Die Lage des FCS vor Lübeck

Vor eineinhalb Wochen konnte der FCS in Magdeburg seine Serie ohne Sieg beenden und holte wichtige Punkte und wichtiges Selbstvertrauen. Die Ereignisse in den folgenden Tagen sind bekannt: Statt direkt im Spiel gegen Zwickau nachlegen zu können, musste man eine Spielabsage hinnehmen und wird wohl im Februar eine zusätzliche englische Woche auf dem Plan haben. Zudem konnte man die positive Energie aus Magdeburg nicht direkt in das nächste Spiel transportieren.


Die Mannschaft von Lukas Kwasniok konnte sich durch die frühzeitige Absage immerhin im Trainingsbetrieb auf das spielfreie Wochenende ausrichten und hat den Trainingsplan entsprechend angepasst. Die Trainingsbedingungen waren indes schwierig. Die Plätze lagen voller Schnee und wurden nur teilweise geräumt. Die ersten Einheiten der Woche konnte lediglich auf einer Spielfeldhälfte auf dem Kunstrasenplatz umgesetzt werden. Optimal ist anders, trotzdem muss man im Januar mit solchen Einschnitten leben. Leben muss man auch mit der Tatsache nicht im Ludwigspark spielen zu können. Man büßt den Heimvorteil ein. Diese Themen nerven, dürfen aber für die Mannschaft und das Spiel am Ende keine Rolle spielen.


Es ist ähnlich wie das Spiel in Magdeburg eine richtungsweisende Begegnung. Der Sieg in Magdeburg war nicht schön, aber den Schwung aus dem Spiel muss man mitnehmen um auch wieder besser Fußball zu spielen. Mit einem Heimsieg kann man die Lübecker zudem auf 16 Punkte distanzieren. Zudem würde man die eigene "Hinrunde" mit starken 32 Punkten beenden und sich definitiv den Abstand nach unten bewahren. Man hat mit seinen 29 Punkten eine sehr gute Ausgangslage und sollte diese Ausgangslage auch nutzen um eine sorgenfreie Saison in Sachen Abstiegskampf zu spielen.


Auch für Lübeck geht es um viel. Sie haben ein Nachholspiel, aber auch fünf Punkte Rückstand auf das rettende Ufer und müssen dringend punkten. In der englischen Woche haben sie Gegner wo sie punkten müssen, wo sie auch noch mal gewinnen müssen. Ansonsten droht sich eine tatsächliche Lücke zu den Nichtabstiegsplätzen zu öffnen. Was kann man nun von Lübeck erwarten? Sie haben immer aktive Phasen in ihrem Spiel, ziehen sich aber auch gerne mal tief zurück. Dazu kommt eine geschlossene Mannschaft mit eigentlich festen Abläufen, mit viel Kampf und Einsatz. Der Verbund steht an oberster Stelle und dazu kommt Geschwindigkeit. Sowohl Steinwender als auch Deichmann sind schnelle Spieler, sind technisch stark und haben einen Zug zum Tor. Nach Ballgewinnen können sie gefährlich werden, auch weil ein Spieler wie Boland den entscheidenden Ball durch eine Kette spielt. Dafür tun sie sich deutlich schwerer mit den nominellen Angreifern und meist müssen sie sehr viel investieren. Ihr System fordert viel Laufarbeit, auch teilweise fehlende Qualität muss über den Einsatz ausgeglichen werden und mit fortlaufender Spieldauer fehlen auch mal die Körner. Ein anderes System mit einer Viererkette könnte die Balance in ihrem Spiel verändern.



Personelle Situation

Die personelle Situation beim FCS hat sich vor dem Spiel maximal leicht verbessert. Torhüter Ramon Castellucci steht mit seinem Wadenbeinbruch weiterhin nicht zur Verfügung. Unterdessen bleiben die Wadenprobleme bei Fanol Perdedaj akut. Der Mittelfeldspieler plagt sich über die ganze Saison mit den gleichen Problemen und kann momentan nicht trainieren. Auch auf Sebastian Bösel mit seinem Faserriss und auf Marin Sverko (Zerrung) wird der Trainer weiterhin verzichten müssen. Drei potenzielle Stammspieler als sichere Ausfälle sind ein herber Verlust.


Maurice Deville ist indes wieder eine Alternative. Er hat seinen Muskelfaserriss aus dem Spiel gegen Mannheim überwunden und ist wieder voll im Training dabei. Zumindest für den Kader sollte er so eine Überlegung wert sein. Unter Vorbehalt steht die Verfügbarkeit von Angreifer Sebastian Jacob und Neuzugang Bjarne Thoelke. Thoelke verpasste durch muskuläre Probleme die bisherigen Einheiten in dieser Woche. Ob er rechtzeitig zum Spiel fit wird ist noch offen. Dazu kommt sein Trainingsrückstand nach einigen Monaten ohne einen Verein. Jacob hat durch Knieprobleme in dieser Woche teilweise nur Lauftraining betrieben. Sein Ausfall wäre ein schwerer Schlag, andererseits bringt zu viel Risiko angesichts der englischen Woche auch wenig. Gesperrt ist beim FCS kein Spieler. Timm Golley, Boné Uaferro und der fehlende Sebastian Bösel stehen jedoch bei vier gelben Karten und würden mit der nächsten Verwarnung die erste Gelbsperre für den FCS in dieser Saison bedeuten. Ohne Thoelke und Jacob ist der FCS wieder bei 19 verfügbaren Spielern für den Kader. Ein Spieler würde den Sprung in den Kader verpassen, möglicherweise ist Lukas Schleimer wieder der erste Streichkandidat. Mit Jacob müsste noch ein zweiter Spieler auf die Tribüne. Ein personelles Update ist auf der heutigen Pressekonferenz (12:45 Uhr, Live-Stream über diese Seite) zu erwarten.



Wie könnte der FCS beginnen?

Eine englische Woche steht an und die Zeit zwischen Sonntag und Mittwoch ist knapp. Man hatte nun aber ausreichend Tage zur Erholung und im ersten Spiel darf die englische Woche keine große Rolle spielen. Dies betrifft insbesondere die personelle Ausrichtung. Spieler schonen braucht man nicht, es sei denn Spieler sind angeschlagen. Durch die fünf Wechsel kann man im Spielverlauf ausreichend reagieren. Aus taktischer Sicht sollte der FCS erneut in seinem 4-1-4-1-System bleiben. Spielt Lübeck ihre gewohnte Dreierkette muss man im Spiel gewisse Abläufe anpassen und ein Achter wird höher stehen müssen. Im Hinspiel war das ein klares Problem. Anpassen muss man auch die Spielweise. In Magdeburg hat der FCS einen sehr defensiven Ansatz gewählt und konnte ein erfolgreiches Ergebnis holen. Für weitere Erfolgserlebnisse muss aber auch wieder besser Fußball gespielt werden und ein Beginn am Sonntag ist nötig. Womöglich wird man daher auch vor dem gesetzten Daniel Batz (Jannik Theißen bleibt der zweite Mann) im Tor auch personelle Veränderungen vornehmen wollen.


In der Abwehrkette stand man in den ersten beiden Spielen des Jahres weitgehend gut und deutlich besser als noch in den letzten Spielen des Jahres 2020. Auch gegen Magdeburg hat man aber noch Luft nach oben gezeigt. Aus personeller Sicht bleiben nicht so viele Optionen. Fehlt Bjarne Thoelke stehen wieder lediglich fünf gelernte Abwehrspieler zur Verfügung. Der gesetzte Mann bleibt Steven Zellner. Zellner nimmt eine entscheidende Rolle in der FCS-Defensive ein und spielt nach Möglichkeit immer über 90 Minuten. Sein Partner könnte entweder Anthony Barylla oder Boné Uaferro sein. Barylla hat gegen Magdeburg die Position gespielt, Uaferro wurde zuvor gegen Meppen eingesetzt. Die Entscheidung nimmt auch Einfluss auf die beiden Außenverteidigerpositionen. Mit Barylla gibt es keine gelernten Alternativen zu Jayson Breitenbach und Mario Müller. Breitenbach hat beide Spiele in diesem Jahr über 90 Minuten als Rechtsverteidiger bestritten und gegen Magdeburg auch eine ordentliche Leistung gezeigt. Damit könnte er sich das Vertrauen in einen weiteren Einsatz verdient haben. Drei Startelfeinsätze in Folge hatte er beim FCS noch nie. Neben Barylla könnte auch Tobias Jänicke eine Option für die Seite sein. Dann öffnet man jedoch im Mittelfeld eine Baustelle. Müller kehrte gegen Magdeburg in die Mannschaft zurück und sollte normal wieder den linken Part spielen. Auch hier stellt Barylla die Alternative dar.


Kapitän Zeitz bleibt der Mann für das defensive Mittelfeld. Es ist und bleibt als Abräumer vor der Abwehr wichtig und ähnlich wie Zellner in der Innenverteidigung gehört er zur Achse. Die Ausfälle von Bösel und Perdedaj lassen kaum eine Möglichkeit zu ihm einen Partner an die Seite zu stellen. Ein Innenverteidiger (Uaferro oder Zellner) könnten den Part spielen, auch Luca Kerber ist eine Option für die Rolle. Er ist jedoch eher ein offensiverer Spielertyp. Dies gilt auch für Kianz Froese. Vor dem Kapitän sucht der FCS seine beiden Achter. Wie gewohnt wird eine Position an Tobias Jänicke gehen. Er kann Zeitz die nötige Hilfestellung geben, kann sich auch mal fallen lassen und ist mit seiner Spielintelligenz ein wichtiger Spieler. Gegen Meppen hatte er kein gutes Spiel und wurde schon zur Pause ausgewechselt. An sich ist er jedoch gesetzt. Die Nominierung von Kerber gegen Meppen überraschte. Der U19-Kapitän hatte einen soliden Auftritt und konnte damit seine Aufstellung rechtfertigen. Zugleich war es aber auch ein klarer Fingerzeig an etablierte Spieler. Wenn Golley, Froese und Mendler gleichzeitig auf der Bank sitzen sagt es viel aus. Bekommt Kerber nun erneut seine Chance? Und wie will man die Positionen sonst besetzen? Golley enttäuschte nach seiner Einwechslung auf ganzer Linie, Froese kam nicht zum Einsatz und Mendler sorgte zumindest für Belebung, spielte jedoch Außen. Mit Gouras, Mendler und Shipnoski bekommt man aber keine Kampfstärke ins Mittelfeld. Um die zweite Position kämpfen Timm Golley, Markus Mendler, Kianz Froese, Lukas Schleimer, Luca Kerber und vielleicht auch Maurice Deville. Viele Optionen, doch einen Favoriten sucht man vergeblich. Zuletzt hatte Golley die Chance von Beginn an bekommen. Überzeugend konnte er jedoch nicht spielen. Lukas Schleimer spielt kaum eine Rolle, Markus Mendler wird eher auf der Außenbahn gesehen. Ihm fehlt als Achter die nötige Zweikampfstärke. Deville hat Trainingsrückstand und sollte kaum direkt von Beginn an spielen. Zudem ist auch er nicht der perfekte Spielertyp für diese Position. Kianz Froese ist in der Saison meist ein Einwechselspieler und kann dann neue Impulse geben. In der Startelf konnte er nur selten überzeugen. Wirklich aufdrängen tut sich kein Spieler. U19-Spieler Kerber könnte davon profitieren. Er hatte einen guten Auftritt gegen Meppen und kriegt möglicherweise erneut seine Chance.


Auf den beiden Außenbahn darf erneut das Duo von Nicklas Shipnoski und Minos Gouras erwartet. Shipnoski war in beiden Spielen in diesem Jahr weitgehend abgemeldet. Er kam nicht in sein Tempospiel, er kam nicht Richtung Grundlinie und auch nicht in den Strafraum. Das Spiel gegen Magdeburg hätte ihm eigentlich entgegen kommen müssen, die richtigen Bälle wurden beim FCS jedoch nicht gespielt. Seine Qualität ist aber klar und entsprechend ist er gesetzt. Er kann 1vs1, er hat Geschwindigkeit und er bindet immer Gegner und steht im Fokus der gegnerischen Defensive. Gouras hat die Einseitigkeit im Spiel des FCS behoben und bringt über die linke Seite Impulse. Er kann entscheidende & überraschende Elemente in ein Spiel bringen. Mit Maurice Deville hat man eine weitere Option für die Außenbahn und einen komplett anderen Spielertyp als Gouras oder Shipnoski. Eine weitere Alternative Markus Mendler. Meist ist er Joker in der Saison und er kann ein Spiel beleben. Im Sturmzentrum ist an sich Sebastian Jacob gesetzt. Fehlt der Angreifer tatsächlich, so braucht man einen Plan B. Mutmaßlich dürfte Neuzugang Günther-Schmidt zu seinem ersten Startelfeinsatz kommen. Er wurde unter anderem für solche Situation unter Vertrag genommen, ist mittlerweile auch etwas länger bei der Mannschaft und bekäme dann seine Chance. Die weiteren Optionen hießen José Vunguidica und Maurice Deville.




Mögliche Aufstellung

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Ersatzbank

Jannik Theißen (ETW)
Boné Uaferro
Luca KerberMaurice Deville
Markus MendlerTimm Golley
Julian Günther-Schmidt



Die U23-Regel ist mit Theißen, Breitenbach, Shipnoski und Gouras kein Thema. Dazu hat man auch noch Kerber oder Schleimer in der Hinterhand. Mit der Möglichkeit von fünf Wechseln wird nur ein Feldspieler nicht zum Einsatz kommen. Jungen Spielern wie Luca Kerber oder Spielern mit Nachholbedarf wie Bjarne Thoelke kann so leichter Einsatzzeit gegeben werden, selbst wenn es mal nicht für die Startelf reichen sollte. Momentan ist die Ersatzbank jedoch aufgrund der Ausfälle in der Defensive mit sehr vielen Mittelfeldspielern gespickt.


Nicht im Kader

Sebastian BöselFaserriss
Ramon CastellucciWadenbeinbruch
Fanol PerdedajWadenprobleme
Marin SverkoZerrung
Bjarne Thoelkemuskuläre Probleme
Lukas Schleimernicht berücksichtigt
José Vunguidicanicht berücksichtigt

Kommentare 8

  • Bleibt Kerber bei den Profis auch wenn die verletzten zurück sind. Vertrag hat der doch keinen oder?

    • Genau, Kerber hat noch keinen Profivertrag unterschrieben. Er kann einen Fördervertrag im Nachwuchsleistungszentrum unterschrieben haben, dies ist jedoch nicht bekannt. Er soll aber weiter ein festes Mitglied des Kaders bleiben, unabhängig von der personellen Situation.

    • Ich meine gehört zu haben das er den Fördervertrag "noch nicht?" unterschrieben hat. Hat sich gut gemacht in Meppen, mal sehen wie seine Chancen zukünftig aussehen.

    • Der Junge hat in einem Spiel mehr Anlagen gezeigt wie Herr über die ganze Zeit. Würde es begrüßen wenn der Bub einen Vertrag kriegt.

  • Personelles Update in der Pressekonferenz:

    Sverko, Bösel, Perdedaj, Thoelke und Castellucci fehlen. Bei Sverko, Perdedaj und Thoelke hofft man auf eine Verfügbarkeit im Laufe der englischen Woche. Alle drei warten heute auch schon individuell unterwegs. Siehe auch das Update durch unseren Bayernsepp. Jacob ist dabei.

    • Danke für die Informationen. Dann sieht das nicht so Düster aus. Denke die fehlen uns schon gehörig.

  • Es besteht die Möglichkeit zwischen sich und einen Konkurrenten einen ordentlichen Abstand aufzubauen, wir sollte diese Gelgenheit nutzen. Schade das Bösel und Sverko immer noch nicht an Board sind, sagte man am Beginn deren Verltzungen nicht das dies nicht so lange dauern würde?

  • Egal wie, wann und wo, gegen die Lübecker müssen 3 Punkte her. Es ist wurst ob wir hoch oder knapp gewinnen, spielerisch glänzen oder uns zum Sieg rumpeln.