Historiemaker: Drama Pur gegen Fortuna Düsseldorf

Während der FCS heute Abend sein Nachholspiel in der 3.Liga gegen den MSV Duisburg bestreitet, steht Regionalligist Rot-Weiss Essen vor einer großen Möglichkeit. Der Traditionsverein steht im Viertelfinale des DFB-Pokals und kann sich - als zweiter Viertligist überhaupt - mit einem Sieg gegen Holstein Kiel ins Halbfinale bringen. Diese historische Leistung gelang dem 1.FCS auf den Tag genau vor einem Jahr. Weitere Parallelen? Auch das Spiel von RWE findet um 18:30 Uhr statt und wird als einzige Begegnung der vier Viertelfinalspiele nicht im Free-TV übertragen. Die Pokalreise des FCS beinhaltete Siege über den SSV Jahn Regensburg (3:2), den 1.FC Köln (3:2) und einem Elfmeterkrimi gegen den Karlsruher SC (5:3 nach Elfmeterschießen). Im Viertelfinale waren die Malstätter - neben sieben Bundesligisten - der große Außenseiter im Wettbewerb und zum ersten Mal seit 1985 vertreten. Das Los bescherte Fortuna Düsseldorf.


Das Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen war natürlich wieder ausverkauft und 6.800 Zuschauer füllten die Ränge des halben Rundes. Die Malstätter hätten viel mehr Karten verkaufen können. Lukas Kwasniok verzichtete in diesem Spiel auf große Umstellungen. Vor Daniel Batz im Tor verteidigten Anthony Barylla, Christopher Schorch, Boné Uaferro und Mario Müller. Es war die gleiche Viererkette wie in der Runde zuvor gegen Karlsruhe. Auch das Mittelfeld blieb in der Besetzung (Tobias Jänicke, Manuel Zeitz, Fanol Perdedaj und Markus Mendler) gleich. Steven Zellner spielte wieder die hängende Spitze im FCS-System, ganz vorne drin begann Gillian Jurcher. Im Vergleich zum Spiel gegen Karlsruhe ersetzte er Fabian Eisele. Nach Knie-Operation kehrte Sebastian Jacob in den Kader zurück.


Die erste Halbzeit begann erwartungsgemäß. Der Bundesligist hatte viel Ballbesitz und traf auf eine gut sortierte FCS-Defensive. Chancen ließen sich in der Anfangsphase jedoch nicht komplett vermeiden. Nach zehn Minuten beruhigte sich das Spiel und Düsseldorf wurde weiter vom eigenen Tor entfernt gehalten. Schon kurz später musste Uaferro verletzungsbedingt vom Feld, für ihn kam Froese (und Zellner ging wieder in die Innenverteidigung). Nach einer halben Stunde eroberte der FCS im Mittelfeld den Ball, spielte schnell über wenige Stationen und Froese bediente Jänicke - die Führung für den Außenseiter und großer Jubel in Völklingen. Bis zur Pause passierte nicht mehr viel. Auch nach der Pause gab es zunächst nur wenige Höhepunkte, der FCS neutralisierte den Bundesligisten gut. Mit fortlaufender Spieldauer wurde das Übergewicht der Gäste größer, bei den Malstättern machten sich schwindende Kräfte bemerkbar. Jacob und Golley kamen für Mendler und Jurcher. Trotzdem ging man mit der Führung in die letzten zehn Minuten. Zeitz foult Karaman, Elfmeter. Henning läuft an, schießt unten links und Batz lenkt das Leder an den Pfosten. Das Glück scheint beim FCS zu liegen, nun glaubt das ganze Stadion an die erneute Sensation. Die Minuten verstreichen, der FCS köpft Flanken raus, wirft sich in jeden Ball und ist kurz vor dem Halbfinale. Nachspielzeit, Ecke Düsseldorf. Der aufgerückte Keeper verlängert, Jörgensen köpft am zweiten Pfosten ein. Aus der Traum? In der Verlängerungen rieben sich die Zuschauer in Völklingen dann die Augen. Die Kwasniok-Elf war nun oben auf, bestimmte das Spiel und ging auf den Führung. Jacob hatte die große Kopfballchance zum 2:1, Golley traf den Pfosten. Doch auch nach 120 Minuten gab es keinen Sieger.


Elfmeterschießen, wie schon in der vorherigen Runde gegen Karlsruhe. Da zeigte sich der FCS extrem nervenstark. Dieses Mal trieb man das Drama auf die Spitze. Zellner scheitert zum Auftakt an Kastenmeier. Jacob trifft wie die beiden ersten Düsseldorfer. Zeitz trifft, Batz fischt das Ding gegen Karaman. Die große Freude hält nur wenige Sekunden, denn Kastenmeier holt Golleys Elfmeter aus dem Winkel. Skrzybski bringt Düsseldorf wieder in Front. Schorch muss treffen, Schorch trifft. Stöger kommt als fünfter Fortune, er darf nicht treffen. Der Ball geht von Batz aus nach links unten, der Keeper ahnt die Ecke und berührt den Ball. Pfosten, nach vorne, gehalten! Das Stadion tobt. Es geht ins Knock-Out-Schießen. Andrist schießt die Kugel in die Hermann-Neuberger-Halle, das war es wohl gewesen. Doch Batz erahnt Zimmermann, ist im richtigen Eck und hält erneut. Längst kann niemand mehr die Geschehnisse wirklich verarbeiten. Die Spannung ist nahezu greifbar. Froese, Barylla, Jänicke treffen. Auch die drei nächsten Fortunen verwandeln. Als zehnter Feldspieler schießt Müller und trifft zentral. Für Düsseldorf kommt nun Ausgleichstorschütze Jörgensen. Es wird ein magischer Moment. Bisher war es im Elfmeterschießen wahnsinnig ruhig gewesen, 6.800 Zuschauer hielten gefühlt für zehn Minuten den Atem an. Es knisterte, alle waren am Ende ihrer Nerven. Auf dem Weg des Düsseldorfers zu seinem Elfmeter brach ein lautstarkes "Saarbrücken FCS" auf. Anlauf, der Ball geht vom Schützen aus in die rechte Ecke. Batz hat es geahnt, Batz ist da, Batz bringt die Hand dran und fischt seinen vierten Elfmeter im Elfmeterschießen. Er macht sich selbst zur Legende. Der FCS steht im Halbfinale, es ist der größte Einzelerfolg für den Verein seit so vielen Jahren und es brechen sämtliche Dämme in Völklingen.

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