Saisonprognose 5

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Jan Ahlers 12. September 2020 um 11:31 Uhr


FC Ingolstadt


Fabian Schleusener dürfte beim FC Ingolstadt im Laufe seiner Karriere kein gern gesehener Gast mehr werden: Sein Last-Minute-Tor bescherte dem 1. FC Nürnberg Anfang Juli den Dusel-Klassenerhalt und schockte die Schanzer. Die werden draus lernen und nun den direkten Aufstieg anstreben. Ist das realistisch?

Wie lief die Vorsaison?

Nominell hatte der FC Ingolstadt, das gehört zur ganzen Wahrheit dazu, allemal das Potenzial, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Doch er fand sich in der 3. Liga, in der nun einmal andere Attribute zählen, nicht immer zurecht, erwischte gerade zu Beginn dieses Jahres eine längere Durststrecke. Trainer Jeff Saibene hatte, das gab er nach seiner Amtszeit in einem Interview preis, wenig Gefallen an den vielen, hart geführten Zweikämpfen und der seiner Meinung nach geringer ausgeprägten Spielkultur. Sein Nachfolger Tomas Oral holte nach der Corona-Pause fast zwei Punkte pro Spiel, schaffte am 38. Spieltag den Einzug in die Relegation. Das Ende ist bekannt: Der FCI verlor erst 0:2, gewann dann 3:1 über Nürnberg, es fehlte jedoch ein Auswärtstor.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Zwei Spieler verabschiedeten sich zum SC Paderborn: Mittelfeldspieler Maximilian Thalhammer und Rechtsverteidiger Frederick Ananou müssen ersetzt werden. Für das defensive Mittelfeld verpflichteten die Schanzer mit Marc Stendera (75 Bundesliga-Spiele für Frankfurt) einen Spieler, der ohne Frage den Unterschied ausmachen kann – wenn er fit bleibt. Zudem kamen Rico Preißinger vom 1. FC Magdeburg, Robert Jendrusch aus Aue und Dominik Franke von Wolfsburg II. Das Gerüst des Teams, ob Dennis Ayensa und Stefan Kutschke im Sturm, Björn Paulsen und Tobias Schröck in der Verteidigung oder Abräumer Robin Krauße ist weiterhin unter Vertrag.

Welches Potenzial hat der Verein?

Der Kader ist weitestgehend eingespielt, besteht immer noch aus zahlreichen individuell herausragenden Spielern und performte zum Ende des Vorjahres hin schon gut.

Prognose: Platz 1 bis 4


FC Bayern II


Die Bayern-Reserve ist der erste Drittliga-Meister, der nicht aufsteigt. Weil sie es schlicht nicht darf. Dürfen wir uns daher auf eine weitere Saison einstellen, in der eine personell prächtig ausgestattete Talentschmiede etablierten Konkurrenten die Grenzen aufzeigt? Diese Entwicklung gefällt längst nicht jedem Drittliga-Fan. Aber warten wir ab.

Wie lief die Vorsaison?

Irgendwann im Spätwinter stellte sich ein rauschartiger Zustand ein bei den Talenten des FCB, die fortan von kaum einem Gegner mehr zu stoppen waren. Halten wir kurz fest und schenken dieser Statistik unsere Aufmerksamkeit: Nach der Hinrunde stand der spätere Meister auf dem 15. Tabellenplatz – man stelle sich eine solche Entwicklung einmal in der Bundesliga vor! Die "Zwote" der Bayern holte 16 Zähler auf Spitzenreiter Duisburg auf und zog auch an allen anderen Kontrahenten vorbei. 43 Punkte, 42:19 Tore, 13 Siege – es war eine zweite Saisonhälfte der Superlative. Gekrönt vom verdienten Meistertitel.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Nicht alles, aber vieles ist neu. Angefangen beim Trainer: Holger Seitz hat den Posten von seinem Nachfolger Sebastian Hoeneß übernommen, der sich mit seinen Leistungen für die TSG Hoffenheim in der Bundesliga empfohlen hat. Torjäger Otschi Wriedt, die Verteidiger Derrick Köhn und Lars Lukas Mai, die Offensivspieler Sarpreet Singh und Woo-Yeong Jeong und Torhüter Christian Früchtl fehlen an der Säbener Straße künftig. Nachgerückt sind zahlreiche Akteure aus der U19, darunter nun auch offiziell der 18-jährige Malik Tillman, der im Saisonfinale 2019/20 in acht Drittliga-Spielen fünfmal getroffen hatte. Gleich geblieben ist – dank der Anzahl an hochveranlagten Spielern – der höchste Marktwert aller Drittligisten. Mit einem Gesamtwert von derzeit etwa 14 Millionen Euro muss sich der FC Bayern II vor keinem Zweitligisten verstecken.

Welches Potenzial hat die Mannschaft?

Es ist fast schon kriminell, sich beim FC Bayern II auf eine Platzierung festlegen zu müssen. Nach dem Aderlass im Sommer scheint ein Verteidigen des Meistertitels utopisch.

Prognose: Platz 6 bis 11


Dynamo Dresden


Das Saisonfinale ist abgehakt, die Mission Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga ins Rollen geraten: Dynamo Dresden geht nach den bisher getätigten Transfers als Topfavorit in die neue Saison. Das muss nicht immer Vorteil sein. Was macht die SGD so stark? Wir listen auf.

Wie lief die Vorsaison?

Chaotisch. Dynamo fand nicht gut ins Jahr, stand zur Hinrunde bereits auf dem letzten Platz. Umstritten wurde der Abstieg erst durch die zweiwöchige Mannschaftsquarantäne nach mehreren Infektionsfällen im Mai – kurz vor dem Neustart. Die Folge: Drei Spiele wurden verschoben, Dresden spielte Englische Wochen in Serie und war am Ende physisch wie emotional am Ende seiner Kräfte. Nun ist der Abstieg akzeptiert, und der Neuanfang eingeleitet.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Übrig geblieben aus dem Zweitliga-Kader sind bislang Marco Hartmann, Chris Löwe, Sascha Horvath, die Torhüter Kevin Broll und Patrick Wiegers sowie das große Innenverteidiger-Talent Kevin Ehlers. Und natürlich Trainer Markus Kauczinski. Der Rest der Mannschaft wurde flächig ausgetauscht, doch Qualität ist massig vorhanden: Philipp Hosiner, Sebastian Mai, Patrick Weihrauch, Yannick Stark, Tim Knipping, Robin Becker, Pascal Sohm – um nur sieben Beispiele aufzuzählen. Dynamo Dresden hat abseits des FC Bayern II den mit Abstand größten Marktwert (8,9 Millionen Euro) und dürfte auch den höchsten Etat aufweisen. Dies ist ein Aufstiegsfavorit!

Welches Potenzial hat der Verein?

Machen wir es kurz und knackig. Dynamo ist der klare Favorit und wird aufsteigen – alles andere wäre mit diesem Kader eine Enttäuschung.

Prognose: Platz 1 bis 3


SV Wehen Wiesbaden


Viele Jahre suchte der SVWW den Ausgang Richtung zweiter Liga, doch nach dem Aufstieg 2019 ging es für die Hessen direkt wieder runter. Trainer Rüdiger Rehm bleibt an Bord, muss aber in der 3. Liga wieder attraktiveren Fußball spielen lassen als zuletzt, damit sich Wiesbaden in einer Spitzengruppe etablieren kann.

Wie lief die Vorsaison?

Mit einer 1:3-Niederlage bei Darmstadt 98 stand am 33. Spieltag der direkte Wiederabstieg aus der 2. Bundesliga zwar nicht rechnerisch, aber wohl nach logischen Grundsätzen fest. Wo hatte der SVWW den Klassenerhalt verspielt? Vielleicht an den ersten sieben Spieltagen, an denen er nur einen Punkt holte. Vielleicht in Heimspielen, die in der Brita-Arena nur 16 Zähler aus 17 Partien einbrachten. Insgesamt erwies sich die Defensive, die 65 Gegentore einstecken musste, als nicht zweitliga-tauglich, während vorne viel vom Können des nun nicht mehr vorhandenen Manuel Schäffler (ging für 800.000 Euro nach Nürnberg) abhing. Der Abstieg, das musste sich Wehen Wiesbaden eingestehen, ging in Ordnung.

Was ist neu, was bleibt bestehen?

Wir wollen euch ersparen, alle Abgänge aufzuzählen – ihr kennt die Wechselspiele nach einem Abstieg aus der zweiten Liga. 22 Spieler haben Wiesbaden verlassen, einige Leistungsträger, einige Bankdrücker und einige Nachwuchsspieler ohne Perspektive. Noch da sind beispielsweise Kapitän Sebastian Mrowca, die Routiniers Stefan Aigner, Sascha Mockenhaupt und Benedikt Röcker oder auch Michel Niemeyer und Phillip Tietz. Unter den Neuen ist viel Zweitliga-Erfahrung: Dennis Kempe (Aue), Florian Carstens (St. Pauli), Marc Lais (Regensburg) und Johannes Wurtz (Darmstadt) sollen dem SVWW beim Neuanfang helfen.

Welches Potenzial hat der Verein?

Der SV Wehen Wiesbaden fällt in jene Kategorie Verein, der sich nach dem Abstieg wird finden müssen. Findet das Team schnell zusammen, können die Hessen wieder oben mitspielen.

Prognose: Platz 3 bis 7 sind drin