Vorbericht: Aufsteiger gastiert im Park

Die Zielgerade des Jahres 2021 läuft. Der 1.FCS konnte einen erfolgreichen Start in diese letzte Phase feiern, siegte vergangenen Freitag mit 4:2 (1:0) beim SC Verl. Nach dem zwischenzeitlichen Rückstand war es auch ein Sieg der Moral, vor allem aber nach den vorherigen Rückschlägen und einer schweren personellen Situation ein kleiner Brustlöser. Man konnte etwas Selbstvertrauen tanken. Im nächsten Schritt muss nun auch die Leistung wieder verbessert werden und weiter gepunktet werden. Ein zweiter Sieg in Folge (zum ersten Mal in dieser Saison) könnte der nächste große Schritt gegangen werden. Am Samstag empfängt man den Aufsteiger Viktoria Berlin vor heimischer Kulisse. Zum ersten Mal überhaupt kommt es zu einem Duell mit dem Club aus Berlin-Lichterfelde. Anstoß im Ludwigspark ist um 14:00 Uhr. Seit drei Heimspielen wartet man auf einen Sieg, den letzten Heimsieg gab es Mitte September gegen Türkgücü München zu bejubeln.





Kein Livespiel mehr bis zur Winterpause

Das Spiel gegen Berlin wird ausschließlich von Pay-TV-Sender Magenta Sport und ihren Unterorganisationen übertragen. Die Vorberichte beginnen ab 13:45 Uhr, die Moderation übernimmt Cedric Pick. Kommentator der Begegnung (sowohl Einzelspiel als auch Konferenz) ist Mario Bast. Auch keines der weiteren drei FCS-Spiele im Jahr 2021 wird im Free-TV übertragen werden. Das Spiel in Zwickau findet an einem Freitag statt, die Heimspiele gegen Freiburg und Havelse wurden nicht ausgewählt. Mit bisher sieben Übertragungen liegt der FCS auf dem zweiten Platz der Liga. Bis inklusive dem Heimspiel gegen die Würzburger Kickers (Montag, 5.Februar) sind zu Beginn des neuen Jahres zwei Livespiele möglich. Am 15.Januar spielt man in Osnabrück, am 29.Januar ist man in Magdeburg zu Gast. Beide Spiele könnten für eine Liveübertragung in Frage kommen.



Noch gelten 3G-Regelungen im Park

Im Ludwigspark gelten (zum aktuellen Zeitpunkt, kurzfristige Änderungen sind möglich) noch die 3G-Regeln auf den normalen Zuschauerbereichen, auch gibt es in Sachen Kapazitäten keine Einschränkungen. Der Gästeblock auf der Westtribüne bleibt geschlossen. Ein Überblick über die Situation.



Der Gegner: Viktoria Berlin

Der Fußballclub Viktoria 1889 Berlin Lichterfelde-Tempelhof e. V. ist noch ein junger Verein. Erst 2013 wurde der Club als eine Fusion vom Berliner Fußball-Club Viktoria 1889 e. V und dem Lichterfelder FC Berlin 1892 e. V. gegründet. Der LFC Berlin spielte mal zwei Spielzeiten in der 2.Bundesliga, der BFC Viktoria krönte sich 1908 und 1911 zwei Mal zum Deutschen Meister. 1907 und 1909 wurde man zudem Vizemeister. Auf die große Historie der Viktoria beruft sich der Verein auch. Aus finanzieller Sicht ist der Fusionsclub gut aufgestellt. So ist der Club in die FC Viktoria 1889 Berlin Fußball GmbH ausgegliedert. Investor ist Tomislav Karajica um sein Unternehmen SEH Sports & Entertainment Holding. Er hat den Verein in einem Insolvenzverfahren übernommen und entschuldet. Zuletzt übernahm er die Kosten zur Ertüchtigung des Jahnstadions (kolportierte 1,5 Millionen Euro). Rund 1.600 Mitglieder sind im Verein gebündelt.


2013 qualifizierte sich einer der beiden Stammvereine für die Regionalliga Nordost und so ging der Fusionsclub gleich in der vierten Spielklasse an den Start. Das klare Ziel der Berliner lautet, sich hinter den Bundesligisten Hertha BSC und Union als dauerhafte Nummer Drei in Berlin zu etablierten. In der ersten Saison landete man im Mittelfeld der Regionalliga, im zweiten Jahr beendete man die Liga dagegen als Vorletzter. Den sportlichen Abstieg konnte man vermeiden, da gleich zwei Konkurrenten keine Lizenz erhielten. In den folgenden Jahren blieben die Berliner meist ein Mittelfeldteam und erreichten die Plätze 12 (2016), 13 (2018) und 11 (2019). Lediglich 2017 stach mit dem vierten Platz hervor. 2020 beendete man die abgebrochene Spielzeit auf dem achten Platz. Vergangene Saison profitierte man nach einem perfekten Start (elf Siege in elf Spielen) von erneuten Abbruch.



Kapitän der Himmelblauen: Benedetto Muzzicato

Deutsch-Italiener Benedetto Muzzicato ist seit der Saison 2019/20 der Trainer des FC Viktoria. Zuvor trainierte der 43-Jährige den BSV Schwarz-Weiß Rehden oder den FC Oberneuland. Sein Vertrag in Berlin läuft bis 2023. Als Spieler war er bis zur Regionalliga aktiv gewesen.



Ali Hahn kehrt in den Park zurück

Mit Alexander Hahn steht ein ehemaliger FCS-Spieler im Kader der Berliner. Er wechselte im Sommer zur Viktoria, kam verletzungsbedingt jedoch erst zu vier Einsätzen. Im letzten Spiel spielte er über 90 Minuten. Für den FCS spielte Hahn von 2014 bis 2017 in der Regionalliga Südwest. In der Regionalliga bestritt Hahn insgesamt 71 Spiele für den FC, in den ersten beiden Spielzeiten war er Stammspieler. Dazu kommen zehn Einsätze im Saarlandpokal und in beiden Aufstiegsspielen gegen Würzburg stand er über die volle Distanz auf dem Platz. Vom FCS ging es für Hahn über die Stationen Homburg und Essen nach Berlin.



Transferaktivitäten

Sieben Spieler aus dem Aufstiegskader gingen die erste Saison in der 3.Liga nicht mit an. Darunter fallen die letztjährigen Ersatztorhüter Melvin Williams und Elian Clasen. Beide kamen nicht zum Einsatz. In der Defensive wurde der auslaufende Vertrag mit Cimo Röcker nicht verlängert. Der 27-Jährige war in der letzten Saison noch eine Stammkraft bei der Viktoria gewesen. Der drittligaerfahrene Philipp Müller spielte verletzungsbedingt keine Rolle, der Flügelspieler blieb wie Kollege Mattis Daube in der Regionalliga. Daube war nah dran am Status des Stammspielers. Auch der routinierte Angreifer Pardis Farcad-Azad (33) bekam wie Nachwuchsangreifer Tamer Ertürkler keinen neuen Vertrag mehr.


Mit Mittelfeldspieler Yazid Heimur und den beiden Angreifern Matteo Gumaneh und Shalva Ogbaidze erhielten drei Spieler aus der eigenen U19 einen Profivertrag. Dazu kamen acht externe Neuzugänge. Im Tor verpflichtete man Julian Krahl (21) als neuer Herausforderer von Sprint. Er wurde vom 1.FC Köln geholt. Für die Innenverteidigung kam der ehemalige FCS-Spieler Alexander Hahn. Hahn war zuletzt Stammspieler bei RW Essen. Lukas Pinckert (21) ist ein junger Abwehrspieler aus der zweiten Mannschaft des Hamburger SV und auch Linksverteidiger Deji Beyreuther kam aus einer zweiten Mannschaft . Bei der TSG Hoffenheim absolvierte er 21 Einsätze. Pinckert kann auch auf der rechten Seite spielen. Im zentralen Mittelfeldbereich kam Bryang Kayo. Der 19-Jährige US-Amerikaner wurde vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Etwas offensiver im zentralen Mittelfeld ausgerichtet ist Königstransfer Tolcay Cigerci. Der jüngere Bruder des ehemaligen Bundesligaspielers galt einst ein riesiges Talent und war zuletzt in Altglienicki (Regionalliga Nordost) der überragende Spieler der Staffel mit neun Toren in zehn Spielen. Im linken Mittelfeld verpflichtete man Pasqual Verkamp. Der 24-Jährige spielte zuletzt für Jena in der Regionalliga und machte dort mit guten Leistungen auf sich aufmerksam. Er ist ein flexibler Spieler und kann auch im Sturm spielen. Dort beheimatet ist Soufian Benjamina. Nach einem unglücklichen Gastspiel in Lübeck nahm er in Berlin einen neuen Anlauf.



Bisherige Saison

Der Aufsteiger legte einen traumhaften Saisonstart hin. Das erste Drittligaspiel gegen Viktoria Köln mit 2:1 gewonnen. Becker und Angreifer Falcao (37./38.) drehten einen Rückstand innerhalb von zwei Minuten zum Premierensieg. Es folgten zwei sensationelle 4:0-Siege. Zunächst gelang dies in Braunschweig, Cigerci gelang ein Doppelschlag und dann im Heimspiel gegen Kaiserslautern. Wieder waren Falcao und Cigerci die überragenden Akteure. Nach diesem Rekordstart unterlag man am 4.Spieltag erstmalig im Heimspiel gegen Halle. Nach 90 Minuten hieß es 0:1. In Zwickau rettete man ein Unentschieden, Benjamina traf nach 89 Minuten zum Ausgleich. Den nächsten Dreier sammelte man zum Ende der englischen Woche, wieder war ein später Treffer ausschlaggebend. Pinckert traf in letzter Minute zum 1:0-Siegtreffer. Auch in Verl wurde es spät dramatisch. Cigerci und Jopek drehten zunächst in den Minuten nach der Pause einen Rückstand zur Führung, Verl konterte auf 3:2. In Unterzahl traf Cigerci in der 95.Minute zum Ausgleich. Am achten Spieltag bezwang man Wiesbaden im eigenen Stadion mit 3:1. Falcao und Cigerci trafen jeweils zu Beginn der Halbzeit, kurz vor Schluss legte man den entscheidenden dritten Treffer nach. Danach gingen die Resultate verloren. Zunächst verlor man beim SC Freiburg II mit 0:2, anschließend lieferte man sich mit Mitaufsteiger Havelse ein Spektakel. Trotz dreifacher Führung (Kapp, Jopek und Menz trafen) unterlag man am Ende im Heimspiel mit 3:4. Berlin spielte nach Führung von Gunte bei 1860 München ein Remis ein, unterlag nach erneuter Führung im Heimspiel gegen Osnabrück mit 1:2. In Magdeburg verlor man durch einen frühen Gegentreffer mit 0:1. Erst im Rahmen des 14.Spieltages konnte man wieder gewinnen. Gegen Dortmund II ging man durch Küc für wenige Minuten in Führung, erst Falcao fünf Minuten vor Spielende besorgte den Siegtreffer. In Unterzahl verlor man in der Folge beim MSV Duisburg, letzten Sonntag gab es ein 1:1-Unentschieden gegen die Würzburger Kickers. Die Gäste gingen früh in Führung, nach 76 Minuten glich der kurz zuvor eingewechselte Cigerci per Strafstoß aus. Er hatte zuvor verletzungsbedingt gefehlt.



Tabellensituation

Nach einem Rekordstart in den ersten drei Spielen und insgesamt 17 Punkten nach acht Spielen ist die Viktoria zuletzt ein Stück weit in die Normalität geholt worden. In den letzten acht Spielen konnte man so nur noch fünf Punkte holen, zu oft hat man sich trotz ansprechender Leistung nicht belohnen können. In einer Tabelle der letzten acht Spiele würde Berlin den vorletzten Platz einnehmen. Über die komplette Saison geht man als Tabellenneunter in die Begegnung. Mit jeweils sechs Siegen und sechs Niederlagen steht man bei 22 Punkten. Damit nimmt man genau das aktuelle Mittelmaß der Liga ein. Der Relegationsplatz ist fünf Punkte entfernt, der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt aktuell sechs Zähler. Ein kleines Problem ist - trotz schon 26 Saisontreffern, einem der höchsten Werte in der Liga - die Offensive. Zuletzt hat man zu wenige Tore gemacht und zu viele Chancen gebraucht. Der Ausfall von Cigerci wog in dieser Disziplin schwer. Der 26-Jährige ist die zentrale Figur der Viktoria. Mit sieben Toren ist er der beste Torschütze, mit fünf Vorlagen der beste Scorer der Mannschaft. Angreifer Falcao steht bereits bei fünf Saisontreffern. 20 Gegentore kassierte man. Vier Mal spielte man zu Null, in den letzten zehn Spielen gab es immer mindestens einen Gegentreffer. In der Auswärtstabelle sind die Himmelblauen auf Platz 14. In sieben Auswärtsspielen gab es sechs Zähler. Die Abstiegsränge sind in dieser Statistik einen Punkt entfernt. Den bislang einzigen Auswärtssieg holte man im ersten Auswärtsspiel in Braunschweig. Es folgten die Unentschieden in Zwickau und Verl, eine Niederlage in Freiburg und ein weiteres Remis in München. Die letzten beiden Auswärtsspiele gingen jeweils mit 1:0 verloren.



Aufstellung gegen Würzburg

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Abwehrspieler Kapp ist auch am Samstag gesperrt. Dafür dürfte Kapitän Menz nach abgesessener Sperre wieder seine Position im defensiven Mittelfeld einnehmen. Yannis Becker könnte dadurch auf seine angestammte Position im linken Mittelfeld wechseln und Beyreuther ersetzen. In der Offensive muss man mit dem Startelfcomeback von Cigerci rechnen. Der junge Ogbaidze könnte für ihn Platz machen, Cigerci spielt dann einen Zehner.

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