Spielbericht: Sieg der Moral gegen Verl

Mit 4:2 siegt der FCS am Freitagabend beim SC Verl. Die wichtigste Erkenntnis des Abends war das Ergebnis. Jeder Sieg ist wichtig, dieser Auswärtssieg war nach den letzten Wochen jedoch ungemein wertvoll für den FCS. Mit welcher Spielweise man gewinnen konnte spielt nur eine untergeordnete Rolle. Man hat sich mit den beiden Derbyniederlagen einen großen Rucksack aufgeschnallt und konnte gegen Verl einen Befreiungsschlag landen. Eine weitere Niederlage hätte die Krisensituation weiter verschärft, so kann man beim FCS einmal tief durchatmen. Wenn man sich das Spiel im Rückblick noch mal anschaut, muss man nicht zwingend von einem verdienten Sieg sprechen. Verl war über weite Strecken die deutlich aktivere Mannschaft, hatte die deutlich bessere Spielanlage und die Malstätter beschränkten sich auf die absoluten Basiselemente im Fußball. Man viel in der Defensive gefordert, hat viel Laufarbeit gegen den Ball betrieben und es im eigenen Ballbesitz oft einfach gehalten. Es gab Kombinationen, aber meist war es doch der lange Ball in die Spitze.


Dieses Konzept ging nach einer Viertelstunde zum ersten Mal auf. Nach einem langen Schlag machten es Grimaldi und Günther-Schmidt fußballerisch stark. Beim Abschluss jagte Grimaldi den Volleyball mit sämtlichen Frust in die Maschen. Es war das 300.Tor des FCS in der 3.Liga. Keine zwei Minuten später hätte es sogar den zweiten Treffer geben können. Jänicke eroberte an der gegnerischen Grundlinie den Ball gegen den ehemaligen Saarbrücker Schäfer, zentral klärte Verl in letzter Sekunde vor Grimaldi. Sonst hatte die Begegnung bis dahin wenig Tempo, fast keine Toraktionen und einen leicht überlegenen SCV gesehen. Auch nach der Führung spielte überwiegend der Gastgeber, sie bissen sich jedoch meist an der Defensive des FCS die Zähne aus. Ochojski verpasste im Anschluss an einen Solo aus 18 Metern (23.), zehn Minuten später gab es die große Chance zum Ausgleich. Nach einem Stellungsfehler von Zeitz konnte der Steckpass nicht verhindert werden, Batz behielt im 1vs1 gegen Putaro die Oberhand. Der FCS kam in dieser Phase nur durch Konter mal in die Offensive, der letzte Ball kam jedoch nicht an. So ging es mit der knappen Führung in die Halbzeit.


Mit Beginn der zweiten Hälfte veränderte sich das Spiel kaum. Verl hatte viel Ballbesitz und eine gute Struktur im Mittelfeld. In den gefährlichen Bereich kamen die Hausherren zunächst selten. Beim FCS gab es nach 55 Minuten den ersten Wechsel. Maurice Deville kam für Marius Köhl ins Spiel. Der Startelfdebütant kann aus der Begegnung viel lernen, diese Eingewöhnungszeit in der Liga muss man einem jungen Spieler zugestehen. Doch in diese Phase ließen die Malstätter ihre Disziplin im Spiel gegen den Ball zu sehr schleifen, ging nun zu sehr in einen Verwaltungsmodus über. Die Nachlässigkeit wurde mit einem Doppelschlag bestraft. Nach einer Stunde wurde ein Freistoß aus dem Halbfeld zur Gefahr, Bulic störte Petrov im Luftzweikampf nicht. Dessen Kopfball zur Seite konnte der völlig freie Putaro aus zwei Metern über die Linie drücken. Fünf Minuten später war das Spiel komplett gedreht. Der gerade eingewechselte Berlinski setzte sich im Zentrum gegen Krätschmer und Batz durch und traf zur Führung. Koschinat reagiert sofort, brachte den offensiven Steinkötter für den defensiven Bulic (67.). Als Frage im Raum stand nun, inwiefern der FCS noch mal die Moral für ein Comeback aufbringen konnte. Die Malstätter mühten sich unmittelbar in der Offensive und kamen nach 71 Minuten auch zum Ausgleich. Zeitz flankte von Rechts, Deville köpfte stark rechts oben ein. Zwei Minuten später war das Spiel sogar komplett gedreht. Wieder ging es über rechts, dieses Mal brachte Boeder die Flanke. Die Verlängerung von Günther-Schmidt drückte Grimaldi zum umjubelten 3:2 in die Maschen (73.). In der Folge kontrollierte der FC die Begegnung besser, Verl kam trotz erneut mehr Ballbesitz zu keinen nennenswerten Chancen mehr. Bitter für den FCS: Zehn Minuten vor Schluss musste Grimaldi mit Verdacht auf eine muskuläre Verletzung vom Feld. Für den Angreifer kam Dennis Erdmann zu seinem ersten Einsatz seit Halle ins Spiel. Erdmann rückte auf die Sechserposition. Außerdem kam noch Robin Scheu für Jänicke. Steinkötter rückte nun endgültig in die Spitze. Der insgesamt auffällige Offensivspieler zog nach einem Befreiungsschlag davon, wurde im Strafraum von Schäfer gelegt. Günther-Schmidt verwandelte den fälligen Strafstoß zur Entscheidung.



Wie war die Kulisse?

Oberligafeeling in der 3.Liga. Erwartungsgemäß war das Stadion am Lotter Kreuz - dort der SC Verl in dieser Saison seine Heimspiele aus - nur spärlich gefüllt. Vor der Begegnung betrug der Zuschauerschnitt der Verler lediglich einen Wert von 1.365 Besucher. Der vierstellige Schnitt war einzig durch das Nachbarschaftsduell gegen Osnabrück erreicht worden. Am Freitag fanden nun gerade einmal 558 Zuschauer den Weg zum Flutlichtspiel. Für den FCS bedeutete es das erste reguläre Drittligaspiel (keine Geisterspiele) bei einer ersten Mannschaft mit weniger als 1.000 Zuschauern. Aus Saarbrücken hatten rund 200 Schlachtenbummler die Reise angetreten. In der ersten Hälfte vollzogen die FCS-Fans nach dem verlorenen Derby eine stille Halbzeit, in Hälfte 2 setzte dann ein vernünftiger Support ein. Die Heimseite war über das komplette Spiel nicht zu vernehmen.



Personal und Taktik

Größere personelle Probleme plagten die Mannschaft im Vorfeld. Abseits der üblichen Ausfälle (Jonas Hupe, Steven Zellner, Boné Uaferro, Sebastian Bösel) musste man auch auf Dominik Ernst (fünfte gelbe Karte), Sebastian Jacob (grippaler Infekt) und Minos Gouras (Covid) verzichten. Aus dem Staff fehlten zudem Athletiktrainer Fuhr und Zeugwart Schmidt nach positiven Covid-Tests. Mario Müller und Robin Scheu stellten sich in den Dienst des Teams. Beide angeschlagenen Spieler saßen zumindest auf der Bank. Im Vergleich zum letzten Ligaspiel stand Luca Kerber (nach Sperre) wieder zur Verfügung. Fünf (teils erzwungene) Veränderungen gegenüber der Niederlage gegen Kaiserslautern nahm Trainer Koschinat an seiner Mannschaft vor. Vor Daniel Batz rückte Lukas Boeder von der Innenverteidigung auf die Position des rechten Verteidigers. Dort ersetzte er Ernst. Zentral rückte Pius Krätschmer - zuletzt als Sechser aufgeboten - neben Zeitz in die Innenverteidigung. Links verteidigte Nick Galle. Das Mittelfeld wurde komplett neu aufgestellt. Kerber (statt Dave Gnaase) und Rasim Bulic rückten im zentralen Mittelfeld in die Mannschaft. Für Bulic bedeutete es sein Startelfdebüt in dieser Saison. Rechts Außen begann Tobias Jänicke statt Robin Scheu, auf dem linken Flügel begann Marius Köhl für Minos Gouras. Das Eigengewächs durfte bis dato lediglich in den beiden Pokalspielen von Beginn an ran und feierte sein Startelfdebüt in der 3.Liga. Hinter der Spitze ersetzte Julian Günther-Schmidt noch Sebastian Jacob, im Sturmzentrum konnte Adriano Grimaldi auflaufen. Auf der Bank saßen Marcel Johnen, Mario Müller, Alexander Groiß, Dennis Erdmann, Maurice Deville, Dave Gnaase, Tim Korzuschek, Robin Scheu und Justin Steinkötter.



Wie verlief das Jubiläum von Manuel Zeitz?

Manuel Zeitz hat sich in einen erlesenen Kreis gespielt. Der FCS-Kapitän bestritt in Lotte sein 300.Pflichtspiel für die Profis der Malstätter. Vor ihm hatten das seit 1945 nur fünf andere Spieler (Erich Rohe, Hans-Dieter Diehl, Ernst Traser, Egon Schmitt und Herbert Martin) geschafft. In Lotte zeigte er über weite Strecken einen vernünftigen Auftritt. Mitte der ersten Hälfte war er bei einer Großchance der Verler falsch platziert.



Ausblick: Nächsten Samstag gegen Berlin

Nächsten Samstag soll der erste Heimsieg seit Mitte September (3:1 gegen Türkgücü München) her. Dann empfangen die Malstätter den Aufsteiger FC Viktoria Berlin im Ludwigspark. Es wird das erste Pflichtspiel zwischen den beiden Clubs sein. Karten für das Heimspiel sind seit Freitag über Reservix erhältlich, laut der neuesten Pandemieverordnung des Saarlandes wird die Begegnung unter 3G-Bedingungen ablaufen.

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