Vorbericht: Jahresabschluss gegen Schlusslicht

Die Winterpause ruft. Nach 20 Spieltagen geht es für die Drittligisten nach diesem Wochenende in die kurze Winterpause. Vier Wochen ruht der Ball dann in der Liga, Mitte Januar geht es weiter. Zuvor möchte der FCS jedoch zum ersten Mal seit 2011 wieder fünf Drittligasiege in Folge schaffen. Es wäre der perfekte Abschluss eines insgesamt starken FCS-Jahres und ein perfekter Abschluss dieser Phase nach der letzten Länderspielpause. Die Ausgangslage ist stark. Zuletzt bezwang man den SC Freiburg II im Ludwigspark mit 1:0. Ein Kopfballtreffer von Kapitän Manuel Zeitz unmittelbar vor der Pause bedeutete den knappen Sieg. Am Samstag kommt es wieder zu einem Heimspiel. Dann ist mit dem TSV Havelse zum dritten Mal in Folge ein Aufsteiger zu Gast im Park. Anstoß ist gewohntermaßen um 14:00 Uhr.



Liveübertragung wieder nur bei Magenta

Das letzte Pflichtspiel des Jahres wird ausschließlich bei Magenta Sport und den verbundenen Streamingseiten übertragen. Der Pay-TV-Sender startet seine Übertragung (Einzelspiel sowie Konferenz) um 13:45 Uhr.



Corona-bedingt Ausverkauft

Zum fünften Mal in dieser Saison meldet der FCS einen (Corona-bedingten) ausverkauften Ludwigspark. Rund zwei Stunden nach Beginn des freien Verkaufes am Mittwoch waren alle verfügbaren Karten verkauft. 4.800 Zuschauer dürfen am Samstag in den Park. Ohne eine solche Beschränkung hätte der FCS rund 6.000 Zuschauer im Park begrüßen können.



Noch kein Gegentreffer gegen Havelse

Erst drei Duelle bestritten die beiden Vereine. Die ersten Spiele fanden in der Saison 1990/1991 statt. Damals spielten beide Teams in der 2.Bundesliga. Das Spiel in Havelse entschied der FCS mit 2:0 für sich. Wenanty Fuhl und Wolfgang Schüler trafen im zweiten Abschnitt. Das Rückspiel fand im Mai 1991 im Ludwigspark statt. Das bisher einzige Heimspiel gegen den TSV sah vor 2.500 Zuschauern keine Tore. Auch im Hinspiel dieser Saison traf Havelse nicht. 2.230 Zuschauer in der HDI-Arena in Hannover erlebten am ersten Spieltag die Rückkehr der Zuschauer in die Stadien. Der FCS siegte durch einen Treffer von Minos Gouras mit 1:0, tat sich über das Spiel gesehen jedoch schwer gegen den Aufsteiger.



Der Gegner: TSV Havelse

Der Turn- und Sportverein Havelse wurde im August 1912 gegründet und besteht aus rund 900 Mitgliedern in fünf Abteilungen. In seiner Vereinsgeschichte spielte Havelse meist unterklassig, ab 1981 konnte man sich dann in der Oberliga Nord etablierten und wurde 1989 sogar Meister der Oberliga Nord. Man verpasste in der Aufstiegsrunde jedoch den Sprung in die 2.Bundesliga. In der folgenden Saison wurde man Zweiter, dieses Mal krönte man die starke Saison auch mit dem Aufstieg in die Zweitklassigkeit. Halten konnte man sich in dieser Spielklasse nicht, bereits im ersten Jahr stieg man als Vorletzter wieder ab und spielte in der Folge zwischen Oberliga und Landesliga. 2010 qualifizierte man sich für die Regionalliga Nord und spielte in den letzten elf Spielzeiten in der vierten Spielklasse. Meist lag man im Mittelfeld der Liga, 2013 gelang die Vizemeisterschaft, zwei Jahre zuvor war man noch sportlich abgestiegen. In der Saison 2020/21 erlebte man einen starken Saisonstart und war zum Zeitpunkt des Abbruches auf dem ersten Platz der Südstaffel der zweigeteilten Regionalliga Nord. Alle weiteren fraglichen Mannschaften verzichteten, dadurch durfte man in den Play-Off-Spielen gegen den FC Schweinfurt ran und gewann beide Spiele mit 1:0. Man erreichte den größten Vereinserfolg seit Jahrzehnten.


In das Abenteuer der 3.Liga ging man im Sommer als großer Außenseiter. Man hat keinen großen Sponsor hinter sich, gehört aus finanzieller Sicht in den untersten Bereich der Liga. So verfügt der Club über wenige echte Profis, die meisten Akteuren gehen (wenn auch in einer reduzierten Form) weiter ihrem bisherigen Beruf nach oder befinden sich in einem Studium. Ein Merkmal des Vereins in den letzten Jahren war die gute Arbeit mit den Spielern. Von Havelse aus wechselte der ein oder andere Akteur in höhere Ligen. Längst ist man in Havelse im Alltag angekommen, die Euphorie des Aufstieges verflogen. Sportlich konnte man nicht wie in der Vorsaison der SC Verl eine große Überraschung sein. Stattdessen ist man seit Monaten das Schlusslicht, der direkte Wiederabstieg höchstwahrscheinlich. Der nötige Umzug in das Bundesligastadion von Hannover 96 macht es nicht einfacher. Man spielt nicht in der eigenen Spielstätte, teilweise waren nur 530 Zuschauer im Stadion. Jedes Heimspiel kostet den Club rund 50.000 Euro. Längerfristige finanzielle Probleme soll diese Situation laut Aussage des Vereinsverantwortlich nicht verursachen.



Verantwortlich beim Schlusslicht: Rüdiger Ziehl

Trainer in Havelse ist Rüdiger Ziehl. Der 44-Jährige begann seine Trainerkarriere im Jahr 2012 als Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg und übernahm im Januar 2017 den Pfosten des Cheftrainers. Unter seiner Regie war Wolfsburg II erfolgreich, zum Saisonende 2020 verließ er den Club. Seit Beginn der Saison 2021/22 ist er in Havelse tätig. Er übernahm das Amt von Aufstiegstrainer Jan Zimmermann (ging nach Hannover, wurde Ende November entlassen).



Drei Neuzugänge seit dem Hinspiel

Der Kader hat sich seit dem Hinspiel etwas verändert. Mit Jannis Neugebauer und Nikos Elfert gingen Ende Juli zwei junge Flügelspieler ohne große Einsatzchancen von Bord. Im Gegenzug hatte Havelse im August noch drei neue Spieler unter Vertrag nehmen können. Außenverteidiger Florian Riedel kam als erfahrener Drittligaspieler, vergangene Saison spielte er für den VfB Lübeck. Tobias Stirl (21) kam vom VfL Wolfsburg II und ist Ersatztorwart. Außerdem ging der ehemalige FCS-Spieler Kianz Froese zum TSV. Froese spielt von 2019 bis letzten Sommer für den FCS.



Stabilisation nach katastrophalen Start

Der Start in das Abenteuer 3.Liga lief für Havelse denkbar schlecht. Zum Auftakt zeigte man sich gegen den FCS engagiert, verlor am Ende vor 2.250 Zuschauern jedoch mit 0:1. Im ersten Auswärtsspiel folgte gleich eine 0:3-Pleite beim MSV Duisburg. Man geriet Mitte der ersten Hälfte in Rückstand, hatte nur in der Phase nach der Pause die Chance auf den Ausgleich. Ein Doppelschlag nach 66/68 Minuten entschied die Begegnung. Anschließend war man gegen Magdeburg nah dran am ersten Punkt. Jaeschke hatte kurz nach der Pause mit dem ersten Drittligator einen Rückstand ausgeglichen, zwei Elfmeter in den letzten Spielminuten sorgten vor 3.000 Zuschauern für eine 1:3-Niederlage. Havelse hielt in dieser Phase gut mit, verlor jedoch. So auch in Wiesbaden. In Überzahl glich Jaeschke einen Rückstand aus (82.), in der Nachspielzeit gewannen die Gastgeber durch einen Elfmeter. Zwischen diesen beiden Spielen verlor man im Landespokal in Jeddeloh nach Elfmeterschießen. Es folge eine klare 0:3-Heimpleite gegen Türkgücü München, in Meppen schnupperte man lange am ersten Punkt. 15 Minuten vor Spielende kassierte man doch den entscheidenden Gegentreffer. Am 7.Spieltag unterlag man im Heimspiel gegen Dortmund II mit 0:1.


Die erste Belohnung gab es Mitte September. Bei den Würzburger Kickers erkämpfte man sich ein torloses Unentschieden und den ersten Punkt der Saison. Eine Woche später rang man in Hannover die Viktoria aus Köln nieder. Durch einen Elfmetertreffer von Froese aus der ersten Hälfte siegte man mit 1:0. Am zehnten Spieltag gewann man in einem spektakulären Spiel bei Mitaufsteiger Viktoria Berlin mit 4:3. Drei Mal geriet Havelse in Rückstand. Froese, Düker und Langfeld glichen aus. Zehn Minuten vor Schluss vollendete Meyer einen Konter zum Siegtreffer. Havelse blieb Letzter, hatte mit der besten Saisonphase jedoch den Anschluss an die Liga hergestellt. Die Punktephase endete mit einer 0:6-Pleite gegen Kaiserslautern, beim SC Verl unterlag man mit 3:5 und das Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig ging mit 0:4 verloren. Hier spielte Havelse rund 40 Minuten in Unterzahl und kassierte in dieser Phase noch drei Gegentreffer.


Anfang November gab es gegen Halle den dritten Saisonsieg. Ein Doppelpack von Lakenmacher reichte zum 2:1-Heimsieg. Es war der bisher letzte Sieg, in den vergangenen fünf Spielen gab es keinen Dreier mehr. Zunächst verlor man beim FSV Zwickau mit 0:2. Ein torloses Unentschieden beim SC Freiburg II folgte. Das Heimspiel gegen 1860 München verlor man mit 2:3, sicherte dafür in Osnabrück wieder einen Punktgewinn. Zum zweiten Mal in Folge fielen in einem Auswärtsspiel auf beiden Seiten keine Tore. Vergangenen Samstag setzte man dem nächsten Top-Team der Liga zu. Havelse agierte gegen Mannheim über weite Strecken auf Augenhöhe, kassierte erst zwei Minuten vor Spielende den Gegentreffer zur Niederlage. Plume hatte für Havelse zwischenzeitlich ausgeglichen.



Fernrohr zu den Nichtabstiegsplätzen

Nach den ersten sieben Spieltagen konnte sich Havelse stabilisieren. Bei einer Tabelle ab dem 8.Spieltag würde der TSV so auf einem Nichtabstiegsplatz (Platz 15) liegen. Über die komplette Hinrunde gesehen ist der Klassenerhalt jedoch zu einer sehr schwierigen Mission verkommen. Havelse ist Tabellenletzter und hat bereits acht Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Selbst die anderen Teams auf den Abstiegsrängen sind schon fünf beziehungsweise sechs Zähler entfernt. Lediglich 12 Punkte konnten in der Hinrunde gesammelt werden. Bei den obligatorischen 45 Punkten zum Klassenerhalt bräuchte der TSV in der Rückrunde eine Ausbeute von 33 Punkten. Selbst für die Marke von 40 Punkten wären 28 Punkte nötig. Drei Saisonsiege sind der schwächste Wert in der Spielklasse, nur Würzburg konnte ebenso selten gewinnen. Dazu kommen drei Unentschieden und 13 Niederlagen. Keine andere Mannschaft in der Liga hat öfter verloren. Dazu hat man jetzt seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen, verfügt in vielen Spielen auch nicht über einen echten Heimvorteil.


Auch in den Torstatistiken liegt Havelse unten. Man hat bisher 15 eigene Treffer erzielt. Nur Würzburg traf noch seltener. Bester Torschütze ist Yannik Jaeschke mit vier Saisontoren. Mehr als einen Treffer haben auch Lakenmacher, Fölster und Froese (je 2) auf dem Konto. Froese ist auch bester Scorer. Er hat vier Tore vorlegen können. In zwölf Spielen gelang Havelse kein eigener Treffer. Ohne Gegentor blieb man in vier Spielen. Mit 40 Gegentreffern ist es die schlechteste Defensive der Liga. Niederlagen gegen Braunschweig, Kaiserslautern und Verl sorgen alleine für 15 Treffer. In der Auswärtstabelle ist Havelse auf dem 18.Platz und liegt mit sechs Punkten aus neun Spielen voll inmitten anderer Clubs. Den einzigen Saisonsieg gab es in Berlin. Die letzten beiden Auswärtsspiele wurden nicht verloren.



Aufstellung gegen Waldhof Mannheim



Vierer- oder Fünferkette?

Das Trainerteam der Gäste hat in der bisherigen Saison schon viel probiert. Man hat viele Begegnungen mit einer Fünferkette gespielt, auch zuletzt in weiten Phasen gegen Mannheim. Aber auch eine Viererkette hat man schon umgesetzt. Ein Offensivspieler wie Düker agierte gegen Mannheim als Sechser vor der Abwehr. Damer als offensiver Flügelspieler wurde in der Fünferkette als Rechtsverteidiger eingesetzt. Ziel über die komplette Saison ist beim Aufsteiger die Balance. Man hat in Saisonphasen einige gute Spiele in der Offensive gezeigt, oft zulasten der Defensive. Funktioniert die Defensive fehlt der Punch in der Offensive. Ein großer Fokus legt naturgemäß auf Standards. Offensiv ist das eine große Chance. Übermäßig viele Eckbälle und Freistöße sollten vermieden werden. Defensiv haben sie über viele Saisonphasen mit Schwierigkeiten bei hohen Bällen zu kämpfen gehabt. Auch Einzelaktionen sind zu beachten. Gerade die Qualitäten von Froese kennt man beim FCS. Im Konterspiel mit Freiräumen kann Kianz den tödlichen Pass spielen. Bei Havelse ist kein Spieler gesperrt, man hat jedoch einige verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen. Gerade die Ausfälle von Oliver Daedlow (Fußbruch), Julius Langfeld und Linus Meyer (beide Muskelverletzung) wiegen schwer.

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