Alles, was ihr zum 1. Spieltag wissen müsst

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Jan Ahlers 17. September 2020 um 12:32 Uhr



Die Ausgangslage

Alle sind auf Null gesetzt. Am meisten freut das die Klubs, die sich im Vorjahr mit Mühe und Not gerettet haben: Magdeburg, Halle, Uerdingen – sie alle verfehlten ihre eigenen Erwartungen deutlich und können den Neuanfang nun gut gebrauchen. Im Wissen, sich ein weiteres Seuchenjahr nicht leisten zu können. Zu stark erscheinen Aufsteiger wie Türkgücü München und der 1. FC Saarbrücken, die sich sofort Richtung Mittelfeld orientieren dürften. Auch Lübeck und Verl gehen nicht als glasklare Außenseiter ins Rennen. Zumal die Statistik verrät: In den vergangenen sechs Jahren stiegen nur zwei Aufsteiger direkt wieder ab!


Oben wagen Mannschaften wie der FC Ingolstadt, der MSV Duisburg, Hansa Rostock und der 1. FC Kaiserslautern einen neuen Schritt. Zunächst abzuwarten ist, wie der SV Meppen, Waldhof Mannheim und auch Meister FC Bayern II nach teils deutlichen Kaderveränderungen ins Jahr kommen. Die Absteiger Wiesbaden und insbesondere Dresden, das mit dem 4:1-Sieg über den HSV im Pokal eine Duftmarke gesetzt hat, gelten hingegen als Favoriten. Doch die Stolpergefahr ist seit jeher gegeben. Zumal es auch jene gibt, die überraschen können. Viktoria Köln und die SpVgg Unterhaching laufen als kleinere Vertreter der Liga noch unter dem Radar. Das könnte sich bald ändern.



Vier Spiele im Fokus

Die Eröffnung: 1. FC Kaiserslautern – Dynamo Dresden

Da gastiert am Freitagabend der Topfavorit aus dem Osten bei den nominell ebenfalls stark besetzten Lautrern auf dem Betzenberg – was für ein Auftakt! Dynamo hat im Pokal früh unter Beweis gestellt, wie gut die völlig neu zusammengestellte Mannschaft funktioniert und welch individuelle Qualität sie besitzt. Doch auch Lautern war gegen Regensburg nach schwachem Start der Überraschung nah, verpasste den Zweitrundeneinzug erst im Elfmeterschießen. Immerhin 5.000 Zuschauer dürfen das Eröffnungsspiel im Fritz-Walter-Stadion sehen, bald wird Lautern sogar auf das Doppelte aufstocken dürfen. Sollte die Elf von Trainer Boris Schommers mit einem dreifachen Punktgewinn ein erstes Ausrufezeichen setzen, dürften diese Tickets bald weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln…


Bajuwarisches Lokalduell: FC Bayern München II – Türkgücü München

Es gibt Derbys, die sind aus der Tradition heraus erwachsen. Da können Klubs durchaus hundert oder mehr Kilometer voneinander entfernt sein – wenn sie aufeinander treffen, brennt die Luft. Und dann gibt es das Münchner Stadtduell zwischen Bayern II und Aufsteiger Türkgücü am Samstag, das ein spezielles sein wird. Denn die Mannschaften haben noch nie in einer gemeinsamen Liga gespielt, teilen sich in den Heimspielen ein Stadion, das eigentlich dem dritten Verein der Metropole, 1860 München, trotz städtischem Besitz klar zugeordnet ist. Rivalität? Nicht vorhanden.

Ob Zuschauer erlaubt sind, war am Donnerstag auch noch offen – die Sieben-Tages-Inzidenz liegt in München knapp über dem kritischen Wert von 35 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner. Sportlich ist die Partie hingegen hochinteressant: Bayern II hat zahlreiche Stammspieler verloren, Türkgücü mit jeder Menge neuer Spieler aufgestockt. Ein Favorit ist, obwohl der Meister auf einen Aufsteiger trifft, nicht auszumachen.


Kräftemessen der Mitfavoriten: Hansa Rostock – MSV Duisburg

Vor 7.500 Zuschauern und damit einem Viertel der Maximalauslastung empfängt Hansa Rostock den MSV Duisburg. Das klingt doch schon wieder nach mehr als bloß 3. Liga! Wie oft haben wir diesen Satz in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Kogge geschrieben, aber im Gegensatz zum immer mal wieder Richtung Zweitklassigkeit entflohenen MSV hat es Hansa bislang nicht geschafft. Ob Jens Härtel sein Team in diesem Jahr zum Aufsteiger entwickeln kann? Das Duisburg-Spiel wird ein erster Gradmesser. Und dann gibt es ja noch ein pikantes Wiedersehen: Mirnes Pepic verließ Rostock mit dem Ziel zweite Bundesliga – unterschrieb dann aber beim Mitkonkurrenten MSV. Einen warmen Empfang an alter Wirkungsstätte darf der Mittelfeldspieler da eher nicht erwarten…


Sachsen-Anhalt unter Strom: 1. FC Magdeburg – Hallescher FC

Im Vorjahr begegneten sich Magdeburg und Braunschweig zum Saisonauftakt, es fühlte sich an wie eine Begegnung unter Freunden. Nun gastiert der HFC beim (ehemaligen?) Rivalen an der Elbe – seit Jahren ist die Rivalität heruntergekühlt, nachdem mit dem Tod von FCM-Anhänger Hannes, der vielleicht nie restlos aufgeklärt wird, eine Grenze klar überschritten worden ist. Dennoch: Unter Strom steht das sportbegeisterte Bundesland immer, wenn seine mit Abstand stärksten Fußballvereine aufeinandertreffen. Beide haben aus der Vorsaison einiges gutzumachen, beide könnten vom Überraschungsteam bis zum Abstiegskandidaten alles darstellen. Beide haben in Thomas Hoßmang (Magdeburg) und Florian Schnorrenberg (Halle) recht unerfahrene Trainer an der Seitenlinie, die noch zeigen müssen, ein Team entwickeln zu können. Selbst wenn wir jede Rivalität aus dieser Partie herausrechnen, so ist die sportliche Brisanz beachtlich.



Die potenzielle Überraschung

Der SC Verl beim SV Wehen Wiesbaden!

Wie gerne raten wir doch am Ende unseres Vorberichtes einmal ins Blaue, wer am jeweiligen Spieltag für Aufsehen sorgen könnte. Gut: Da keiner weiß, wo er steht, sind Überraschungen relativ zu betrachten. Klar ist aber die Ausgangslage in Wiesbaden: Da trifft ein Zweitliga-Absteiger auf einen Liganeuling. Allerdings ist Letzterer eingespielt, hat wenig zu verlieren. Wiesbaden hat viele neue Spieler im Kader, für eine Pokalüberraschung gegen Zweitliga-Spitzenteam Heidenheim (1:0) hat es wiederum schon gereicht. Doch sollte der SVWW auch nur einen Funken Gelassenheit an den Tag legen, weil ein vermeintlicher Underdog zu Besuch ist, werden die spielstarken Verler, die in der Vorbereitung Schalke 04 mal fünf Tore in einer Halbzeit einschenkten, das schnell bestrafen.








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