Vorbericht: Zu Gast beim KFC Uerdingen

Am siebten Spieltag hat es auch den FCS erwischt. Im Heimspiel gegen den SC Verl gab es die erste Niederlage. In einer knappen Begegnung ging die 1:2-Pleite am Ende auch in Ordnung. Das Rückschläge in der Saison kommen würden war klar, ebenso konnte auch die Tabellenführung nur als Momentaufnahme angesehen werden. Nach fünf Tagen ohne Spiel geht es nun am Samstag mit dem nächsten Auswärtsspiel weiter und dann sollen weitere Punkte auf das Konto des FCS gehen. Es ist zugleich schon der Auftakt zur nächsten englischen Woche. Die Reise führt die Malstätter jedoch zunächst einmal nach Düsseldorf, dort bestreitet man die Begegnung gegen den KFC Uerdingen. Anstoß ist am Samstag, 31.Oktober um 14:00 Uhr.






Livestream

Der WDR hat sich zu Beginn dieser Saison aus der Übertragung von Spielen der 3.Liga zurückgezogen, der SR wird selbstständig keine Auswärtsspiele übertragen. Entsprechend werden am Wochenende zwei andere Spiele von den ARD-Programmen übertragen. Das FCS-Spiel wird ausschließlich bei Magenta Sport (als Einzelspiel und in der Konferenz) übertragen. Weitere Informationen.


Die Spielstätte/Zuschauer

Die Begegnung findet in der Merkur-Spiel-Arena in Düsseldorf statt. Dort trägt Uerdingen seit Beginn der Saison 2019/20 die eigenen Heimspiele aus. Insgesamt weicht man in der dritten Saison in Serie in eine andere Spielstätte aus. Das Leben im Exil ist dem FCS bestens bekannt. Die traditionelle Heimspielstätte ist das Grotenburg-Stadion in Krefeld. Das Stadion wird jedoch - in aller Ruhe - für die 3.Liga umgebaut. Der KFC soll 2021/22 zurückkehren können. Die Merkur-Spiel Arena in Düsseldorf im Überblick.



Bilanz

Lange sind die Duelle gegen Uerdingen her und unter der heutigen Bezeichnung trafen sich beide Teams überhaupt erst zwei Mal in der Saison 1999/2000. Zuvor lief Uerdingen noch als Bayer Uerdingen auf. Insgesamt stehen zehn Spiele in der Datenbank, acht Ligaspiele und zwei Pokalspiele. Beide Pokalspiele verlor der FCS, unter anderem das Halbfinale in der Saison 1984/85. Damals marschierte man als Zweitligist bis in die Vorschlussrunde und scheiterte dort mit 0:1 an einem Spitzenteam der Bundesliga. Insgesamt gab es für den FCS drei Siege und drei Unentschieden bei vier Niederlagen. In Uerdingen gab es vier Spiele. Zwei Mal siegte der FCS, dazu kommt je ein Unentschieden und eine Niederlage. Die letzten beiden Duelle in Uerdingen gewann man dabei. 1994 siegte man durch Tore von Bürger, Savichec und Wynalda mit 3:1, fünf Jahre später besorgte ein Hattrick von Sambo Choji den erneuten Sieg. Das letzte Spiel zwischen beiden Clubs fand am 19.Dezember 1999 statt und konnte nur durch eine Schneeschipp-Aktion vor dem Spiel angepfiffen werden. 4.000 frierende Zuschauer im Park sahen den FCS zwei Mal in Führung gehen, Muschinka und Gerlach (per Elfmeter) trafen. Doch Uerdingen kam beide Mal zurück, erzielte den Ausgleich in der letzten Minute (und in Unterzahl). Am Saisonende stieg der FCS trotzdem in die 2.Bundesliga auf. Die letzte Niederlage gab es 1986 in der Bundesliga. Im Park verlor man mit 1:2.



Der Gegner: KFC Uerdingen

Der Krefelder Fußball-Club Uerdingen 05 e. V. - kurz - KFC Uerdingen - wurde 1905 als FC Uerdingen 05 gegründet. Vor dem Krieg gab es überschaubare Erfolge bis man sich 1953 mit der Betriebssportgruppe des Chemiekonzern Bayer zusammenschloss. Als FC Bayer 05 Uerdingen folgte ein langsamer Aufstieg und 1974 wurde man in die 2.Bundesliga Nord aufgenommen. Dort folgte direkt der Aufstieg, doch die Premiensaison in der Bundesliga schloss man als Tabellenletzter ab. Bis 1983 spielte man fünf Jahre in der zweiten und zwei weitere Jahre in der Bundesliga. Mit dem Aufstieg 1983 etablierte man sich für einige Zeit in der Bundesliga. 1984/85 spielte man eine der beste Saisons der Vereinsgeschichte. Neben dem siebten Platz in der Bundesliga gewann man auch den DFB-Pokal (und schaltete im Halbfinale den FCS aus). 1986 zog man bis ins Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger ein, in der Bundesliga wurde man Dritter. Anschließend sank der Stern des Vereins langsam. Man stieg zwei Mal aus der Bundesliga ab, 1995 zog sich Bayer trotz Klassenerhalt in der 1.Liga zurück. Der Verein kämpfte nun mit finanziellen Problemen und rutschte in den folgenden Jahren immer weiter ab. Ab 2005 spielte man in der Oberliga, von 2008 bis 2011 war man sogar in der sechstklassigen Verbandsliga unterwegs. Der Verein pendelte von 2011 bis 2016 zwischen der vierten und fünften Spielklasse, der Einstieg von Investor Ponomarew sorgte anschließend für den Durchmarsch bis in die 3.Liga. Dort spielt Uerdingen seit 2018. In der letzten Saison lag man meist im Mittelfeld und hatte mal eher den Kontakt nach oben und dann mal wieder nach unten. Nach dem Conora-Restart zeichnete man sich dann als erstes richtiges Mittelfeldteam der Liga ab und ließ die Saison dann auch gemütlich austrudeln. Unter dem Strich konnte man sich 48 Punkte erspielen und landete damit auf Platz 13. Für die hohen Ambitionen des Clubs sicher zu wenig.


Denn aus finanzieller Sicht sind die Uerdingen seit dem Einstieg des Investors sehr gut aufgestellt, möglicherweise haben sie sogar trotz des dauernden Umzugs nach Düsseldorf und der Miete dort (sie soll bei 1,6 Millionen Euro pro Saison liegen) die besten Voraussetzungen der gesamten Liga. Der Spieleretat der Uerdinger ist nicht genau bekannt, soll aber im letzten Jahr bei mindestens acht Millionen Euro gelegen haben. Monatsgehälter von 50.000 Euro für einzelne Spieler unterstützen diese These. Der russische Investor ist trotz der finanziellen Mittel auch in Uerdingen ein zweischneidiges Schwert. Der Trainerstuhl ist ein Schleudersitz und Ruhe im Verein nicht immer gegeben. Aktuell ist Stefan Krämer der Trainer in Uerdingen. Er ist seit März 2020 im Amt, zuvor war er bereits vom März 2018 bis Januar 2019 als Trainer aktiv gewesen. In den 14 Monaten dazwischen hatte man fünf unterschiedliche Trainer (inklusive Interimstrainern). Er soll in dieser Saison einen anderen Ansatz in Sachen Kader fahren.


Im Trainerteam von Uerdingen findet sich auch eine Verbindungsstelle zum FCS. Co-Trainer und Teamchef (sowie zwei Mal Interimstrainer) ist seit 2017 der ehemalige FCS-Spieler Stefan Reisinger. Reisinger kam im Winter 2014 zum FCS und gehörte zu jenen Spielern die "heldenhaft" gegen den Abstieg in der Saison 2013/14 gekämpft haben. Er bestritt in diesem Jahr acht Einsätze in der 3.Liga und erzielte zwei Tore. In der anschließenden Sommerpause wurde er vom damaligen Trainer Kilic suspendiert und fristlos ("Foto-Gate") entlassen, vor Gericht wurde diese Kündigung als unwirksam angesehen und Reisinger bestritt in der Saison 2014/15 noch neun Einsätze für die zweite Mannschaft des FCS.



Transferaktivitäten

Im Sommer entschied man sich in Uerdingen bewusst für einen Umbruch. Man hatte zuletzt mit den ältesten Kader der Liga, ist mit dieser Maxime bei allen finanziellen Mitteln nicht optimal gefahren und will nun mehr jüngeren Spielern eine Chance geben. Entsprechend haben gleich 17 Spieler den Club im Sommer verlassen, weitere Spieler spielen keine Rolle mehr (wie Dominic Maroh). Unter den Abgängen sind Akteure wie die beiden Torhüter Robin Udegbe und Philipp Bachmeier, die am Ende eh keine Rolle spielten. Dazu zählen im Feld Hakim Guenoche (LV) und Necirwan Khalil (DM). Nur eine geringe Rolle spielten noch Dennis Daube (ZM/Münster) und Selim Gündüz (RM/Halle). Auch Offensivspieler Patrick Plücke konnte sich nie auf Dauer in der Mannschaft durchsetzen und ging nun in die Niederlande. René Vollath ersetzte am Saisonende den verletzten Königshofer und war ansonsten nur die Nummer 2. Er wechselte zu Türkgücü München. Zum Aufsteiger zog es auch den niederländischen Angreifer Tom Boere. Er war der beste Torschütze von Uerdingen und bis zu seiner Ausbootung auch Stammspieler. Die Verträge mit den Routiniers Alexander Bittroff (RV) und Adam Matuschyk (DM) - beide kann man durchaus als Stammspieler bezeichnen - wurden nicht verlängert. Auch den erfahrenen Roberto Rodriguez (LM) kann man in dieser Kategorie verbuchen, sein Vertrag wurde vorzeitig aufgelöst. Die Leihverträge mit Jean Mbom (DM/Bremen), Franck Evina (LA/Bayern München) und Boubacar Barry (RA/Bremen) endeten, alle drei Spieler haben viele Einsätze bestritten. Manuel Konrad (DM/zwischen Stammspieler und Bank) wurde suspendiert und löste seinen Vertrag kurz vor Ende der Transferperiode auf. Kevin Großkreutz (RV) wurde fristlos entlassen und befindet sich im Rechtsstreit mit dem Club.


Unter den 15 Neuzugängen hat man einige junge Spieler dabei. Aus der eigenen Jugend wurde Torhüter Paris (18) mit einem Profivertrag ausgestattet. Innenverteidiger Leon Schneider (20/Leihgabe von Köln) und Flügelspieler Anapak (19) aus der U19 von Bayer Leverkusen sind ebenfalls sehr jung. Man hat aber auch Qualität verpflichtet. Von PSV Eindhoven kam Torhüter Hidde Juris. Er war letzte Saison in die zweite niederländische Liga verliehen und dort Stammspieler. Für die Defensive kam zudem Omar Traoré. Der 22-Jährige spielte zuletzt beim SV Rödinghausen und galt als bester Rechtsverteidiger der Regionalliga West. Innenverteidiger Stefan Velkov (23) war Stammspieler beim niederländischen Zweitligisten FC Den Bosch. In Uerdingen setzt man große Hoffnungen auf den Nationalspieler Bulgariens. Im Mittelfeld steht Fridolin Wagner von Absteiger Münster neu im Kader, er war dort Stammspieler. Stammspieler war auch Tim Albutat beim MSV Duisburg. Der 27-Jährige hatte Zweitligaambitionen, seine Verpflichtung zeigt die hohen Ansprüche in Uerdingen. Auch Peter van Ooijen (28) ist ein starker Mittelfeldspieler. Er war zuvor Stammspieler in der ersten niederländischen Liga und kann auch auf der Außenbahn spielen. Außerdem wurde Gino Fechner vom 1.FC Kaiserslautern (15 Einsätze) unter Vertrag genommen, David Gnaase kam auf 30 Einsätze für die Würzburger Kickers. Kolja Pusch (ehemals Heidenheim) kehrt aus Österreich nach Deutschland zurück und ist ein offensiverer zentraler Mittelfeldspieler. Für die Flügelposition konnte man Mike Feigenspan von Eintracht Braunschweig verpflichten und im Angriff hat man sich mit dem vielfach umworbenen Heinz Mörschel (22) von Preußen Münster verstärkt. Zusätzlich kam im September noch Muhammed Kiprit von Hertha II nach Uerdingen. Auch er war Stammspieler in der Regionalliga gewesen.v



Bisherige Saison

Uerdingen musste gleich zum Auftakt nach Ingolstadt und verlor dort mit 1:2. Der KFC lag dabei mit 0:2 zurück, Kiprit schaffte Mitte der zweiten Hälfte nur den Anschlusstreffer. Durch eine 0:2-Heimpleite gegen den SV Meppen setzte man in der Folge den Saisonstart endgültig in den Start. Das erste Erfolgserlebnis in der Saison gab es am dritten Spieltag. Bei Hansa Rostock erkämpfte man sich ein Unentschieden. Ein Remis gab es auch im Heimspiel gegen Bayern II. Uerdingen schlug dabei schnell nach dem Rückstand zurück, Kiprit glich mit einem Rechtsschuss aus. Am fünften Spieltag gab es dann endlich den ersten Saisonsieg. Man war zu Gast in Zwickau und die Gastgeber gerieten bereits nach vier Minuten in Unterzahl. Ein Eigentor von Velkov brachte Zwickau trotzdem in Front, doch ein Distanzschuss von Pusch und Kiprit drehten noch vor der Pause das Spiel. In Halbzeit 2 verwaltete man überwiegend das Ergebnis. Im letzten Heimspiel ging es dagegen wieder zwei Schritte zurück. Gegen Wiesbaden sah man überhaupt kein Land und lag schon nach 36 Minuten mit 0:3 hinten. Am Ende verlor man gar mit 0:4. Eine Reaktion musste her und gab es mit veränderten Personal am letzten Samstag. Beim MSV Duisburg siegte man mit 2:0. Marcussen traf kurz nach der Pause zur Führung, nach 71 Minuten machte Top-Torjäger Kiprit den Deckel drauf.


Durch den zweiten Auswärtssieg in Folge verbesserte sich Uerdingen auf den 14.Tabellenplatz. Acht Punkte aus sieben Spielen sind eine mittelmäßige Bilanz, doch mit den beiden Siegen hat man den Anschluss an das breite Mittelfeld hergestellt und in der engen 3.Liga kann man sich schnell in vordere Tabellenregionen vorkämpfen. Die Formtabelle stimmt dabei, mit Blick auf die letzten fünf Spieltage liegt man auf dem achten Platz. Nötig ist dabei eine bessere Heimbilanz: Man hat zuhause noch nicht gewonnen, hat nur einen Punkt aus drei Spielen geholt und ist momentan das Schlusslicht in der Heimtabelle. Im Mittelfeld der Krefelder stand in der bisherigen Saison Muhammed Kiprit. Der Sommerneuzugang ist für vier von sechs Uerdinger Tore in dieser Saison verantwortlich. Tore braucht es jedoch auch von der restlichen Mannschaft, mit den sechs Treffern stellt man bisher die verschlechteste Offensive der Liga. Im Gegenzug gab es bisher zehn Gegentreffer. Das ist im Mittelfeld der Liga gelegen.




Aufstellung gegen den MSV Duisburg


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