Vorbericht: Verl ist erster Prüfstein

Zehn Wochen Sommerpause haben ein Ende. Die Saison 2022/23 steht in den Startlöchern, ab dem kommenden Wochenende rollt in der 3.Liga wieder der Ball und der FCS ist mittendrin. Nach drei Auswärtsspielen zum Auftakt eröffnet man im Jahr 2022 mal wieder mit einem Heimspiel und hat am Samstag den SC Verl zu Gast im Ludwigspark.





Keine Liveübertragung im Free-TV

Neben dem Besuch im Stadion bleibt lediglich das Pay-TV als Anlaufstelle am Spieltag. Eine Übertragung im Free-TV ist nicht vorgesehen. Ein Hintergrund: Der saarländische Rundfunk ist wie im jedem Jahr federführend für die Übertragung der Tour de France. Bis zum vierten Spieltag ist kein Livespiel mit FCS-Beteiligung in Planung. Am zweiten Spieltag haben sich der MDR und der BR/NDR zwei Spiele gesichert, am vierten Spieltag hat der bayrische Rundfunk das Heimspiel von Aufsteiger Bayreuth gegen Osnabrück dem Kick des FCS in Ingolstadt vorgezogen. An diesem Wochenende werden zwei Spiele in den ARD-Programm gezeigt. Der NDR zeigt das Nordduell zwischen dem VfB Oldenburg und dem SV Meppen, die ARD das Spiel zwischen Zweitligaabsteiger Dresden und Aufstiegsfavorit 1860 München. Auch in dieser Spielzeit überträgt dafür Pay-TV-Sender Magenta TV alle Spiele der 3.Liga live und in voller Länge. Die Übertragung des Einzelspieles sowie der Konferenz startet um 13:45 Uhr. Ein Abonnement ist bei Magenta zwingend notwendig. Ohne Abonnement kann man das Spiel bei OneFootball ansehen. Hier kann man sich die Einzelspiele der 3.Liga für 2,99 Euro pro Spiel buchen. Bild und Kommentar läuft über Magenta.



Die Rahmenbedingungen stimmen

Eine größere Kulisse wird sich zum ersten Heimspiel im Park einfinden, mit 9.000 bis 10.000 FC-Fans wird gerechnet. In der Sommerpause hat sich das ein oder andere Detail im und um den Ludwigspark verändert. Alles rund um das Stadion.



Erlebt der Park mal wieder einen Auftaktsieg?

Für den FCS geht es am Samstag zum insgesamt zehnten Mal in diesem Jahrtausend mit einem Heimspiel in eine Saison, zuletzt war es im Jahr 2018 (0:3-Niederlage gegen den FSV Frankfurt) der Fall gewesen. Auch allgemein sind FCS-Heimspiele am 1.Spieltag in diesem Jahrtausend keine Erfolgsgeschichten. Seit 20 Jahren gab es keinen Sieg mehr im Ludwigspark, letztmalig bezwang man Wehen im Jahr 2002 mit 2:1. Das letzte Spiel im Park fand 2015 gegen den SC Freiburg II statt und endete vor 4.800 Zuschauern ohne Tore. Das letzte Saisoneröffnungsspiel gegen ein Team aus NRW fand 2005 statt, der FCS unterlag dem VfL Bochum mit 0:4. Insgesamt ist man 14 Mal mit einem Spiel gegen ein Team aus NRW gestartet, die Malstätter gewannen lediglich drei Mal und nur ein Mal vor heimischer Kulisse. Der letzte Sieg datiert aus dem Jahr 1998, es war ein 1:0-Heimerfolg gegen Siegen. Mit einem Heimsieg gegen Verl verbessert sich der FCS in der ewigen Tabelle der 3.Liga auf den 17.Rang und überholt Carl Zeiss Jena. Wie Jena hätte der FCS dann 305 Punkte auf dem Konto, jedoch das deutlich bessere Torverhältnis. Ohne den Rückstand von Türkgücü München wäre der FC längst an den Thüringern vorbei. In dieser Saison sollte dem FCS der Einzug in die TOP 15 der Rangliste gelingen. Auch winkt der 50.Heimsieg (ohne Türkgücu aus der Vorsaison) in der 3.Liga.



Dritte Heimpleite in Folge?

Der SC Verl war für den 1.FCS ein regelmäßiger Gegner in der Regionalliga West/Südwest (von 1995 bis 2000) und 10 der 16 Vergleiche stammen aus dieser Zeit. Die Bilanz aus FCS-Sicht ist positiv: Elf Spiele konnten gewonnen werden, dazu kommt ein Unentschieden sowie vier Niederlagen. Vor heimischen Publikum konnte man fünf Spiele gewinnen, drei Mal entführte Verl die drei Punkte. So auch in der letzten beiden Spielzeiten. 2020 kassierte man unter Geisterspielkulisse eine 1:2-Niederlage, der zwischenzeitliche Ausgleich von Anthony Barylla reichte nicht. Es war die erste Pleite der Malstätter im neuen Stadion. Im April unterlag man vor 6.300 Besuchern erneut mit 1:2. Günther-Schmidt hatte für die Führung gesorgt, doch nach dem schnellen Ausgleich schoss Sommerneuzugang Rabihic in der Endphase noch den Siegtreffer. Einen dritten Auswärtssieg in Folge hat man in der 3.Liga nur gegen RW Erfurt (vier Mal) fabriziert. Dafür wurden die beiden bisherigen Auswärtsspiele in der 3.Liga gewonnen. Vor zwei Spielzeiten stellte ein Doppelpack von Minos Gouras sowie ein Eigentor die Grundlage für einen 3:1-Auswärtssieg. Im November 2021 siegte man mit 4:2 in Lotte. Grimaldi brachte den FCS früh in Führung, nach Rückstand drehten Deville, wieder Grimaldi und Günther-Schmidt die Begegnung zugunsten der Blauschwarzen. Der letzte Heimsieg gegen den SCV entstammt dem Jahr 2009. In der Regionalliga West siegte der FCS vor knapp 3.500 Zuschauern mit 3:1. Die frühe Führung durch Nico Weißmann wurde durch ein Eigentor gekontert, Weißmann legte eine Minute später den zweiten Treffer nach. Manuel Zeitz besorgte in der Nachspielzeit den Endstand.



Der Gegner: SC Verl

Der SC Verl - vollständig: Sportclub Verl von 1924 e. V. - wurde namensgebend im Jahr 1924 gegründet und hat mit dem Aufstieg in die 3.Liga einen der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte geschafft. Zudem schaffte man in der Sprung 2019/20 den Sprung bis in das Achtelfinale des DFB-Pokals. Im Kreise der Traditionsclubs und gestandener Drittligisten gehört man trotzdem auch im dritten Jahr in der Liga eher zu den Exoten und ist vom Umfeld gesehen her ohne Frage einer der kleinsten Clubs der Spielklasse. So besteht man aus rund 1.200 Mitglieder und keine große, gewachsene Fanbasis im Rücken. Als einer der wenigen Vereine in der 3.Liga haben die Verler bis dato auch keine Ausgliederung vorgenommen, setzten stattdessen auf einen breiten Pool an Sponsoren. Es wird mit dem gleichen Etat wie in den vergangenen beiden Jahren (knapp vier Millionen Euro für den gesamten Verein) geplant. Zudem ist der SC Verl ein Exot mit Spuren in der Vergangenheit. Der Club hat seit 1970 immer in der dritten oder in der vierten Spielklasse gespielt und leistet durchgängig starke Arbeit. In einer eingleisigen 3.Liga ist man allerdings in der letzten Spielzeit zum ersten Mal aktiv gewesen. Zuvor spielte man seit 2008 durchgängig in der Regionalliga West. Dort war man in der Regel im Mittelfeld platziert. Der Durchbruch gelang erst 2019/20. Man ließ in der abgebrochenen Spielzeit die ambitionierten Mannschaften der Regionalliga West (wie RW Essen, RW Oberhausen, Borussia Dortmund II oder Alemannia Aachen) hinter sich und profitierte gleichzeitig vom Verzicht des damaligen Meisters Rödinghausen. Verl durfte in die Relegation, hatte in den beiden Aufstiegsspielen gegen Lok Leipzig das bessere Ende auf seiner Seite und stieg nach zwei Unentschieden aufgrund der Auswärtstorregel in die 3.Liga auf. In die neue Spielklasse ist man letzte Saison als absoluter Außenseiter gegangen, konnte diese Annahme jedoch eindrucksvoll widerlegen und landete am Ende auf dem siebten Tabellenplatz. Nach einem Umbruch war es letzte Saison deutlich schwieriger, erst ein starker Endspurt (zehn Punkte aus den letzten vier Spielen) sicherte am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Auch in der neuen Saison stellt der Klassenerhalt das große Ziel an der Poststraße da.



Heimatlose Verler

Auch im zweiten Jahr in Folge muss der SC Verl seine Heimspiele im Exil austragen. Das heimische Stadion an der Poststraße entspricht auch den reduzierten Voraussetzungen für die 3.Liga nicht, unter anderem fehlt eine Rasenheizung. Bis Frühjahr 2023 soll das Stadion nun umgebaut und drittligatauglich gemacht werden. Nachdem man vergangene Saison lange die Heimspiele in Lotte spielte, geht es in dieser Saison wieder ins Stadion des SC Paderborn. Das Leben im Exil tut dem kleinen Club in Sachen Zuschauerzuspruch nicht gut. Statt vierstelligen Zuschauerzahlen im eigenen Stadion waren bei mehreren Heimspielen der letzten Saison nur knapp 400 Zuschauer im Stadion.



Michel Kniat soll wieder Überraschen

Seit Februar 2022 ist Michel Kniat der verantwortliche Trainer in Verl. Im Februar diesen Jahres endete die Erfolgsgeschichte der Verler mit Guerino Capretti. Der Trainer hatte bereits vorher angekündigt seinen Vertrag nicht über den Sommer hinaus zu verlängern und wurde kurze Zeit später aufgrund der Tabellensituation von seinen Aufgaben entbunden. Capretti trainiert mittlerweile Dynamo Dresden. Sein Nachfolger in Verl ist Michel Kniat. Der 36-Jährige ist seit 2014 im Trainergeschäft, war von 2017 an als Trainer beim SC Paderborn II (Oberliga) aktiv und belegte zum Zeitpunkt des Wechsels mit seiner Mannschaft den ersten Platz, nahm dann jedoch die höherklassige Chance wahr und führte die Verler zum Klassenerhalt. Der Vertrag des "Wunschtrainers" läuft bis 2024.



Erneut großer Umbruch

13 Abgänge gab es in Verl. Nach 14 Jahren in Verl ging die frühere Nummer 1, Robin Brüseke einen neuen Weg. In der Abwehr hat man die Innenverteidiger Lasse Jürgensen und Frederik Lach ziehen lassen. Beide Spieler spielte letzte Saison nur noch eine untergeordnete Rolle. Christopher Lannert (Leistungsträger auf der rechten Abwehrseite) konnte man nicht halten. Den gebürtigen Münchner zog es zu 1860. Im zentralen Mittelfeld verabschiedete man Ergänzungsspieler Emanuel Mirchev, auch Julian Schwermann verließ den Club. Nach einer starken ersten Saison konnte er sich in der letzten Spielzeit nicht mehr in Verl durchsetzen. Schwerwiegende Abgänge gab es in der Offensive. Kasim Rabihic (31 Einsätze, 17 Scorerpunkte) wechselte bekanntlich zum FCS. Sein Pendant auf der linken Seite, Leandro Putaro (32 Einsätze/14 Scorer) zog es zum VfL Osnabrück. Die Leihe mit Lukas Petkov (36 Einsätze, 15 Scorer) aus Augsburg endete. Pascal Steinwender konnte sich nicht durchsetzen und spielt nun in der Regionalliga. Angreifer Ron Berlinski (27) ging nach zehn Saisontoren aus 24 Spielen zu Aufsteiger RW Essen. Zudem verlängerte man die Verträge mit den Ergänzungsspielern Schikowski und Saglik nicht. Der ehemalige FCS-Verteidiger Steffen Schäfer, Angreifer Serhat Koruk und Mittelfeldspieler Oliver Schmitt spielen trotz Vertrag keine Rolle mehr und dürfen den Club verlassen. Neu an der Poststraße sind bereits 12 Akteure, viele Spieler kommen aus unterklassigen Ligen. Aus der Regionalliga kam so Maximilian Wolfram. Der 25-Jährige ist bereits drittligaerfahren und kam letzte Saison für Jena zu 16 Scorerpunkten. Aus Jena kam auch der zentrale Mittelfeldspieler Leon Bürger (22), Dominik Klann (23) spielte für Preußen Münster und war dort zeitweise ein Stammspieler. Innenverteidiger Torge Paetow (26) war Kapitän bei Weiche Flensburg, Nachdem man gute Erfahrung mit Berlinski sammeln konnte wurden aus der Oberliga die Angreifer Wladimir Wagner (20/Paderborn II) und Eduard Probst (21/Rhynern) verpflichtet. Von Paderborn II kommt mit Presley Pululu (19) zudem ein Spieler für die offensive Außenbahn. Stürmer sind auch Koray Dag (U19 von Paderborn) und Mateo Biondic (Paderborn II). Aus Paderborn lieh man auch Jesse Tugbenyo, einen torgefährlichen Innenverteidiger. Der 20-Jährige war Stammspieler in der Oberligamannschaft. Tobias Knost (Rechtsverteidiger) kam von Meister Magdeburg (14 Einsätze) und Torhüter Wiesner aus Osnabrück. Außerdem konnten mit Sechser Tom Baack und Torhüter Niclas Thiede zwei Leistungsträger nach Leihe fest verpflichtet werden, Maximilian Franke (LM) kehrt nach einer Leihe zu den SF Lotte zurück und Iker Kohl (DM) aus dem eigenen Nachwuchs erhielt einen Vertrag. Weitere Neuzugänge werden gesucht, müssen jedoch durch Abgänge finanziert werden.



Achtungserfolg gegen Almero

Wie alle Drittligisten startete Verl Mitte Juni in die Vorbereitung und konnte dann auch eine ganze Reihe von Testspielen sowie ein Trainingslager (in Marienfelde) absolvieren. In der Vorbereitung gewann man zunächst gegen Rehden (Regionalliga) mit 9:1, spielte dann 2:2-Unentschieden gegen Zweitligist Paderborn und Regionalligist Wuppertal. Einer 0:1-Niederlage beim FC Schalke folgte ein 3:1-Erfolg gegen Herakles Almero aus den Niederlanden sowie in der Generalprobe eine 0:5-Pleite gegen Borussia Dortmund.



Weiter im 4-3-3-System

Auch unter dem neuen Trainer und nach dem neuerlichen Umbruch hat sich die Spielanlage nicht verändert. In der Grundformation des 4-3-3-Systems geht es viel um das Spiel mit Ball und in die eigene Offensive. Im letzten Test gegen Dortmund fehlten mit Mikic, Ezekwem und Tugbenyo gleich drei Innenverteidiger, auch die zentralen Mittelfeldspieler Tom Baack und Vinko Sapina kamen nicht zum Einsatz. Sofern die Spieler wieder fit sind, sind gerade Mikic, Baack und Sapina auch Startelfkandidaten. Ansonsten hat man mit Ochojski und Stellwagen die gleiche Besetzung bei den Außenverteidigern wie im Vorjahr, auch Torhüter Thiede und Kapitän Corboz im zentralen Mittelfeld werden gesetzt sein. In der Innenverteidigung wird - nicht nur wegen der Verletzungen Paetow von Beginn an erwartet. Der Innenverteidiger soll Verantwortung übernehmen und verfügt über lange Einwürfe. In der Offensive ist Neuzugang Wolfram der neue Fixpunkt, auf den Außenbahnen machten Akono und Grodowski einen guten Eindruck.



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Kommentare 2

  • Wie soll man die Verler einschätzen? Geht doch garnicht oder traut sich das jemand zu?

    • Das konnte man letztes Jahr schon nicht. Nach den herben Verlusten ist es nicht leichter geworden.