FCS-Bollwerk stürmt an die Spitze

Die erste englische Woche der Saison läuft und am Mittwoch stand für den FCS das attraktive Auswärtsspiel beim TSV 1860 München auf dem Programm. Das erste Duell nach den Aufstiegsspielen 2018 musste jedoch als Geisterspiel im städtischen Stadion an der Grünwalder Straße ausgetragen werden. Dafür war es das zweite Spitzenspiel in dieser Woche. 1860 München ging als Tabellenführer ins Spiel, der FCS war vor dem Spieltag der unmittelbare Verfolger gewesen. Früher Saisonzeitpunkt, eine Tabelle mit beschränkter Aussagekraft und doch ging tabellarisch in der Tabelle nichts größeres. Dazu Auswärtsspiel bei 1860 und im Grünwalder Stadion. Die Begegnung sollte auch der nächste Härtetest für den FC werden. Die Gastgeber aus München hatten einen sehr starken Saisonstart. Elf Punkte aus fünf Spielen waren die Bilanz und man ging ungeschlagen in dieses Spiel. Im letzten Heimspiel bezwang man Aufsteiger Lübeck deutlich mit 4:1, am vergangenen Samstag hatte man sich mit Mühe einen wertvollen Punkt beim FC Hansa Rostock erkämpft. Im Vergleich zu diesem Spiel gab es bei den Löwen nur eine Veränderung in der Startelf. Leon Klassen ersetzte erwartungsgemäß den gesperrten Linksverteidiger Steinhart in der Viererkette. Damit stand auch der ehemalige FCS-Spieler Marius Willsch (2016 - 2018) in der Startaufstellung von 1860.


Der FCS hatte erst am Sonntag die SpVgg Unterhaching in letzter Sekunde geschlagen und damit drei weitere wichtige Punkte geholt. Am Dienstag musste man jedoch eine Hiobsbotschaft verkraften: Abwehrchef Steven Zellner konnte krankheitsbedingt die Reise nach München nicht antreten. Außerdem fehlten Minos Gouras und Rasim Bulic verletzungsbedingt. Christopher Schorch (Trainingsrückstand nach Erkältung), Fanol Perdedej (Trainingsrückstand und immer wieder auftretende Probleme an der Wade), Mergim Fejzullahu, Teo Herr, Marius Köhl und Jonas Singer (hat seine muskulären Probleme überwunden) standen allesamt nicht im Kader. Insgesamt nahm Lukas Kwasniok vier Veränderungen im Vergleich zum letzten Spiel vor. Boné Uaferro rückte statt Zellner in die Innenverteidigung. Der Innenverteidiger gab damit nach einigen Wochen Verletzung gleich sein Comeback in der Startelf und kam zum ersten Einsatz in der Saison. Zweiter Innenverteidiger war erneut Marin Sverko. Auf der rechten Abwehrseite kam Anthony Barylla für Sebastian Bösel ins Spiel. Links begann erneut Mario Müller. Vor Manuel Zeitz agierten Tobias Jänicke und Kianz Froese auf den Halbpositionen. Der Kanadier begann statt Timm Golley. Über den rechten Flügel begann Nicklas Shipnoski, auf der linken Seite vertraute man überraschend auf Jayson Breitenbach in ungewohnter Rolle. Sebastian Jacob begann wenig überraschend in der Sturmspitze. Auf der Bank saßen neben Ersatzkeeper Castellucci noch Sebastian Bösel, Timm Golley, Lukas Schleimer, Maurice Deville, Markus Mendler und José Vunguidica.


Rein in die Begegnung. Das Spiel begann ohne große Abtastphase, aber etwa auf Augenhöhe. Der FCS erwischte dabei im Grunde den leicht besseren Start und hatte früh seine Ballbesitzphasen und Bewegungen in der Hälfte der 1860er. Ein erster Eckball brachte nichts ein. Die erste Großchance lag dann auf Seiten der Gastgeber. Neudecker hob einen Ball über die FCS-Defensive, Mölders legt vor dem Tor quer auf Lex. Doch Batz bleibt lange Groß und entschärft den Abschluss mit dem Kopf. Das muss eigentlich die Führung für München sein. Das Tempo in der Begegnung blieb auch in der Folge hoch und beide Teams gingen mit viel Selbstvertrauen in die Aktionen. Für Chancen vor den beiden Toren reichte dies jedoch nicht, auch wenn beide Teams ihre Gefahr in der Offensive andeuten konnten. Vor allem beharkte man sich im Mittelfeld und rieb sich in Zweikämpfen auf, der FC war bis zu diesem Zeitpunkt immer noch die leichte bessere und aktivere Mannschaft gewesen. Nach 12 Minuten landete eine Flanke von Barylla auf dem Tornetz, nach 14 Minuten wurde eine Flanke von Müller mit der Hand abgewehrt, Willsch war der Übeltäter. Den anschließenden Freistoß bringt Müller mit links in den Strafraum, Jacob entkommt Bewacher Mölders und köpfte den Ball in die Ecke. Die frühe Führung für Blauschwarz!


Mit der Führung im Rücken ließ sich der FCS nun tiefer fallen. 1860 übernahm die meiste Zeit den Ball und die Spielkontrolle, biss sich an der FCS-Defensive jedoch die Zähne aus. Chancen gab es keine, auch weil Sverko mit einer Monstergrätsche vor Tallig am Ball war (22.). Für Torgefahr sorgten die Hausherren maximal durch Distanzschüsse. So auch nach 27 Minuten. Einen langen Ball legte Mölders (sonst von Sverko an die Kette gelegt) ab und Neudecker prüfte auf der Distanz Batz. Das Spiel änderte sich auch in der Folge nicht. Der FC stand tief, stand kompakt und machte die Räume eng. Gegen das aufgestellte Bollwerk fand München keine Mittel und lief sich immer wieder fest. Fünf Minuten vor der Pause kam der FCS dann mal wieder in einen Umschaltmoment. Jacob wird gefoult, der Schiedsrichter lässt jedoch Vorteil laufen und Shipnoski steckt durch auf Breitenbach. Der schnelle Flügelspieler enteilt der Innenverteidiger und behält vor Hiller die Nerven. Das wichtige 2:0 für den FCS ist nach einem sauberen Konter eingetütet. Noch vor der Pause hätte der FC den dritten Treffer nachlegen müssen. Ein Eckball von Barylla kam scharf in den Fünfter, Sverko war da und köpfte aus kurzer Distanz deutlich über das Tor. Wenn er den Ball etwas nach unten drücken kann sind die Löwen machtlos. So ging es mit einem 2:0 in die Pause.


Die Gastgeber wechselten zur Pause: In Martin Pusic kam ein weiterer Offensivspieler, dafür ging Stefan Lex vom Feld. Mit zwei Toren im Rücken hatte der FCS wenig Grund seinen Spielstil zu verändern. Sicher stehen, kompakt sein und Nadelstiche nach vorne setzen hieß die Devise. Sechs Minuten ging die Sache ohne Probleme gut. Dann kam ein Ball über die Abwehr, der FCS eigentlich trotzdem in Überzahl und außer Gefahr. Doch Uaferro packt die Grätsche aus, kommt gegen Tallig zu spät und fällt den Mittelfeldspieler. Die einzig richtige Entscheidung war Strafstoß für 1860. Moll trat an und traf in die Ecke, Daniel Batz war mit den Fingerspitzen am Ball. 2:0-Führung in München, eine Elfmeterentscheidung an dieser Strafraumstelle und der Anschlusstreffer. Es war eine unheimliche Parallele zum Aufstiegsspiel vor zwei Jahren. Der Treffer gab den Giesingern weiteren Auftrieb, doch zunächst hatte der FCS die große Chance um wieder mit zwei Tore weg zu ziehen. Breitenbach wurde frei gespielt, tauchte frei vor dem Keeper auf und zielte dieses Mal deutlich am Tor vorbei. Es sollte die letzte offensive Aktion der Gäste für lange Zeit werden. Das Spiel verlagerte sich nun noch mehr in die Hälfte des FCS und die Gastgeber zogen ein Powerplay auf. Wie schon in Halbzeit 1 fanden sie jedoch so gut wie keine Mittel um das FCS-Bollwerk zu entriegeln und kamen zu keinen großen Torchancen. Gefahr hat man bei vielen Bällen in den Strafraum immer mit dabei. Die beste Aktion war noch ein Freistoß deutlich über das Tor. Doch dem FC gelang keine Entlastung mehr. Dies wollte Kwasniok ändern und brachte nach 66 Minuten Markus Mendler für Jayson Breitenbach. Er hat sich auf der ungewohnten Rolle gut geschlagen und hat zum 2:0 getroffen. Man hat aber sicher gehofft ihn noch öfter ins Tempo zu bringen. Der FCS hatte längst auf ein 4-4-2-System umgestellt und agierte mit Jänicke auf dem Flügel. Klares Ziel der Doppelspitze (Jacob und Shipnoski): Das Aufbauspiel der Löwen zu stören und Bälle zu halten. Trotz des Wechsels änderte sich das Spielgeschehen nicht und der FCS fightete sich Minute um Minute weiter. Ein großer Kampf und mit dem immer gleichen Bild ohne Höhepunkte vergingen die Minuten. 13 Minuten vor Schluss kam José Vunguidica für Nicklas Shipnoski. Shipnoski komplett ausgepumpt und Vunguidica sollte mit seinem Körper Bälle halten und mit seiner Geschwindigkeit punkten.


Die Hausherren wurden wütender, versuchten nun auch in jeder Situation noch einen Elfmeter zu schinden oder die FCS-Spieler zu provozieren. Doch mit nachlassenden Kräften beim FCS kam man in der Schlussphase auch zu Chancen. Nach einer Flanke von Links verpassten Pusic und Mölders knapp, zwei Mal gewann man den zweiten oder dritten Ball im Strafraum und scheiterte an der vielbeinigen Abwehr des FCS. Fünf Minuten vor Schluss zog Kwasniok seine letzte Karte und brachte den hochgewachsenen Deville statt Jänicke in die Mannschaft. Es waren noch lange Minuten vor den Batz und Batz zeigte kurz vor Schluss gegen Neudecker noch eine Glanzparade. Danach konnte man endlich wieder für Entlastung sorgen, gerade Jacob kam wieder öfter in Ballbesitz und konnte der Defensive mal Zeit zum Durchatmen verschaffen. Nach 93 Minuten beendete der Schiedsrichter schließlich die Begegnung.


Der FCS setzt mit diesem 2:1-Auswärtssieg in München seinen starken Saisonstart fort und liefert einen echten Husarenritt ab. Es ist der vierte Sieg in Folge und mit 13 Punkten liegt man wieder an der Tabellenspitze der 3.Liga. Und hat dabei noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Eine geile Momentaufnahme und absolut verdient für die Truppe. Es ist der erste FCS-Sieg überhaupt bei 1860 München und (auch wenn an das vom Vereinsseite im Vorfeld nach unten gespielt hat) auch eine kleine Revanche für 2018. Es ist Balsam für die Seele aller FCS-Fans. Trotz des damaligen Scheiterns spielt man in der gleichen Liga und hat sie geschlagen. Der Sieg ist am Ende auch nicht gänzlich unverdient. Natürlich sprechen Ballbesitz, Spielkontrolle, Dominanz und all diese Dinge für die Hausherren. Aber alle Überlegenheit im Mittelfeld konnte sie nicht umsetzen. Im Gegenteil: Der FC war effizient und lag zur Pause nicht unverdient mit zwei Toren in Front. Mit etwas Fortune von Sverko liegt man sogar bei 3:0. Defensiv hat man wenig zugelassen. Die Chance nach fünf Minuten für 60 kann so ein Spiel in die andere Richtung laufen lassen, aber ansonsten? Waren Torchancen Mangelware und das gilt auch für den zweiten Abschnitt. Boné schenkt ihnen den Elfmeter, aber ansonsten wurden sie selten Gefährlich und ohne das Geschenk kommen sich wahrscheinlich auch nicht mehr ins Spiel zurück.


Die Molschder haben sich die drei Punkte mit ihrem Kampfgeist verdient. Das 1860 eine extrem starke Mannschaft hat, viele unglaublich tolle Fußballer in den eigenen Reihen war vorher klar. Sie waren extrem resistent gegen Pressing, hatten wenige Spielfehler im eigenen Ballbesitz und gegen solche Gegner muss man als Aufsteiger und Außenseiter auch vermehrt über Kampf und Einsatz kommen. Das hat die Truppe getan und ist bis an die Grenze der Belastbarkeit gegangen. Trotz englische Woche, trotz einem Tag weniger Pause. Man hat immer wieder die Wege gemacht, immer wieder ein Bein dazwischen gekommen und mit voller Leidenschaft verteidigt. Das gilt es Anzuerkennen, auch wenn es fußballerisch besser geht. Wenn man sich vor Augen führt was ein Jacob heute für Wege zurückgelegt hat. Wenn man sich überlegt wie lange Uaferro raus war und was für ein Spiel er heute (trotz Elfmeter) über 90 Minuten gezeigt hat. Es war ein Sieg des Willens. Der Lohn ist die Tabellenführung als Momentaufnahme und 13 Punkte aus fünf Spielen gegen den Abstieg. Viel Zeit bleibt dem FCS nun wieder nicht. Es gibt drei spielfreie Tage, am kommenden Sonntag beendet man dann die englische Woche mit einem Heimspiel gegen den SC Verl. Anstoß im Ludwigspark ist gegen den Mitaufsteiger um 13:00 Uhr. Für den FCS heißt es nun die Rückkehr nach Saarbrücken hinter sich bringen und dann viel Regeneration zu betreiben.



Spieldaten


Wettbewerb:3.Liga
Datum:Mittwoch, 21.Oktober19:00 Uhr
Spielort:Städtisches Stadion an der Grünwalder StraßeMünchen
Zuschauer:Geisterspiel



Tore


SpielstandSpielminuteTorschütze
0:114.Sebastian Jacob
0:240.Jayson Breitenbach
1:252.Quirin Moll (Foulelfmeter)


Taktik


System:4-1-4-1





Aufstellung


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Ersatzbank

Ramon CastellucciSebastian Bösel
Maurice DevilleMarkus Mendler
Timm GolleyLukas Schleimer
José Vunguidica



Wechsel


SpielminuteEingewechseltAusgewechselt
66.Markus MendlerJayson Breitenbach
77.José VunguidicaNicklas Shipnoski
86.Maurice DevilleTobias Jänicke



Nicht im Kader


SpielerGrund
Mergim FejzullahuNicht berücksichtigt
Teo HerrNicht berücksichtigt
Minos GourasSchulterverletzung
Fanol PerdedajTrainingsrückstand
Steven ZellnerErkältung
Marius KöhlNicht berücksichtigt
Christopher SchorchErkältung
Jonas SingerNicht berücksichtigt
Rasim BulicHandbruch



Nächstes Spiel


Gegner:SC Verl
Wettbewerb:3.Liga
Spieltermin:Sonntag, 25.Oktober 202013:00 Uhr
Spielort:Ludwigsparkstadion
Bemerkung:höchstwahrscheinlich Geisterspiel

Kommentare 13

  • Da sich " de Schmackes " nicht mehr umstellen ( neues Forum ) will, die Meinung dann hier:


    erstaunliche Entwicklung in den letzten Wochen! Hätte das so nie für möglich gehalten!


    man lernt eben nie aus!! :-)


    Aber eines ist sicher, diese 3. Ligasaison wird anders ablaufen, als die Jahre davor.


    Unterbrechung? Wertung nach X Spielen ( wenn sie die Hinrunde normal überstehen sollte)

  • Auffällig das Froese wenn er von Beginn an spielt nicht zündet und Jänicke könnte am Sonntag ein Pause kriegen, wirkte müde.

  • Wie ist das denn? Ist man hier der Meinung das mit ansehnlichen Fußball nichts so holen gewesen wäre in München?

    • Ich denke, der Trainer, die Mannschaft und die meisten Fans haben gesehen das da gestern Abend was das Fussball spielen angeht Luft nach oben war, dass wir das besser können steht außer Frage. Hier war eben Kampf angesagt, den hat die Mannschaft geliefert. Ob eine andere Spielweise auch zum erfolg geführt hätte ist spekulativ und angesichts des Erfolgs auch nicht zielführend;)

      Eijo 1
  • Gibt es keine PK zu dem Spiel?

  • Herrlich wie der Mölders an Sverko verzweifelte:)

  • Was für ein Spiel ey. Ich war komplett mit den Nerven runter. Es soll auch nicht vermessen klingen, bei dem Saisonstart groß zu kritisieren ist natürlich nicht angebracht. Dennoch gab es in allen Spielen Phasen wo wird die Bälle viel zu früh weg geben, einfach rausschlagen oder sie einfach so verlieren und in der Folge gibt es dann auch immer wieder zig Ecken und Freistöße für den Gegner, was wir aber und das gehört auch dazu dann Monstermäßig verteidigen.


    Super geschrieben Goalie.

  • Was für ein unglaublicher Start in diese Saison. Die erste Halbzeit war super, in der zweiten hat man sich zu weit hinten rein drängen lassen aber sich in alles rein geschmissen was kam, es war vom Gefühl her wirklich wie im Pokal mit dem gleichen Ausgang;)

  • Toll geschrieben, aber bitte mal am Format arbeiten, diese "Wall of text" ist nicht gut zu lesen!

    Eijo 1
  • Schweinegeil!

    Eijo 1