Saisonprognose 2

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Jan Ahlers 09. September 2020 um 11:48 Uhr



FSV Zwickau


Das war haarscharf: Zwei weniger erzielte Tore, und der FSV Zwickau wäre anstelle seines sächsischen Rivalen aus Chemnitz in die Regionalliga abgestiegen. Der Tabellensechzehnte aus der Vorsaison geht in sein fünftes Drittliga-Jahr – und wird wieder aufgrund des niedrigen Etats große Leistungen vollbringen müssen, um sich in dieser Spielklasse zu halten.

Wie lief das Vorjahr?

Die 45-Punkte-Marke verfehlten die Schwäne knapp um einen Zähler. Demzufolge hatten sie auch Glück, dass es dennoch für den Klassenerhalt reichte. Dabei waren sie drei Spieltage vor Schluss nach einer Niederlage in Münster fast schon abgestiegen. Doch ein sensationelles Comeback gegen Braunschweig und ein Derbysieg über den CFC brachten Joe Enochs und seine Spieler zurück in die Verlosung. Am Ende langte es ganz knapp für den Ligaverbleib.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Der FSV geht bislang mit einem recht dünn besetzten Kader ins neue Jahr – klar, auch in Westsachsen hat die Corona-Krise bei einem ohnehin auf Kante genähten Verein weitere Löcher in den Etat gerissen. Bis auf Stürmer Elias Huth, der nach seiner Leihe zurück beim 1. FC Kaiserslautern ist, fehlen Zwickau dabei keine Stammspieler. Wichtig waren die Verlängerungen mit Stammkeeper Johannes Brinkies und Stürmer Ronny König. Unter den Neuen, wovon Manfred Starke der Königstransfer ist, sind viele Regionalliga-Kicker, der Etat ist eben knapp bemessen. Zwickaus Vorteil ist auch sein Trainer: Joe Enochs hat die schweren Bedingungen von Beginn an angenommen und macht seit mehr als zwei Jahren das Beste draus.

Welches Potenzial hat der Verein?

Immerhin in zwei von vier Spielzeiten ging es für den FSV Zwickau in Richtung oberes Tabellendrittel, zweimal war Abstiegskampf angesagt. Statisch gesehen müsste es jetzt also wieder vorangehen, doch realistisch ist das nicht. Die Sachsen kämpfen wie jedes Jahr gegen den Abstieg.

Prognose: Platz 14 bis 18


Hallescher FC


Auf Platz 15 ins Ziel getrudelt, wünscht man sich in Halle vor allem wieder etwas mehr Ruhe. Jahrelang im Mittelfeld, war seit der Saison 2018/19 ein klarer Aufwärtstrend spürbar – bis im Winter und Frühjahr alles, was man sich an der Saale aufgebaut hatte, zusammenfiel. Unter Florian Schnorrenberg könnte der HFC jetzt in Ruhe neustarten.

Wie lief das Vorjahr?

In der Hinrunde zeitweise Tabellenführer, in der Rückrunde durchgereicht und beinahe abgestiegen. Torsten Ziegner und Ismail Atalan wurden im Laufe einer turbulenten Saison beurlaubt, die Spätfolgen sind heute noch spürbar, stehen doch beide Trainer zusätzlich zu Schnorrenberg noch auf der Gehaltsliste der Hallenser. Letztgenannter schaffte es gerade rechtzeitig, den HFC zu stabilisieren. Der vorletzte Platz in der Rückrundentabelle zeigt dennoch, dass vieles schiefgelaufen ist. 66 Gegentore waren ein abstiegsreifer Wert. Und jetzt fehlt in Sebastian Mai auch noch einer der stärksten Innenverteidiger der 3. Liga…

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Mais Abgang zu Topfavorit Dynamo Dresden hinterlässt eine Lücke, die Lukas Boeder (Duisburg) und Sören Reddemann (Chemnitz) allerdings schließen sollen. Den kleinen Umbruch vervollständigen Pascal Sohm, den es ebenfalls nach Dresden zieht, sowie Mittelfeldstratege Bentley Baxter Bahn, der künftig für Hansa Rostock aufläuft. Die Neuen, so etwa Ex-Münsteraner und -Aalener Fabian Menig (kommt aus Mödling) und Marcel Titsch-Rivero (SVWW) werden wohlwollend aufgenommen. Schließlich ist auch Trainer Schnorrenberg selbst noch eine Beobachtung wert: Der Westfale riss bei seinem ersten Drittliga-Engagement in Großaspach 2018/19 keine Bäume aus. Jetzt ist er gefordert, die Chemiestädter mindestens wieder in Richtung obere Tabellenhälfte zu bewegen. Langfristig werden die Ambitionen in Sachsen-Anhalt weiter steigen.

Welches Potenzial hat der Verein?

Nach individueller Qualität sollte Halle auf keinen Fall erneut in der erweiterten Abstiegszone landen.

Prognose: Platz 9 bis 13


1.FC Magdeburg


Mit Jena und Chemnitz stiegen zwei Ostvereine zuletzt ab. Doch schauen wir heute auf die Tabelle der Vorsaison, stellen wir fest: Den Osten hätte es noch viel schlimmer erwischen können. Auch dem FCM fiel in Form des Ligaverbleibs erst sehr spät ein großer Stein vom Herzen. Als Lohn dafür darf Ex-Nachwuchsleiter Thomas Hoßmang nun unter Beweis stellen, dass er auch eine Mannschaft aus gestandenen Profifußballern weiterentwickeln kann.

Wie lief das Vorjahr?

Schlimm! Der Zweitliga-Absteiger startete mäßig, verlor aber selten und platzierte sich zumindest im Dunstkreis der Vorderstplatzierten. Im Spätherbst ging es dann bergab, man verlor die Geduld mit Stefan Krämer und entließ den bei Fans geschätzten Übungsleiter. Zum Eigentor wurde die Wahl des Nachfolgers – Claus-Dieter Wollitz hatte es seit seiner Vorstellung schwer, die Chemie zwischen ihm und den Fans wollte nie so wirklich passen. Als letzte Karte zog der FCM Hoßmang aus dem Ärmel, ihm gelang am vorletzten Spieltag mit einem Überraschungssieg in Ingolstadt der Klassenerhalt.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Zehn Abgänge bedeuten einen ordentlichen Umbruch, schließlich sind darunter einige Spieler, die in einer stetig veränderten Startelf des Vorjahres viele Einsätze bekommen hatten – Rico Preißinger, Björn Rother und Mario Kvesic beispielsweise. Die Neuen stammen aus Polen, Holland, viele aus der Regionalliga, dazu in Luka Sliskovic ein Torjäger aus der zweiten Schweizer Liga, deren Stärke schwer einzuschätzen ist. Das gilt für die gesamte Transferpolitik des FCM. Jahr für Jahr lastet viel Verantwortung auf Kapitän Christian Beck, der in der Vorsaison alle 38 Spiele bestritt, aber meist nicht in Bestform war. Für 19 Torbeteiligungen reichte es dennoch. Auch Tobias Müller, der erfahrene Jürgen Gjasula und Dominik Ernst, bald genesen nach langer Sprunggelenks-Verletzung, dürften weiterhin wichtige Rollen einnehmen.

Welches Potenzial hat der Verein?

Es könnte zum Vorteil werden, dass weniger Augen auf den FCM gerichtet sein werden. Kein Trainer nannte Magdeburg noch als Aufstiegsfavoriten.

Prognose: Platz 9 bis 13


KFC Uerdingen


Ein drittes Jahr mit dem KFC Uerdingen – wir freuen uns darauf. Denn wie jedes Jahr gehören die Krefeldern zu jenen Klubs, die am schwersten eingeschätzt werden können. An Transfertätigkeit mangelt es nicht, an nomineller Qualität in der Mannschaft ebenso nicht. Doch kann der KFC dies in attraktiven, erfolgreichen Fußball ummünzen? Zuletzt war das nicht der Fall. Wir sind gespannt.

Wie lief das Vorjahr?

Der KFC, der nach wie vor mit einem sehr ordentlichen Drittliga-Budget antritt, versprach sich im Vorjahr eine Verbesserung zur Premierensaison in der eingleisigen 3. Liga, scheiterte mit dieser Mission aber. Vor allem die nur 40 erzielten Treffer – nur Absteiger Großaspach traf noch seltener, spielte aber attraktiver Fußball – stießen den Fans sauer auf: Uerdingen scheiterte oft daran, sich Chancen zu erarbeiten, so wurden die Mehrzahl der Spiele eher schwer verdauliche Kost. In Heiko Vogel, Daniel Steuernagel und Rückkehrer Stefan Krämer standen binnen eines Jahres drei Cheftrainer an der Seitenlinie, das entspricht gutem Uerdinger Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Mehr als ein Dutzend Spieler hat der Klub schon verabschiedet, mit Ex-Weltmeister Kevin Großkreutz läuft derzeit ein Rechtsstreit, sportlich aber spielt der Verteidiger keine wirkliche Rolle mehr. Auch Manuel Konrad und Dominic Maroh können den Verein verlassen. Auffällig ist: Unter den Neuen sind kaum noch Profis der früheren Kategorie Verpflichtung: Irgendwann einmal in der Bundesliga gespielt, um die oder über 30 Jahre alt, erfahren, aber vielleicht nicht mehr bis in die Haarspitzen motiviert. Stattdessen setzt der KFC auf junge Spieler, von denen einige wie Fridolin Wagner, Gino Fechner und Heinz Mörschel dennoch schon gute Profi-Erfahrungen gesammelt haben. Ganz ohne Prominenz geht es dann aber doch nicht: In Torhüter Hidde Jurjus und Mittelfeldmann Peter van Ooijen angelte sich der Klub um Mäzen Mikhail Ponomarev zwei Niederländer aus der Eredivisie, die definitiv Stammspieler-Ansprüche mitbringen.

Welches Potenzial hat der Verein?

Es ist schwierig zu beantworten. In Krämer steht der richtige Mann auch für eine kompliziertere Kaderstruktur an der Seitenlinie, individuell ist die Klasse mehr als ordentlich.

Prognose: Platz 7 bis 11