Schwacher FCS scheitert im Halbfinale

Spielbetrachtung

Drei Tage nach dem Viertelfinalerfolg über den FV Diefflen ging es für den FCS am Dienstag schon weiter im Saarlandpokal. Das Derby beim FC 08 Homburg stand für das Halbfinale auf dem Plan. Es war das 80.Saarderby seit 1945 und hatte doch seine eigene Besonderheit: Statt 6.000 - 8.000 Zuschauern im Waldstadion (oder zumindest einigen Hundert Besuchern in Corona-Zeiten) waren überhaupt keine Zuschauer vor Ort. Erstmalig wurde das Spiel als Geisterspiel ausgetragen.


Der FC Homburg hatte am Samstag seine Pflichtaufgabe bei der TuS Herrensohr (Saarlandliga) absolviert und den Einzug in das Halbfinale klar gemacht. Trainer Matthias Mink veränderte seine Startaufstellung im Vergleich zu diesem Spiel auf einer Position im 4-3-3-System. Vor Torhüter Salfeld verteidigten Tim Stegerer und Philipp Schuck als Außenverteidiger. Schuck kam für Plattenhardt in die Mannschaft. Zentral agierten Maurice Springfeld und Abwehrchef Stefano Maier. Das zentrale Mittelfeld wurde von Daniel di Gregorio, Serkan Göcer und Patrick Lienhard besetzt. Über den linken Flügel kam Jannik Sommer, den rechten Flügel besetzte Marcel Carl und Sturmspitze war Patrick Dulleck. Mit Salfeld, Stegerer, Göcer und Carl standen vier ehemalige FCS-Spieler in der Startelf. Kapitän Christian Telch blieb erneut nur die Bank, doch saß auch Neuzugang Philipp Hoffmann.


Beim FCS hatte Trainer Lukas Kwasniok die breite Auswahl. Nur Torhüter Ramon Castellucci stand verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Der Keeper befindet sich nach wie vor im Lauftraining. Bei den Molschdern kehrten einige geschonte Spieler in den Kader zurück, im Umkehrschluss mussten auch einige Akteure aus dem Aufgebot weichen. Insgesamt konnten acht Spieler nicht berücksichtigt werden: Mergim Fejzullahu, Teo Herr, Rasim Bulic, Marin Sverko (erst seit Montag beim Team) und Marius Köhl standen nicht im Kader. Im Vergleich zum Sieg gegen Diefflen nahm der Trainer gleich mehrere Veränderungen an der Startaufstellung vor. Tobias Jänicke, Christopher Schorch, Kianz Froese, Timm Golley und José Vunguidica rotierten aus der Mannschaft. Vor Daniel Batz im Tor begann in der Folge eine andere Viererkette. Anthony Barylla nahm seine angestammte Position als rechter Verteidiger ein, in der Innenverteidigung kehrte Boné Uaferro in die Mannschaft zurück. Steven Zellner dagegen wurde überraschenderweise nicht nominiert, dafür begann erneut Jayson Breitenbach. Mario Müller verteidigte erneut als linker Verteidiger. Den defensivsten Part im Mittelfeld übernahm Kapitän Zeitz statt Kianz Froese. Auf den Achterpositionen gab Sebastian Bösel an der Seite von Maurice Deville sein Pflichtspieldebüt für den FCS. Fanol Perdedaj saß überraschenderweise nur auf der Bank. Über den rechten Flügel kam Nicklas Shipnoski, auf dem linken Flügel begann Markus Mendler und im Angriff startete Jacob statt Vunguidica. Als Reservespieler standen Jonas Lucchi (ETW), Christopher Schorch, Steven Zellner, Kianz Froese, Fanol Perdedaj, Tobias Jänicke, Timm Golley, Minos Gouras, Jonas Singer und José Vunguidica im Aufgebot.


Die Begegnung begann mit einem echten Schocker. Dulleck wurde über die rechte Seite geschickt, ließ Uaferro alt aussehen und bediente im Zentrum den mitgelaufenen Göcer. Göcer ballerte das Ding freistehend und ohne Torwart aus sechs Meter an die Latte. Dies hätte die frühe Führung sein müssen. Nach dieser Aktion hatte die Begegnung erst mal nicht viel zu bieten. Homburg gehörte die Anfangsphase, Chancen gab es auf beiden Seiten jedoch nicht. Die erste offensive Aktion hatte der FCS nach dreizehn Minuten. Jacob war zentral gefoult wurden, den Freistoß setzte Mendler jedoch einige Meter über das Tor. Die Blauschwarzen steigerten in der Folge ihren Anteil am Ballbesitz, konnte sich jedoch weiter keine Torchance erspielen. Zwei Bälle kamen in den Strafraum, beide Male war Salfeld rechtzeitig zur Stelle. Den ersten Schuss auf das Tor gab es nach 25 Minuten. Nach einem Eckball köpfte Shipnoski auf das Tor, Salfeld hatte keine Mühe. Das Spiel schleppte sich weiter durch die erste Halbzeit und die Mannschaften egalisierten sich nahezu vollständig. Nach 32 Minuten hatte der FCS dann plötzlich die Chance auf die Führung. Der FCS gewann tief in der eigenen Hälfte den Ball, über Mendler und Jacob landete die Kugel bei Shipnoski. Der Außenbahnspieler verzögerte das Tempo und schloss dann aus 23 Meter ab. Der Ball donnerte an die Latte. Beide Mannschaften leisteten sich über die erste Hälfte hinweg viele einfache Ballverluste, so nach 35 Minuten. Zeitz verlor den Ball, den Konter konnte Breitenbach nur per Foul beenden. Sommer hämmerte den folgenden Freistoß in die Mauer. Kurz vor der Pause wurde es dann hektischer. Zunächst bekam der FCS einen weiteren Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen. Mendler schoss, Salfeld fischte das Leder stark aus der Ecke. Eine Minute später setzt sich Shipnoski stark über links durch, Mendler verpasst das Zuspiel im Zentrum und wird leicht berührt. Der Elfmeterpfiff bleibt zurecht aus. Im Gegenzug kommt Homburg in den FCS-Strafraum und Sommer lässt sich im Strafraum fallen. Der schwache Zweitligaschiedsrichter Alt entschied völlig überraschend auf Elfmeter. Bösel soll gefoult haben. Eine glasklare Fehlentscheidung und ein Bewerbungsschreiben warum der Videobeweis in den ersten beiden Ligen mittlerweile benötigt wird. Lienhard verlädt Batz und trifft zur Homburger Führung (45.). In der Nachspielzeit setzte Uaferro Jacob ein, sein Abschluss aus 20 Meter wurde von Salfeld abgewehrt.


In der Halbzeit nahm Kwasniok dann zwei Veränderungen vor. Timm Golley und Fanol Perdedaj kamen für die enttäuschenden Maurice Deville und Sebastian Bösel und sollten neuen Schwung im Mittelfeld bringen. Zunächst passierte im zweiten Abschnitt jedoch nichts. Homburg stand nun tief in der eigenen Hälfte und der FCS hatte keine Mittel um diese Abwehr zu knacken. Mendler eröffnete die zweite Hälfte dann nach 55 Minuten. Er hatte an der Strafraumgrenze etwas Platz und schloss ab. Der Ball ging jedoch links am Tor vorbei und Salfeld wäre da gewesen. Vier Minuten später ließ Dulleck die FCS-Abwehr alt aussehen und ging durch zwei durch. Batz konnte parieren. Nach einer Stunde wechselte Kwasniok ein drittes Mal und nahm Markus Mendler vom Feld. Für Mendler kam Minos Gouras ins Spiel. Mit diesem Wechsel erlahmte das FCS-Spiel weiter. Hatte die Flügelzange Shipnoski - Mendler bisher wenigstens Ansätze gehabt konnte sich der FCH in der Folge auf Shipnoski konzentrieren und nahm ihn aus dem Spiel. Golley hämmerte einen Freistoß in die Mauer, der anschließende Eckball verunglückte eigentlich auch und fand deswegen den Kopf von Zeitz. Der Kopfball ging knapp am langen Pfosten vorbei. Endlich mal echte Torgefahr durch den FCS! In der Folge muss Homburg das Spiel entscheiden. Eine Volleyabnahme scheitert an Batz und der Torhüter klärte dann auch gleich zwei Mal gegen den durchgebrochenen Lienhard. Batz reagierte auch gegen Stegerers Kopfball sensationell. Beim anschließenden Konter stand Gouras alleine vor Salfeld, scheiterte jedoch an dessen Fuß. Vier Minuten später ging Jacob nach einer Flanke zu Boden. Die minimale Berührung stellt sicher keinen Elfmeter dar, war aber mehr Elfmeter als der Pfiff auf der anderen Seite. Wer nun auf eine Schlussoffensive des FCS hoffte sah sich getäuscht. Die Blauschwarzen spielten weiterhin ideenlos und sorgte durch Torgefahr, da ein Homburger Perdedaj im Strafraum anschoss. Die logische Folge gab es nach 82 Minuten. Der FCH kam über links, Gouras half Müller nicht und jener Müller kam gegen Stegerer zu spät. Flache Flanke, Marceta hält den Fuß hin und trifft zum 2:0. Die Entscheidung. Der FCS stellte nun noch Uaferro in den Sturm, hatte aber weiter keine Mittel. Erst tief in der Nachspielzeit hatte man noch mal zwei Chancen. Zeitz (nach einem schnellen Einwurf von Gouras) und Shipnoski (nach einer guten Einzelaktion) scheiterten. Den Schlusspunkt setzte der FCS dann quasi selbst. Ein missglückter Abschlag von Batz landete bei Marceta und kam prompt retour. Das 3:0 durch Marceta war zugleich der Endstand.


Der Traum von der Titelverteidigung und von weiteren DFB-Pokalspielen ist geplatzt. Hochverdient geht ein schwacher bis indiskutabler FCS gegen den FCH unter. Über keine Phase in den 90 Minuten ist der FCS so aufgetreten wie es nötig ist, um in Homburg bestehen zu können. Viele Spieler wirkten nicht frisch, nicht spritzig und auch als Mannschaft ließ der FC viele Eigenschaften vermissen. Ein Beispiel: Im ersten Abschnitt presste Mendler regelmäßig alleine. Eklataner: Über die vollen 90 Minuten hatten die Molschder keine Idee und keine Mittel um die Abwehr der Homburger zu knacken oder hinter die Defensive zu kommen. Die einzigen Ansätze kamen von Mendler und Shipnoski, wirkliche Durchschlagskraft konnten aber auch die Beiden nicht auf den Platz bringen beziehungsweise es fehlte die Unterstützung der Nebenleute. Auch Sebastian Jacob war fast vollständig abgemeldet und so kam der FCS wenn überhaupt nur noch Standards und Zufallprodukte zu Chancen. Das war schon in der ersten Hälfte zu sehen, da hatte man schon riesige Probleme. Nach 45 Sekunden kann man schon hinten liegen. Nach vorne gab es den Freistoß von Mendler und der Abschluss von Shipnoski. Mit etwas Glück kann der FCS da in Führung gehen. Der Nackenschlag vor der Pause hat dann mit Sicherheit nicht geholfen. An sich hatte man es in dieser Phase defensiv im Griff und dann kommt ein solcher Nackenschlag. Im Endeffekt war die eigene Leistung aber nicht ausreichend und daher hilft es nichts hier die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen. Die zweite Hälfte war dann ein Ausruf von Hilflosigkeit in diesem Spiel und man konnte aus dem eigenen Ballbesitz wenig bis nichts tun. Im Gegenteil: Die Gastgeber müssen schon früher ihre Räume besser nutzen und das Spiel entscheiden. Sie haben den FCS immerhin bis zur 82.Minute im Spiel gelassen. Im Endeffekt wird es für den FCS jetzt in die Analyse gehen müssen. Wie kann eine solche Leistung geschehen? Warum wirkten so viele Spieler ohne Frische, obwohl sie am Samstag nicht im Einsatz waren? Warum waren die Spieler so weit weg von einer guten Form? Und auch die Art und Weise wie man diese Spiele angegangen ist wird man hinterfragen müssen. Man hat die Spiele zu sehr als "Testspielwoche" mit viel Rotation bestritten, als einfach mal das heutige Spiel als ernsthaftes Pflichtspiel zu nehmen. Ein Steven Zellner hat nicht gespielt, dafür aber wieder das Experiment mit Jayson Breitenbach in der Innenverteidigung. Auch Perdedaj hat man ohne Not auf die Bank gesetzt. Ohne Finale am Sammstag und Pokal im September bleiben dem FCS nun vier Wochen Zeit um sich auf die Drittligasaison vorzubereiten. Dann werden gänzlich andere Leistungen benötigt werden.




Spieldaten


Wettbewerb:HalbfinaleSaarlandpokal 2019/20
Datum:Dienstag, 18.August 202018:30 Uhr
Spielort:WaldstadionHomburg
Zuschauer:0(Geisterspiel)



Tore


SpielstandSpielminuteTorschütze
1:045.MinutePatrick Lienhard
2:0
82.MinuteDamjan Marceta
3:0
90.MinuteDamjan Marceta


Taktik


4-3-34-1-4-1



Aufstellung

mm



Ersatzbank


FC 08 Homburg1.FC Saarbrücken
Niklas Knichel (ETW)
Jonas Lucchi (ETW)
Jannis ReussChristopher Schorch
Luca Plattenhardt
Kianz Froese
Christian TelchTobias Jänicke
Marco HingerlTimm Golley
Loris WeißMinos Gouras
Damjan MarcetaJosé Vunguidica
Jonas Singer
Steven Zellner
Fanol Perdedaj



Wechsel


SpielminuteAusgewechseltEingewechselt
46.Maurice DevilleTimm Golley
46.
Sebastian BöselFanol Perdedaj
61.
Markus MendlerMinos Gouras
72.Patrick LienhardMarco Hingerl
76.Patrick DulleckDamjan Marceta
79.Marcel CarlLuca Plattenhardt



Nicht im Kader


SpielerGrund
Ramon CastellucciMuskelfaserriss
Mergim FejzullahuNicht berücksichtigt
Teo HerrNicht berücksichtigt
Rasim BulicNicht berücksichtigt
Marin SverkoNicht berücksichtigt
Marius KöhlNicht berücksichtigt