Wechsel in die Nachwuchsabteilung von Hannover 96. Er spielte ein Jahr in der U16 des Clubs und wurde Meister der Niedersachsenliga. Im Jahr darauf spielte er mit der U17 in der Bundesliga. Dort absolvierte er den Saisonstart, wurde aber relativ schnell in die U19-Mannschaft gezogen und pendelte in der Folge zwischen beiden Clubs. In der U19 war er ein Ergänzungsspieler und kam auf sieben Einwechslungen in der Rückrunde mit zwei Toren. In der U17 wurde er in neun Spielen eingesetzt (ein Tor).


Statt den wirklichen Übergang in die U19 von 96 zu gehen, entschied sich für eine Rückkehr nach Göttingen und war dort mit 17 Jahren teil der Oberligamannschaft. Zu Saisonbeginn wurde er drei Mal eingewechselt. Sein Aktivendebüt gab er am 17.August 2009 gegen Ottersberg. Danach spielte er einige Male in der A-Jugend des Klubs ehe er im November zum ersten Mal über 90 Minuten ran durfte. In der Startelf stand er auch in den folgenden drei Spielen und erzielte gegen Braunschweig II auch seinen ersten Treffer. Als vielversprechendes Talent gehandelt ging er schon im Winter 2008 den nächsten Schritt und wechselte zum FC Sachsen Leipzig in die Regionalliga. Dort eroberte er sich unmittelbar einen Stammplatz und bestritt in der Rückrunde 12 Spiele für Leipzig, wobei er gleich zehn Mal von Beginn an ran durfte. Er erzielte zwei Saisontore, die Mannschaft stieg jedoch Chancenlos in die Oberliga ab.


Seine Leistungen in diesem Halbjahr reichten jedoch als Empfehlung und sein Weg führte ihn zur U23 von Mainz 05. Er startete stark, traf früh in der Saison und fand sich plötzlich bis zur Winterpause im Dunstkreis der Bundesligamannschaft wider. Gleich am fünften Spieltag wurde er bei einem Rückstand auch eingewechselt. Er holte den Elfmeter vor dem Ausgleich heraus, am Ende gewann Mainz mit 2:1. Bis zum Winter folgten fünf weitere Einwechslungen in der Bundesliga. Dazu kam er über die komplette Saison gesehen auf 18 Einsätze in der Regionalliga. Bei vier Saisontoren stand er im Hinspiel gegen den FC über 90 Minuten auf dem Feld, im Rückspiel stand er nicht im Kader. Auch in der U19 der Mainzer bestritt er noch eine Begegnung (ein Tor). 2010/11 (seinem ersten "echten" Aktivenjahr) spielte er in der Bundesligamannschaft keine Rolle mehr und wurde ausschließlich in der 2.Mannschaft eingesetzt. Dort war er Stammspieler und erzielte in 25 Saisonspielen sieben Tore. In zwei Phasen fehlte er verletzungsbedingt.


Nach zwei Jahren in Mainz versuchte er ab Sommer 2011 sein Glück in der 2.Bundesliga. Bei Fortuna Düsseldorf stand er gleich am ersten Spieltag in der Startelf, ansonsten war er bis zur Winterpause ein Ergänzungsspieler. Er bestritt insgesamt sieben Zweitligaspiele (sechs Einwechslungen) und wurde auch bei zwei Pokalspielen eingewechselt. Dabei gelangen ihm zwei Treffer. Zusätzlich sammelte er bei drei Spielen in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Spielpraxis. Wirklich zufriedenstellend konnte diese Bilanz für ihn jedoch nicht sein und so ließ er sich im Winter zum SV Sandhausen ausleihen. Das Intermezzo beim damaligen Drittligisten und späteren Meister blieb aus seiner Sicht jedoch unter den Erwartungen. Zwar wurde Grimaldi zehn Mal eingesetzt, kam in allen Begegnungen jedoch nur von der Bank ins Spiel. So auch beim Auswärtsspiel beim FCS (2:1-Niederlage). Ein Saisontor gelang nicht.


Statt einer Rückkehr nach Düsseldorf wechselte Grimaldi im Sommer innerhalb der 3.Liga und schloss sich dem VfL Osnabrück an. Beim VfL gelang ihm der Durchbruch in der 3.Liga, allerdings erst im zweiten Jahr. In der ersten Saison war er zumeist ein Joker und kam auf 27 Einsätze. Nur drei Mal spielte er jedoch von Beginn an. Zwei Tore und vier Vorlagen lautete seine Bilanz. Auch in beiden Relegationsspielen gegen Dresden kam er nur zu Kurzeinsätzen. In der zweiten Saison etablierte er sich als Stammspieler und steuerte elf Saisontore zum fünften Platz bei. Gleich drei Mal traf er im Heimspiel gegen den FCS (4:1). Grimaldi - immer wieder von Knieproblemen geplagt - absolvierte 29 Einsätze (21x Startelf). Für Grimaldi gab es dennoch den Aufstieg, denn ihn zog es zum Meister Heidenheim.


In Heidenheim schwankte er in der Rückrunde zwischen der Startelf und der Jokerrolle und kam insgesamt auf 16 Zweitligaeinsätze. Acht Mal begann er in der Startelf (1 Tor). Auch im DFB-Pokal gegen Union Berlin traf er. Auch im zweiten Jahr blieb ihm der endgültige Durchbruch in der 2.Liga verwehrt. Bis zur Winterpause kam er auf zehn Einsätze, vier Mal spielte er von Beginn an. Ihm gelang ein Saisontor. Im Winter wechselte er zu Preußen Münster in die 3.Liga und unterschrieb dort bis 2018. Er brauchte die Rückrunde der Saison 2015/16 um sich in Münster zu etablieren und kam oft - nämlich in sieben von elf Fällen - nur von der Bank und erzielte drei Tore. Die folgende Saison war dafür sehr erfolgreich. Er war Stammspieler in Münster und kam auf 28 Einsätze. Die übrigen Begegnungen stand er verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. 17 Scorerpunkte (12 Tore) gingen auf sein Konto. Münster wurde Neunter. 2017/18 legte er nach und erzielte 15 Tore in 32 Einsätzen. Dazu kamen sieben Vorlagen. Er kam ohne größere Verletzungen durch die Saison und konnte so zur Bestleistung auflaufen. Auch war er in dieser Saison in Münster der Mannschaftskapitän.


Nach Ende seines Vertrag folgte 2018 der Wechsel zu 1860 München. Bei den Löwen war er im ersten Halbjahr ein Stammspieler im Sturm und kam auf 19 Einsätze mit fünf Treffern. Glücklich wurde er in München trotzdem nicht und bereits nach einem halben Jahr wechselte er zum KFC Uerdingen. In Uerdingen erlebte er zunächst eine Zeit zum Vergessen und fiel fast die komplette Rückrunde aus (nur vier Einsätze, ein Tor). Diese Probleme zogen sich auch durch die Saison 2019/20 und der Angreifer konnte gerade einmal neun Spiele (sechs Mal Startelf) absolvieren. In der gerade abgelaufenen Saison lief es wieder besser, wenngleich auch nicht perfekt. Bis Ende März konnte er aber immerhin 21 Spiele absolvieren und erzielte in dieser Zeit fünf Tore. In den letzten vier Spielen im März traf er in jedem Spiel und schien auf dem Rückkehr zur alten Stärke. Dann setzte ihn eine Quarantäne als Kontaktperson mit einer folgenden Erkrankung am Corona-Virus bis zum Ende der Saison außer Gefecht.


Adriano Grimaldi ist ein erfahrener Angreifer. Neben sechs Einsätzen in der Bundesliga und 33 Einsätze in der 2.Liga kennt er sich vor allem in der 3.Liga perfekt aus. Hier kommt er schon auf 190 Einsätze. In dieser Zeit gelangen ihm 55 Tore und 26 Vorlagen. Dazu kommen unter anderem fast 60 Einsätze in der Regionalliga (14 Tore) und einige Oberligaeinsätze. Seine Position ist die des Mittelstürmers und diese Rolle hat er auch seine komplette Karriere über gespielt. Dabei nimmt er die Rolle des Strafraumstürmers ein.



Daten


Geburtstag:5.April 1991
Geburtsort:Göttingen
Nationalität:Deutsch
Größe:1,88
Starker Fuß:Rechts
Position:Mittelstürmer
Nebenposition:Hängende Spitze
Letzter Club:KFC Uerdingen
Vertrag bis:30.06.2023



Stationen in der Jugend


VereinVonBis
Nikolausberger SC199630.06.2005
SCW Göttingen01.07.200531.12.2005
Hannover 9601.01.200630.06.2008



Stationen im Aktivenbereich


VereinVonBisLiga
SCW Göttingen01.07.200830.01.2009Oberliga
Sachsen Leipzig
31.01.200930.06.2009Regionalliga
FSV Mainz II01.07.200930.06.2011Regionalliga
Fortuna Düsseldorf01.07.201130.01.20122.Liga
SV Sandhausen (Leihe)
31.01.201230.06.20123.Liga
VfL Osnabrück19.07.201230.06.20143.Liga
1.FC Heidenheim01.07.201430.01.20162.Liga
Preußen Münster31.01.201630.06.20183.Liga
1860 München01.07.201821.01.20193.Liga
KFC Uerdingen22.01.201930.06.20213.Liga



Einsätze


AnzahlLigaTore
6Bundesliga0
332.Bundesliga
3
1903.Liga55
58Regionalliga14
9Oberliga2
2Relegation 2.Liga0
8DFB-Pokal1
8U19-Bundesliga3
9U17-Bundesliga1

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