Ein Jahr mit Lukas Kwasniok

Der FCS steigt nach kurzer Winterpause am heutigen Samstag wieder ins Mannschaftstraining ein. Damit beginnt für FCS-Trainer Lukas Kwasniok sein zweites Jahr bei den Malstättern. Kwasniok wurde am 23.Dezember 2019 als Nachfolger von Dirk Lottner verpflichtet. Sein Name wurde zwar zuvor schon mal erwähnt, im Endeffekt kam die Verpflichtung für viele Seiten jedoch überraschend. Der ehemalige Nachwuchstrainer von Karlsruhe war zuvor bis September 2020 bei Carl Zeiss Jena aktiv gewesen und dort nach einem katastrophalen Saisonstart entlassen worden.


Am 1.Januar 2020 nahm der Trainer dann offiziell beim FCS seine Arbeit auf, am 3.Januar versammelte er zum ersten Mal seine neue Mannschaft auf dem Trainingsplatz. Zwei Ansätze fand er vor: Auf der einen Seite übernahm er eine gestandene Mannschaft, den souveränen Tabellenführer und Achtelfinalisten im DFB-Pokal. Andererseits hatte die Mannschaft in den letzten Wochen des Jahres 2019 offenkundige Probleme.


Das Ziel war klar umgerissen: Verteidigung der Tabellenführung und Aufstieg in die 3.Liga. Dieses Ziel erreicht Kwasniok, durch den Saisonumbruch jedoch auf ungewöhnliche Art und Weise. Gerade einmal drei Regionalligaspiele unter seiner Regie wurden gespielt. Dazu führte er seine Mannschaft durch zwei Siege im Elfmeterschießen ins Halbfinale des DFB-Pokals. Kwasniok überraschte mit seiner Taktik und stellte in Abwesenheit von Jacob Abwehrchef Zellner in den Sturm. In der Liga begann er in Frankfurt mit Miotke auf der Sechs. Mit dem Aufstieg am grünen Tisch verlängerte sich sein Vertrag um ein Jahr, doch auch nach dem Pokalaus gegen Leverkusen wusste man noch nicht so viel um den Trainer. Sportlicher Erfolg im Pokal, teils markante Sprüche auf den Lippen. Doch wie sieht das im Ligaalltag aus?


Das erste halbe Jahr in der 3.Liga hat hier Erkenntnisse gebracht. Die teilweise sehr defensive Spielweise (auch in den Regionalligaspielen) hat der FCS hinter sich gelassen. Kwasniok etablierte ein 4-1-4-1-System, sorgte für eine offenkundig starke Fitness innerhalb der Mannschaft und konnte die Truppe - nach allen Aussagen der Beteiligten - hinter sich vereinen. Der Mannschaft hat er einen klaren fußballerischen Plan verordnet. Es ist eine offensive und attraktive Spielweise und der FCS hat sich in der 3.Liga teilweise in einen richtigen Rausch gespielt. Zum Jahresende hin wurden defensive Schwächen immer offenkundiger, an diesem Aspekt gilt es in 2021 wieder zu feilen. Dazu bleibt Kwasniok ein Trainer für Überraschungen. Er ändert gerne seine Mannschaft, nimmt immer wieder Rücksicht auf Stärken & Schwächen beim Gegner und kommt gerne auch mal mit Breitenbach auf Linksaußen oder Mario Müller auf der Acht an. Nicht immer gehen taktische Varianten auf.


Kwasniok eckt mit seiner Art gerne mal an und spricht auch unbequeme Dinge oder Sichtweisen aus. Er hat durch seine Kontakte die starken Transfers von Marin Sverko und Nicklas Shipnoski erleichtert und konnte Spieler wieder in die richtige Bahn bringen. In erster Linie ist hier Timm Golley zu nennen. Der Mittelfeldspieler nimmt eine gänzlich andere Rolle ein als noch in der Regionalliga. Naturgemäß tun sich andere Spieler unter dem neuen Trainer schwerer. Exemplarisch steht hier Christopher Schorch. Im ersten Halbjahr unter Kwasniok noch bei den Pokalspielen gesetzt spielt er in der 3.Liga keine Rolle mehr und stand seit Mitte Oktober nur ein einziges Mal im Aufgebot.


Die Bilanz aus dem ersten Jahr als Trainer: Es gab 24 Pflichtspiele. Sie teilen sich in zwölf Siege, fünf Unentschieden und sieben Niederlagen. 50 Tore wurden erzielt, 40 Treffer kassiert. Unter dem Strich: Die Entwicklung der Mannschaft unter seiner Führung ist beachtlich. Man hat sich in vielen Bereichen im Vergleich zur Vorsaison verbessern können und konnte überraschend viele starke Leistungen zeigen. Der Tabellenplatz zur Winterpause spricht Bände. Seine nächste Aufgabe: Die erste negative Phase der Saison mit sechs Spielen ohne Sieg mit den richtigen Ansätzen überwinden und wieder mehr Punkte für den Aufwand zu generieren. In diesem Fall kann den Klassenerhalt als Saisonziel absolut erreicht werden und der FCS kann auch eine starke zweite Halbserie spielen. Am Saisonende läuft der Vertrag des Trainers aus. Sollten das zweite Halbjahr ähnlich erfolgreich verlaufen wie die letzten Monate wird eine Vertragsverlängerung automatisch in den Blickpunkt rücken.

Kommentare 4

  • Wär jetzt aber nit die Zeit zum verlängern? Aus Sicht des Vereins?

  • Ich finde, der Trainer liefert bisher - und zwar richtig.


    - Die Mannschaft hat nach der letzten Winterpause die Tabellenführung verteidigt und ist aufgestiegen (Rahmenbedingungen mal außen vor). Ich erinnere mich an Rückrundenstarts in den letzten Jahren, in denen wir eine gute Ausgangsposition schnell vergeigt hatten.


    - 2 Runden DFB-Pokal mit ihm überstanden und ins Halbfinale eingezogen


    - Souveräne Drittliga-Saison bis hierher mit lediglich 4 Niederlagen (keine Mannschaft hat weniger, auch Dresden nicht)



    Über seine kommunikative Art kann man streiten. Mich holt er mit seinen Interviews und Aussagen gut ab, auch wenn er sich manchmal ein wenig vergaloppiert. Ich finde auch seine aktive Rolle am Spielfeldrand gut. Er geht mit, brennt, pusht.


    Von mir aus, können genereller Spielstil und Ergebnisse so weiter gehen, habe da überhaupt nichts auszusetzen :D

  • Wobei die ersten 45 Minuten von unserem Defensiv Verhalten in der Regionalliga hatten was dort aber nicht so ausgenutzt wurde. Aber an sich stimme ich zu in der Mehrzahl der Spiele hat die Mannschaft einen ordentlichen Schritt oder Schritte nach vorne gemacht. Man kann sich keinen Trainer backen, den einen ist Kwasniok zu forsch, den anderen Lottner zu brav. Wenn wir am Ende der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben, schließe ich mich @Quandoz an und nehme das so.

  • Ich mag seine Art.


    Bin auch mit dem vergangenen Halbjahr sehr zufrieden, denn das erste Halbjahr zahle ich nicht. War ja eher fussball auf Abruf.


    Was in jena war interessiert mich nicht. Sondern nur das was er hier abliefert


    Und mal ernsthaft. Sollten die Ergebnisse nur noch halb so gut sein, sollten wir rein gar nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Nehm ich. Unterschrieb ich.


    Wir haben glücklicherweise kaum bzw keine finanzielle Probleme und können die Mannschaft beständig ausbauen.


    Anders ausgedrückt: So darf es gerne weiter gehen.