Saisonprognose 1

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Jan Ahlers 08. September 2020 um 10:41 Uhr




SC Verl


Als letzter Regionalligist schaffte der Sportclub aus Ostwestfalen in der Aufstiegsrelegation gegen Lok Leipzig den Sprung in die 3. Liga. Jetzt ist das Ziel der Mannschaft um Trainer Guerino Capretti: Die Spielklasse mit attraktivem Fußball aufmischen – und irgendwie die Klasse halten.


Wie lief das Vorjahr? Grandios. Denn als Favorit war der Klub aus der 25.000-Einwohner-Stadt zwischen Bielefeld und Paderborn gar nicht in die Regionalliga West gestartet. Doch als Rot-Weiss Essen begann zu schwächeln, schlug Verl zu. Und profitierte selbstverständlich vom Rückzieher des SV Rödinghausen, der die Staffel dominierte, aber nicht aufsteigen wollte. Dennoch: Die Euphorie ist groß, die Mannschaft eng zusammengewachsen. Eine wichtige Grundvoraussetzung für das Abenteuer in der neuen Liga.


Was ist neu, was bleibt bestehen? Die Leistungsträger in der Offensive sollen Verl auch eine Klasse höher zur Torfreude verhelfen. Aygün Yildirim, Patrick Schikowski und der erfahrene Zlatko Janjic als Dritter der ewigen Drittliga-Torjägerliste bringen ordentliche Qualität mit. Trainer Guerino Capretti, dessen Leistungen auch anderswo aufmerksam verfolgt werden, gilt als großes Talent, der die Sprache seiner Spieler spricht. Zur Wundertüte wird das Mittelfeld: In Ron Schallenberg und Jan Schöppner haben zwei "Fädenzieher" zwischen den Strafräumen die Verler verlassen. Nachgerückt sind einige junge Spieler, auf denen im 4:3:3-System schnell Verantwortung lasten wird. Neu ist abseits des Kaders auch der Spielort: Sollte Verl vor Zuschauern spielen dürfen, müsste es in die Paderborner Benteler-Arena ausweichen.


Welches Potenzial hat der Verein? Statt großer Namen ist die für einen Aufsteiger typische Eingeschworenheit der primäre Verler Vorteil. Aber die Westfalen wollen auch mit attraktivem und mutigem Fußball überzeugen – und so den wohl kleinsten Etat der Liga wettmachen. Die Außenseiterrolle werden sie vorab dadurch nicht los, das will der Verein auch gar nicht.

Prognose: Platz 16 bis 20


Türkgücü München


Per Durchmarsch in Liga 3: Die Leistung von Türkgücü München ist allemal respektabel. Doch hinter den Kulissen herrscht beim schillernden Aufsteiger nicht immer eitel Sonnenschein. So ist etwa Aufstiegstrainer Reiner Maurer schon wieder Geschichte, Alexander Schmidt hat seinen Posten übernommen. Auch sonst dürfen wir uns auf einen interessanten Liganeuling freuen.


Wie lief das Vorjahr? Standesgemäß, könnte man meinen. Türkgücü hatte die Regionalliga nur als Zwischenziel auf dem Weg in den "bezahlten Fußball" gesehen und dies auch geschafft. Kurios ist, dass die Münchener aufgrund der speziellen Saisonabbruch-Regelung nie als echter Meister in einer Tabelle auftauchen werden. Die Spielzeit wird als Saison 2019-21 demnächst zu Ende gespielt, Türkgücü als Aufsteiger kurzerhand vollständig annulliert. Als hätte es die famose Spielzeit nie gegeben…


Was ist neu, was bleibt bestehen? Es ist doch ein wenig ungewöhnlich für einen Aufsteiger, derart intensiv an seinem Kader zu schrauben, wie es Türkgücü München getan hat. 16 neue Spieler wurden für alle Mannschaftsteile schon verpflichtet, darunter ordentlich Prominenz, etwa Tom Boere und Rene Vollath vom KFC Uerdingen oder 1860-Verteidiger Aaron Berzel. Neben Trainer Maurer verabschiedete man allerdings auch einige Leistungsträger, zum Beispiel 13-Tore-Stürmer Patrick Hasenhüttl oder den wuseligen Flügelstürmer Kasim Rabihic, der 21 Scorerpunkte in 23 Spielen sammelte. Darüber hinaus weicht auch Türkgücü, das selbst über kein "eigenes" Stadion verfügt, an neue Spielorte aus: Statt nach Heimstetten geht es nun ins Münchner Olympiastadion, an die Grünwalder Straße oder sogar an den Würzburger Dallenberg.


Welches Potenzial hat der Verein? Das Transfergebaren des Vereins ist auffällig – als "normalen" Aufsteiger kann man die Bayern kaum bezeichnen. Doch wächst das Team schnell zusammen, oder entwickelt sich der Klub ähnlich wie etwa der KFC Uerdingen in seinen ersten beiden Drittliga-Jahren?

Prognose: Platz 9 bis 17


VFB Lübeck


Viele Drittliga-Fans freuen sich auf den VfB und die Lübecker Lohmühle. Grün-Weiß gehört auf die Landkarte des Profifußballs, auch wenn allein die altehrwürdige Spielstätte dem infrastrukturellen Durchschnitt der 3. Liga womöglich etwas hinterherhinkt. Was können die Holsteiner reißen?


Wie lief das Vorjahr? Jeder hatte den VfL Wolfsburg II auf dem Zettel, doch auch die Marzipanstadt hatte ihre Ambitionen in der Vorsaison schon klar angedeutet. Schnell zogen die Favoriten einsam ihre Bahnen in der Nord-Staffel, rechtzeitig vor der Corona-Pause und dem folgenden Saisonabbruch setzte sich Lübeck leicht ab. Und spielt nun erstmals seit 2008 wieder in der dritthöchsten Liga Deutschlands.


Was ist neu, was bleibt bestehen? Der Aufstiegskader ist zum Großteil beisammengeblieben, einzig der Abgang des drittliga-erfahrenen Ahmet Arslan – einst beim VfL Osnabrück unter Vertrag – schmerzte sehr. Besonders pikant: Arslan zog es zu allem Überfluss zum großen Rivalen Holstein Kiel. Ösi-Trainer Rolf Landerl, der zwischen 2009 und 2011 schon als Spieler für die Nordlichter kickte und seit 2016 als Coach verantwortlich zeichnet, weiß seine Mannschaft um einen neuen Führungsspieler verstärkt: Der 33-jährige Mirko Boland, der in Braunschweig im vergangenen Jahrzehnt Ikonenstatus erlangte, kommt nach einem Australien-Abenteuer nochmals zurück nach Deutschland. Auch Martin Röser (Karlsruher SC) wechselt mit Zweitliga-Erfahrung nach Lübeck.


Welches Potenzial hat der Verein? Lübeck kommt einzig, um die Klasse zu halten. Einer der niedrigsten Etats und Marktwerte, die wie angesprochen unterdurchschnittliche Infrastruktur: Nun von der oberen Tabellenhälfte zu sprechen, wäre vermessen.

Prognose: Platz 13 bis 20


1. FC Saarbrücken


Als DFB-Pokal-Halbfinalist hat es der FCS schon im Vorjahr zu ordentlicher nationaler Berühmtheit gebracht. Noch schöner – gerade während der Corona-Pandemie – ist der Geldregen in mittlerer einstelliger Millionenhöhe, von dem Saarbrücken nun zehren kann. Die ersten Heimspiele werden die Saarländer allerdings wohl in weiter Ferne, nämlich im Stadion des FSV Frankfurt verbringen.


Wie lief das Vorjahr? Seit dem Drittliga-Abstieg im Jahr 2014 zählte Saarbrücken immer zu den finanzstärksten Regionalligisten und damit zu den Aufstiegsfavoriten. Doch die Konkurrenz, sei es Waldhof Mannheim, die SV Elversberg oder der zuletzt TSV Steinbach Haiger, machten es den Südwestddeutschen enorm schwer, zudem verlor Blau-Schwarz zweimal die Aufstiegsrelegation. Die blieb Saarbrücken dieses Jahr erspart. Doch trotzdem passte nicht alles: So musste Trainer Dirk Lottner im Dezember 2019 gehen – er war gut, aber dem FCS nicht gut genug. Seitdem führt Lukas Kwasniok den Verein und holte den Abbruch-Titel mit sieben Punkten Vorsprung.


Was ist neu, was bleibt bestehen? Fangen wir mal mit der Stadionfrage an. Der Saarbrücker Ludwigspark wird bald ganz anders aussehen als früher, er wurde und wird seit 2015 kernsaniert. Das führt dazu, dass der FCS in diesem Jahr wohl nochmal ausweichen muss – nach Frankfurt oder Völklingen, wo er in den vergangenen Jahren auflief. Im Kader wurde vor allem über die Flügeloffensive geschliffen, fünf Neue verpflichtet. Darunter in Maurice Deville (Mannheim) und Nicklas Shipnoski (SV Wehen Wiesbaden) ordentlich Qualität. Das Gerüst der Mannschaft bilden Torjäger Sebastian Jacob, Pokalheld Daniel Batz im Tor, dazu einige alte Bekannte aus der 3. Liga. Zum Beispiel Christopher Schorch, Tobias Jänicke, Fanol Perdedaj und FCS-Eigengewächs Manuel Zeitz.


Welches Potenzial hat der Verein? Das Team kennt sich recht gut, hat die starke Südwest-Regionalliga seit einigen Jahren gut im Griff. Geld für weitere Transfers dürfte noch vorhanden sein. Saarbrücken hat das Potenzial, sofort ins Mittelfeld vorzustoßen, vielleicht auch in die obere Tabellenhälfte.

Prognose: Platz 8 bis 13