Spielbericht: Dominanter FCS gewinnt auch in Köln

Vor dem Spiel: Ausgangslage und Taktik

Nach der erfolgreichen englische Woche und einigen Trainingstagen ging es für den FCS am Freitag weiter mit dem Auswärtsspiel bei Viktoria Köln. Das nächste große Kaliber stand vor der Brust und aufgrund der Tabellensituation handelte es sich bei der Begegnung um ein echtes Spitzenspiel der Liga. Die Gastgeber aus Köln wurden vor dem Spiel durch Kwasniok als Wundertüte bezeichnet. Eine treffende Bezeichnung, denn die Qualität im Kader des Geheimfavoriten ist hoch und die Mannschaft ging als Tabellenvierter und mit 16 Punkten in die Begegnung. Nach zwei Niederlage in Serie hatte man am Montag beim MSV Duisburg mit 3:1 gewinnen können. Mit einem Sieg konnte man nach Punkten mit dem FC aufschließen.


Die Viktoria musste auf einige Spieler verzichten, teils durch Corona-Infektionen. Mike Wunderlicht fehlte wie schon in Duisburg verletzungsbedingt, auch René Klingenburg und Maximilian Rossmann fehlten erneut im Aufgebot der Kölner. Im Vergleich zum Spiel in Duisburg nahm Paval Dotchev zwei Veränderungen an der ersten Elf vor: Lorch spielte statt dem angeschlagenen Moritz Fritz im defensiven Mittelfeld und Kyereh rückte statt Hajrovic (nicht im Kader) in die Innenverteidigung.


Der FCS hatte mit dem Auswärtssieg in Duisburg und dem Heimsieg gegen Dresden zuletzt zwei ganz späte Siege zu verzeichnen und verteidigte gegen Dresden erfolgreich die Tabellenführung in der 3.Liga. 19 Punkte aus neun Spielen lautete die starke Bilanz des Aufsteigers vor dem Spiel. Beim Spiel in Köln hatte man jedoch mit einigen personellen Sorgen zu kämpfen. Rasim Bulic (Muskelfaserriss), Minos Gouras (individuelles Training nach Schulteroperation), Kianz Froese (Erkältung noch nicht auskuriert) und Sebastian Bösel (muskuläre Probleme) fehlten wie schon gegen Dresden. Außerdem standen Marin Sverko und Maurice Deville nicht zur Verfügung, beide Akteure sind mit ihren Nationalmannschaften unterwegs.


Im Vergleich zum Spiel gegen Dresden waren Änderungen an der Startformation damit zwingend und Kwasniok änderte seine Mannschaft am Ende ebenfalls auf zwei Positionen. Im etablierten 4-1-4-1-System spielte Daniel Batz im Tor. In der Viererkette baute Kwasniok eine Überraschung ein. Boné Uaferro saß lediglich auf der Ersatzbank, statt ihm verteidigte Anthony Barylla mit Steven Zellner in der Innenverteidigung. Rechts hinten verteidigte dafür Fanol Perdedaj (eine Position die er schon in seiner Zeit bei 1860 München für einige Zeit gespielt hat). Mario Müller rückte für den abwesenden Sverko aus dem Mittelfeld zurück auf die Position des linken Verteidigers. Vor Manuel Zeitz spielte Nicklas Shipnoski wieder auf dem rechten Flügel. Auf der linken Außenbahn begann zum ersten Mal in dieser Saison José Vunguidica. Er bekam den Vorzug vor Markus Mendler oder Lukas Schleimer. Tobias Jänicke und Timm Golley spielten erneut als Achter. Jacob nahm wieder seine Position im Sturmzentrum ein. Als weitere Optionen saßen Ramon Castellucci (ETW), Christopher Schorch (zum ersten Mal seit dem 3.Spieltag), Boné Uaferro, Jayson Breitenbach, Lukas Schleimer, Markus Mendler und Marius Köhl (erstmalig in der Liga) auf der Ersatzbank. Neben den verletzten Spielern standen Mergim Fejzullahu, Teo Herr und Jonas Singer nicht im Aufgebot.


Spielbericht

Den ersten Aufreger hatte das Spiel noch in der ersten Spielminute. Sebastian Jacob nahm den Fuß im Zweikampf mit Kyere zu hoch und sah gleich mit der ersten Aktion die gelbe Karte durch Schiedsrichter Sören Storks. Ansonsten zeichnete sich die Anfangsphase der Begegnung durch ein ausgeglichenes Spiel aus. Beide Mannschaften - insbesondere der FCS - versuchte den Gegner früh zu stören und erzwangen lange Bälle. Ein ungewohntes Spiel für beide Teams und entsprechend gab es in der Anfangsphase auch wenige Torchancen. Der FCS hatte früh eine potenzielle Chance, doch Innenverteidiger Holthaus konnte bedrängt von zwei FCS-Spielern gerade noch zurück zum Torwart spielen. Köln kam nach acht Minuten zum ersten Mal gefährlich in den Strafraum, Zellner drängte den Angreifer der Gastgeber geschickt ab. Der FC konnte in dieser Phase das starke Gegenpressing nicht umsetzen und agierte im eigenen Ballbesitz zu unkonzentriert. So auch nach rund einer Viertelstunde: Perdedaj verlor auf der rechten Seite leichtfertig den Ball an Risse, den schnellen Konter konnte man zur Ecke klären. Ähnliche Szene nach 20 Minuten auf der anderen Seite. Golley spielt im Gegenpressing klar den Ball, bekommt jedoch trotzdem den Freistoß gegen sich gepfiffen und eine Überzahlsituation 25 Metern vor dem Tor in zentraler Position wird dem FC abgepfiffen. Nach 24 Minuten zahlte sich dann Pressing dann aus. Zeitz gewann an der Mittellinie den Ball und spielte quer zu Perdedaj. Im Zusammenspiel mit Golley geht der Rechtsverteidiger durch, schickt Shipnoski auf dem Flügel und dessen flache Flanke verpasst Jacob noch knapp, Abwehrspieler Gottschling trifft jedoch aus kurzer Distanz ins eigene Tor. Dahinter hätte auch Vunguidica noch einschussbereit gestanden. Stark gespielter Angriff und eine durchaus nicht unverdiente Führung des FCS, allerdings war es auch die erste große Chance im Spiel. Der FCS setzte gut nach, holte sich schnell einen Eckball und nach dieser Ecke zielte Zellner aus dem Rückraum zu hoch. Danach ging es zurück zum vorherigen Spiel. Die Malstätter ließen defensiv weiter nichts anbrennen und kontrollierten mittlerweile das Spiel auch mehr oder weniger. Im eigenen Ballbesitz blieb man jedoch nicht klar genug in den Aktionen und konnte sich keine Torchancen erspielen. Erst nach 40 Minuten schloss Viktoria zum ersten Mal richtig ab, der Fernschuss von Lorch stellte Batz jedoch vor keine gewaltigen Probleme, im Nachsetzen sicherte er sich den Ball. Noch vor der Pause dann eine entscheidende Szene. Nach einem langen Ball stürmte Torhüter Mielitz aus dem Tor, prallte mit seinem Abwehrspieler zusammen und wehrte dann den Abschluss von Jänicke außerhalb des Strafraumes mit der Hand ab. Die logische Folge war die rote Karte, der FCS spielte fortan in Überzahl. Die Gastgeber nahmen den gelbvorbelasteten Angreifer Bunjaku für den Ersatztorwart vom Feld. Den fälligen Freistoß setzte Müller in die Mauer und es ging mit der knappen Führung in die Pause.


Dort wechselte Köln ein zweites Mal. Lukas Cueto rückte statt Holzweiler auf die Außenbahn, die Gastgeber agierten nach dem Platzverweis in einem 4-4-1-System. Beim FCS ging es ohne Wechsel weiter. Und der zweite Abschnitt begann perfekt für die Malstätter. Ein starker Diagonalball von Barylla fand Golley, der bediente Vunguidica per Hacken-Beinschuss und die Flanke des Flügelspielers wurde im Zentrum von Jänicke per Hacke weitergeleitet. Der völlig freie Shipnoski traf in die lange Ecke zum 2:0. Ein wichtiger Treffer und alle Ansätze der Kölner In der Halbzeit wurden im Grundsatz zerstört. Nur drei Minuten nach dem zweiten Treffer gewann der FCS (dieses Mal in Person von Vunguidica) erneut durch sein Pressing den Ball, wieder lag eine große Chance in der Luft. Doch der Schiedsrichter pfiff den Einsatz von Vunguidica ab. Perdedaj hatte nach 52 Minuten mit einem Abschluss aus dem Rückraum noch die Chance auf das 3:0, zielte mit links jedoch zu hoch. Der FCS wechselte anschließend in den Ballbesitzfußball und ließ die Gastgeber in der Folge mit einem ruhigen, souveränen Auftreten und viel Passsicherheit laufen. Jacob verpasste eine Flanke von Shipnoski nur knapp (56.), Barylla zielte nach einer Freistoßvariante deutlich zu hoch (59.). Auch der Abschluss von Jänicke ging neben den Kasten (60.). Nach 61 Minuten hielt der Keeper einen Kopfball von Jacob mühelos. Der FC hatte die Chancen auf das 3:0, zeigte vor allem aber eine brutale Dominanz und ließ Köln keinen Raum zu atmen. So setzte sich das Spiel auch in den folgenden Minuten fort. Köln konnte nicht mehr tun als tief stehen, dem Ball hinterherlaufen und kam selbst fast überhaupt nicht mehr an die Kugel. Nun passierte in der Begegnung auch nicht mehr viel. Dotchev zog nach 75 Minuten seine letzte Option und brachte Seaton für Thiele ins Spiel, dabei rückte Risse im 4-3-2-System zur zweiten Spitze auf. Die taktische Umstellung änderte am Spielverlauf jedoch nichts. Schon drei Minuten zuvor hatte Kwasniok den ersten Wechsel beim FC vorgenommen. Markus Mendler kam für Timm Golley in die Begegnung. Nach einer Unachtsamkeit beim FCS und einer verunglückten Rückgabe von Perdedaj hatte Seaton nach 80 Minuten doch mal eine Chance für Köln: Doch einmal zielte der Joker freistehend am Tor vorbei und zudem hatte der Schiedsrichter zuvor schon auf Abseits entschieden. Kwaswniok konnte sich dann auch den Luxus erlauben und nahm nach 81 Minuten Sebastian Jacob vom Feld. Für den Angreifer kam Lukas Schleimer ins Spiel. Drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit kam dann auch Eigengewächs Marius Köhl zu seinem Debüt in der letzten Liga. Er kam für Nicklas Shipnoski ins Spiel. Kaum im Spiel leitete Köhl auch einen Angriff ein, sein Ball in den Rückraum fand jedoch nicht den gewünschten Abnehmer und in der Nachspielzeit zielte Mendler aus 20 Metern noch einmal zu hoch.



Fazit

Der nächste hochverdiente Sieg für den FCS und dieses Mal kam die Kwasniok-Elf auch ohne Drama und Last-Minute-Tore aus. Die erste Halbzeit war relativ ausgeglichen, beide Teams hatten eine sichere Defensive und viel Gegenpressing im Sinn. Ein geordnetes Fußballspiel kam da nur in wenigen Phasen zu Stande, stattdessen ging es viel mit langen Bällen und häufigen Ballwechseln. Der FC war insgesamt in den ersten 45 Minuten überlegen, hätte aber mehr aus dem eigenen Ballbesitz machen können. Die Viktoria hat Räume angeboten, der FCS hat auch immer wieder die Pressinglinie überspielt und war dann zu ungenau oder zu hektisch in den Aktionen. Die Führung war dann stark erspielt und mit dem nötigen Glück versehen. Ähnliches gilt auch für die rote Karte. Der Feldverweis gegen den Torwart spielte dem FC klar in die Karten und das frühe 2:0 beruhigte dann die Begegnung. Danach haben die Molschder aber ein richtig starkes Spiel gemacht und auch in Überzahl nicht nachgelassen. Man war präsent, war sehr ballsicher und hat den Kölnern überhaupt keine Möglichkeiten gegeben an diesem Spiel teilzunehmen. Man war dominant, souverän in den eigenen Aktionen und hat das Ding in der zweiten Hälfte in einer beeindruckenden Manier nach unten gespielt. Spiele in Überzahl sind nicht immer einfache Spiele, wenn man es aber so spielt wie der FCS dann kann man hochzufrieden sein. Man musste auch nicht zittern, obwohl man den dritten Treffer nicht nachgelegt hat und konnte sein Spiel bis zum Ende durchdrücken. In dieser Hinsicht war der Auftritt noch mal ein Stück besser als zum Beispiel in Duisburg. Viktoria Köln hatte im zweiten Abschnitt keinen Schuss auf das FCS-Tor, sie hatten nur die abgepfiffene Szene von Seaton zehn Minuten vor Spielende und Batz war eigentlich im gesamten Spiel quasi nicht gefordert gewesen. Ein schöner Nebeneffekt dieses Spiels war die Möglichkeit auch mal andere Spieler ein paar Minuten spielen zu lassen. Schleimer hat mal wieder zehn Minuten bekommen, auch Marius Köhl wurde in der Schlussphase eingewechselt und damit für seine Trainingsarbeit in den letzten Wochen belohnt. Auch solche kleinen Dinge sind für die Stimmung in einem Kader förderlich. Dazu hat man die Ausfälle gut aufgefangen und einmal mehr hatte Lukas Kwasniok bei seinen personellen Entscheidungen ein glückliches Händchen. Perdedej hat als Rechtsverteidiger einen guten Job gemacht und auch Vunguidicia war absolut solide auf der linken Außenbahn unterwegs. Der Mann des Spiel war von den Zahlen her Nicklas Shipnoski. Eine Vorlage, ein eigenes Tor und ein starkes Spiel. Bester FCS-Spieler war aber einmal mehr Steven Zellner. Der Abwehrchef zeigte eine fast perfekte Leistung und befindet sich in beeindruckender Verfassung.


Mit dem dritten Sieg in Folge setzt der Aufsteiger seine wahnsinnige Saison fort und hat mittlerweile 22 Punkte aus zehn Spielen gesammelt. Der Erfolg in Köln war der dritte Sieg in Serie und der zweite Auswärtssieg in Folge. Nebeneffekt: Man hat wieder erfolgreich die Tabellenführung verteidigt und kann unabhängig von den anderen Ergebnissen an diesem Spieltag nicht von der Spitze verdrängt werden. Weiter geht es für den FCS am kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden. Das Duell gegen den Zweitligaabsteiger beginnt um 14:00 Uhr. Es ist zugleich der Auftakt zur nächsten englischen Woche, in der Folge wird man noch gegen Türkgücü München (Dienstag) und den 1.FC Kaiserslautern (Sonntag) spielen.


Spieldaten


Wettbewerb:3.Liga
Spieltag:10.Spieltag
Datum:Freitag, 13.November 202019:00 Uhr
Spielort:Sportpark HöhenbergKöln
Zuschauer:Geisterspiel


Tore



SpielstandSpielminuteTorschütze
0:124.Gottschling (Eigentor)
0:247.Nicklas Shipnoski



Besondere Vorkommnisse


MinuteArtSpieler
42.Rote Karte (Handspiel außerhalb des StrafraumesSebastian Mielitz (VIktoria)




Taktik


System:4-1-4-1





Aufstellung


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Ersatzbank

Ramon CastellucciChristopher Schorch
Jayson BreitenbachMarius Köhl
Markus MendlerLukas Schleimer
Boné Uaferro



Wechsel


SpielminuteEingewechseltAusgewechselt
72.Markus MendlerTimm Golley
81.Lukas SchleimerSebastian Jacob
88.Marius KöhlNicklas Shipnoski



Nicht im Kader


SpielerGrund
Mergim FejzullahuNicht berücksichtigt
Teo HerrNicht berücksichtigt
Minos GourasSchulterverletzung
Kianz FroeseErkältet
Sebastian Böselmuskuläre Probleme
Maurice DevilleLänderspielabstellung
Marin SverkoLänderspielabstellung
Jonas SingerNicht berücksichtigt
Rasim BulicMuskelfaserriss




Nächstes Spiel


Gegner:SV Wehen Wiesbaden
Wettbewerb:3.Liga
Spieltag:10.Spieltag
Spieltermin:Samstag, 13.November 202014:00 Uhr
Spielort:Ludwigspark

Bemerkung:Geisterspiel

Kommentare 5

  • Man kann vor allen Beteiligten nur den Hut ziehen. Ich gebe zu ich war skeptisch vor der Saison was Neuverpflichtungen und den Trainer anging. Nach dem Homburg Spiel gar überzeugt der kann es nicht. Eine grandiose Fehleinschätzung, was da gemacht wurde hatte Hand und Fuß das zeigt sich immer mehr, nicht nur wegen dem Tabellenstand sondern auch die Art und Weise die die Mannschaft an den Tag legt. Nie hab ich mich mehr über eine Fehleinschätzung meinerseits gefreut.

    Eijo 1
    • War bei mir ähnlich. Schwer voraus zu sehen das sich die Sachen so entwickeln. Man war skeptisch, dieser Trainerwechsel im Dezember, zwar die Siege im Pokal aber man konnte auch den Trainer kaum einschätzen. Bedenkt man das immer noch sehr viele Spieler in der Startelft in der 3 Liga stehen muss man feststellen das da Quantensprünge stattgefunden haben. Ich rechne dies mittlerweile dem Trainer an, er hat taktisch was drauf und macht Spieler offensichtlich besser. Eine ziemlich gute Entwicklung der Dinge, alles geil, wäre dieses verdammte Corona nicht. Möge der Höhenflug noch lange anhalten, es ist Balsam für die geschundene FCS Seele.

  • Und wieder hat uns Kwassi mit der Startelf überrascht. Einen Perdedaj auf die RV Position zu stellen war nicht zu erwarten.

    Für mich war das gestern eine abgezockte Spielweise in der 2. HZ. Ball & Gegner laufen lassen , so wie es die ,,großen" auch machen.

    Sehr starke, beeindruckende Spielweise

  • N.Shipnoski hat Gott sei Dank noch Vertrag bis 2022, wenn uns den jemand abkaufen will müsste er sehr tief in die Tasche greifen 👌🍾.

    Wenn M.Gouras jetzt wieder gesund und fit ist, werden wir die Liga auch in der Rückrunde mitbestimmen.

    Alles im grünen Bereich, weiter so Männer ihr seid auf einem guten Weg.👏👏👏