Vorbericht: Sonntag, Derbyzeit!

Lange Zeit musste der FCS auf diesen Tag warten. Ein Pflichtspiel gegen den Rivalen vom 1.FC Kaiserslautern und man spielt tatsächlich nicht gegen die zweite Mannschaft des Clubs. Um es in Zahlen auszudrücken: Das letzte Ligaspiel zwischen den beiden Vereinen ist über 27 Jahre her. Am Sonntag sind es genau 10.109 Tage. Auch das letzte Pflichtspiel liegt schon über 23 Jahre zurück. Es ist eines der Spiele warum man sich über Jahre in der Regionalliga zum Aufstieg gequält hat und dieses Spiel spuckt - trotz der Umstände - schon seit Wochen in den Köpfen des Umfeldes. Seit Mittwoch darf man sich nun auch vollends in den Derbymodus begeben. Der FCS hat am Dienstag zum zweiten Mal in der englischen Woche Unentschieden gespielt und bei Türkgücü München ein 1:1-Unentschieden erreicht. Der Auftritt der Mannschaft wusste erneut zu überzeugen und man konnte die Tabellenführung verteidigen. Anstoß ist am Sonntag um 14:00 Uhr.








TV-Übertragung/Livestream

Die Landesprogramme der ARD besitzen für Drittligaspiele am Sonntag keine Rechte. Das Prestigeduell ist daher ausschließlich über die Kanäle von Magenta Sport zu empfangen. Das Spiel wird als Einzelspiel übertragen. Alle Informationen.





Die Spielstätte/Zuschauer

Das Heimspiel gegen den FCK ist das siebte Heimspiel nach der Rückkehr in den Ludwigspark. Tragischerweise muss auch dieses Spiel ohne Zuschauer ausgetragen werden, es ist das fünfte Geisterheimspiel in Serie und ein Ende dieser Serie nicht in Sicht. Die Tatsache, dass dieses Duell nach 27 Jahren ohne Ligaspiel ohne Zuschauer auskommen muss ist traurig und schmerzhaft. Trotzdem haben wir einige Dinge rund um den neuen Ludwigspark zusammengefasst.



Bilanz

Lange Zeit musste man auf dieses Südwestderby warten, in der Vergangenheit gab es diese Duelle häufig. Insgesamt 43 Begegnungen zwischen den beiden ersten Mannschaften stehen in den Geschichtsbüchern. Die Bilanz spricht mit 21 Siegen für den FCK, der FCS steht bei 14 Erfolgen. Die Heimstatistik weist 23 Spiele mit elf Siegen für den FCS und acht Siegen für den FCK auf. Zwischen 1945 und der Gründung der Bundesliga gab es regelmäßig Duelle, unter anderem die beiden legendären Südwestpokalspiele 1955/56. Anschließend trafen sich beide Teams nur noch in den fünf Bundesligaspielzeiten des FCS. Die letzten Ligavergleiche gab es in der Saison 1992/93. Das Hinspiel im Park konnte der FCS vor 31.000 Zuschauern mit 2:0 gewinnen. Beide Treffer gingen auf das Konto von Eric Wynalda. Im Rückspiel trennten sich beide Teams Unentschieden. Yury Savichev brachte den FCS nach 22 Minuten in Führung, Bjarne Goldbaek glich mit seinem Abseitstor in der Schlussviertelstunde aus. Zum letzten Mal ein direktes Duell gab es im DFB-Pokal 1997. Der FCS verlor gegen den höherklassigen Club klar mit 0:4 und hatte keine Chance. Wir haben in einer Zeitreise einige Spiele etwas näher beleuchtet.



Der Gegner: 1.FC Kaiserslautern

Der 1.FC Kaiserslautern ist einer der traditionsreichsten Vereine in der 3.Liga. Alleine vier Mal wurde man Deutscher Meister, dazu kommen vier Vizemeistertitel und zwei Pokalsiege. Der Club hat über 23.000 Mitglieder, die Vereinsfarben sind rot und weiß. Gegründet wurde der Verein im Jahre 1900. Die besten Zeiten liegen aber schon seit einigen Jahren hinter dem Club und wie so viele Traditionsclubs kämpft man mit den Erfolgen von einst, steht im Schatten der Vergangenheit und hat Probleme mit der Erwartungshaltung im Umfeld. Über Jahrzehnte kannte man beim FCK nichts als die höchste Spielklasse und man gehörte immer wieder zu den besten Mannschaften des Landes. So auch in der Zeit vor Gründung der Bundesliga mit den Walter-Brüdern. 2005 stieg man zum zweiten Mal in die 2.Liga ab und konnte nicht wie 1996 sofort zurückkehren. Man brauchte vier Jahre und war zwischendrin schon fast in die 3.Liga abgestiegen. Nach dem Aufstieg folgten noch zwei Jahre Bundesliga ehe man sich 2012 vorerst verabschiedete. Nach drei vergeblichen Anläufen des Wiederaufstieges rutschte man ins Mittelfeld der 2.Liga ab und stieg 2018 schließlich in die 3.Liga ab. Den "Betriebsunfall" sofort zu korrigieren gelang nicht. In der Saison 2018/19 reichte es lediglich zu Platz 9 und die Mannschaft hatte früh nichts mehr mit dem Aufstieg zu tun. Die letzte Saison verlief nicht besser. Statt Aufstiegskampf hieß die Realität eher Abstiegskampf. Nach der Corona konnte man zumindest diesen Worst-Case vermeiden und setzte sich schnell ins Mittelfeld ab. Am Ende reichte es zu Platz 10. In dieser Saison steht einmal mehr der Aufstieg als Saisonziel aus. Erreichen sollte dieses Ziel ursprünglich Boris Schommer. Der Übungsleiter wurde jedoch schon nach dem zweiten Spieltag entlassen und durch Jeff Saibene ersetzt. Der 52-Jährige ist seit Anfang Oktober im Amt, zuvor trainierte er Ingolstadt und Bielefeld. Die finanzielle Situation beim FCK ist seit vielen Jahren angespannt, auch wenn dies große Investitionen in die eigenen Mannschaften nie verhinderte. Nun hat man die Corona-Pandemie genutzt und eine Insolvenz ohne Punktabzüge hinter sich gebracht um die Altlasten loszuwerden. Trotz dieser Insolvenz konnte man mühelos eine "Kaderplanung wie gewohnt" durchziehen. Zugleich ist im Oktober eine Investorengruppe mit rund elf Millionen beim Club eingestiegen. Ein ehemaliger FCS-Spieler steht nicht im Kader.



Transferaktivitäten

Das Gesicht der Mannschaft hat sich im Sommer verändert. 13 Spieler gingen, 15 Akteure kamen. Der (zuvor schon große) Kader wurde (noch weiter) vergrößert. Bei den Abgängen spielten Torhüter Jan Sievers sowie die Feldspieler Theodor Bergmann, Gino Fechner, Antonio Jonjic, José Matuwila, Runar Bjarnason und Christoph Hemlein keine oder nur eine kleine Rolle. Hemlein als ehemaliger Kapitän war über Monate suspendiert gewesen. Manfred Starke (OM) hatte im Laufe der Saison seinen Stammplatz verloren, kam am Ende auf 29 Einsätze (14x Startelf) und spielt nun in Zwickau. Linksverteidiger Alexander Nandzik kam im Winter aus Regensburg und kam in der Hälfte der Spiele von Beginn an zum Einsatz, seine Leihe lief aus. Angreifer Timmy Thiele wurde trotz zehn Saisontoren und einem laufenden Vertrag zu Viktoria Köln abgegeben. Umso überraschender, da man mit Christian Kühlwetter und Florian Pick zwei weitere offensive Stammkräfte verlor. Beide gegen nach zum 1.FC Heidenheim. Kühlwetter lag in der Vorsaison bei 23 Scorerpunkten, Pick bei 24 Punkten. Zum Schluss wurde auch Lennart Grill - der Stammtorwart der letzten Saison - an Bayer Leverkusen verkauft.


Die Lücke im Tor hat man mit drei Torhütern aus dem eigenen Nachwuchs aufgefangen. Elija Wohlgemuth ist aber noch in der U19 spielberechtigt, auch Jonas Weyand kommt aus der U19 hoch. Außerdem wurde Matheo Raab (21) aus der U23 mit einem Profivertrag ausgestattet. Für die Innenverteidigung verpflichtete man in Alexander Winkler (28) einen absoluten Leistungsträger der Spvgg Unterhaching. Außerdem kehrte Außenverteidiger Adam Hlousek (31) auf Leihbasis von Viktoria Pilsen auf den Betzenberg zurück. Tom Fladung aus der eigenen Jugend bekam im zentralen Mittelfeld einen Profivertrag, dazu verpflichtete man Tim Rieder (27) vom FC Augsburg. In der letzten Halbrunde war er Stammspieler bei 1860 München gewesen. Für die offensiveren Positionen im Mittelfeld kamen fünf neue Spieler. Mohamed Morabet (22) aus der eigenen U23 wurde in die Drittligamannschaft hochgezogen. Mit Marlon Ritter gab es dazu einen absoluten Qualitätstransfer. Der 26-Jährige spielte zuvor für den SC Paderborn und kann alle Positionen in der Offensive spielen. Ein toller Fußballer ist auch Nicolas Sessa. Der 24-Jährige hat den FCS schon in der Vergangenheit bei Stuttgart II geärgert, nun kam er von Erzgebirge Aue zum FCK. Marius Kleinsorge (25) war eine wichtige Stütze beim SV Meppen und kommt wie Kenny Redondo am liebsten über die Außenbahn. Redondo (26) spielte zuletzt für Zweitligist Greuther Fürth. Im Angriff kehrte der ausgeliehene Elias Huth zurück. Er hatte für den FSV Zwickau 14 Saisontore erzielt und konnte ein Jahr reifen. Daniel Hanslik (24) kam seinerseits als Leihgabe von Holstein Kiel. Der Deutsch-Pole war von Winter an an Hansa Rostock ausgeliehen, dort auf dem Sprung zum Stammspieler und kann auch auf der Außenbahn spielen. Die zweite Leihgabe im Sturm ist Marvin Pourie. Der 29-Jährige kam vom Karlsruher SC, spielte in der letzten Halbserie jedoch für Eintracht Braunschweig und hat seine Treffsicherheit in der 3.Liga schon bewiesen.



Bisherige Saison & Tabellensituation

Die roten Teufel erlebten einen schwierigen Saisonauftakt. Im DFB-Pokal zwang man Zweitligist Regensburg bis ins Elfmeterschießen, verlor dann jedoch mit 3:4. Der Ligaauftakt ging zuhause gegen Dresden mit 0:1 verloren, obwohl man eine ganze Halbzeit in Überzahl spielen konnte. Der zweite Spieltag brachte eine herbe 0:3-Pleite bei Türkgücü München mit sich, angesichts der ambitionierten Ziele wurde danach schon Trainer Schommers entlassen. Unter Jeff Saibene startete man eine Serie an Unentschieden. Los ging es in Wiesbaden. Man lag zur Pause mit 0:2 hinten, kam durch Bachmann (79.) und einen Last-Minute-Treffer von Ciftci noch zum Ausgleich. Dieses Spiel fühlte sich wie ein Sieg an. Auch im Derby gegen Mannheim geriet man früh in Rückstand und hatte große Probleme. In einer verbesserten zweiten Hälfte sorgte Ritter nach 77 Minuten für den Ausgleich. Bei Bayern II war Lautern über die meiste Zeit auf die Defensive beschränkt und kassierte mit etwas Glück keinen Gegentreffer. Im Umkehrschluss konnte man aber auch gute Konterchancen nicht verwerten. Es blieb torlos. Im Heimspiel gegen Ingolstadt am sechsten Spieltag gelang endlich mal eine Führung. Pourie brachte den FCK mit rechts in Front (10.). Der FCK verpasste den zweiten Treffer, spielte dann auch noch 25 Minuten in Überzahl. Ein vermeidbarer Gegentreffer durch Bilbija entriss jedoch noch den Sieg. Nach sechs Spieltagen lag man auf einem Abstiegsplatz. Besser wurde die Situation im Kellerduell beim SV Meppen nicht. Zuck und Pourie glichen zwei Mal einen Rückstand aus, auf Krügers Treffer kurz vor Schluss hatte man jedoch keine Antwort mehr und kassierte die erste Pleite unter Saibene. Im folgenden Heimspiel gegen Hansa Rostock war Lautern die bessere Mannschaft, konnte jedoch zu selten für Gefahr sorgen. Mit dem 0:0-Unentschieden trat man weiter auf der Stelle. Den ersten Saisonsieg gab es erst am neunten Spieltag. Beim FSV Zwickau ging man durch Pourie in Front (57.) und konnte den zwischenzeitlichen Ausgleich noch mal korrigieren. Zuck traf vier Minuten vor Spielende zum Sieg. Im Kellerduell gegen Magdeburg wollte man auf dem Betzenberg gleich nachlegen, ging auch zu Beginn der zweiten Hälfte verdient durch Pourie in Führung. Biedere Gäste schlugen wenige Minuten später zurück, anschließend fehlten dem FCK die Mittel um noch zu gewinnen. Gewinnen konnte man auch nicht beim letzten Auswärtsspiel in Halle. Redondo brachte Lautern in der Anfangsphase in Front, der HFC glich in Hälfte 2 durch Papadopoulos aus. Beide Teams hätten gewinnen können, trennten sich jedoch Remis. Am Mittwoch spielte man nun zu Hause gegen den VfB Lübeck. Ein schwieriges Spiel für den FCK, kurz vor Schluss traf der eingewechselte Marlon Ritter jedoch zum zweiten Saisonsieg.


In der Tabelle der 3.Liga konnte man damit einen Sprung auf den 14.Platz vollziehen und nebenbei auch Selbstvertrauen tanken. Seit fünf Spielen hat man nun nicht mehr verloren. Diese Serie lässt sich auch in der Formtabelle (Platz 4) ablesen. Auf die komplette Saison gesehen beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz drei Punkte, mit den ganzen Nachholspielen könnte man theoretisch punktgleich auf dem ersten Abstiegsplatz liegen. Dieser Blick ist jedoch nur in dritter Reihe interessant, wichtiger ist der Abstand nach oben und in dieser Hinsicht liegt man aktuell neun Punkte hinter dem dritten und zehn Punkte hinter dem zweiten Platz. Mit der erhofften Siegesserie soll der Anschluss an diese Plätze hergestellt werden um das Saisonziel Aufstieg noch verwirklichen zu können. Ein nötiges Mittel: Mehr Siege statt Unentschieden. Der FCK hat erst drei Spiel verloren (wie auch Ingolstadt), zugleich aber auch nur zwei Mal gewinnen können. Da liegt man auf einem Level mit Magdeburg oder Meppen. Dafür gab es schon sieben Unentschieden, der Bestwert in der Liga. Auch in der Defensive steht man gut und hat bisher nur 14 Gegentreffer kassiert. Der FCS oder Ingolstadt stehen jeweils bei 13 Gegentoren. Drei Spiele wurden ohne Gegentor absolviert. In der Offensive bekommt man dafür zu selten die Qualität auf den Platz und steht erst bei elf Saisontoren. Nur wenige Teams der Liga haben seltener getroffen. Bester Torschütze ist Angreifer Pourie mit vier Treffern, es folgten Marlon Ritter und Hendrick Zuck mit zwei Toren. Die meisten Vorlagen (je 3) gehen auf das Konto der auffälligen linken Seite um Redondo und Hlousek. In der Auswärtstabelle wird der FCK auf Platz 15 geführt. Es gab den Sieg in Zwickau, ansonsten noch drei Unentschieden und zwei Niederlagen.




Aufstellung gegen den VfB Lübeck


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