Zu Fahrlässig: FCS verliert Heimspiel gegen Zwickau

Erfolgreicher dritter Versuch. Nach zwei Spielabsagen im Januar und Februar konnte am Mittwoch endlich das Heimspiel gegen den FSV Zwickau ausgetragen werden. Im vierten Spiel innerhalb von zwölf Tagen empfing die Kwasniok-Elf die Sachsen und beendeten damit nachträglich auch die Hinrunde. Dadurch waren in dieser Begegnung auch nur drei (statt fünf) Wechsel erlaubt. Die Gäste vom FSV Zwickau konnten am vergangenen Freitag ihr Heimspiel gegen den SC Verl deutlich mit 3:0 gewinnen und konnten mit einer breiten Brust in den Ludwigspark kommen. Man spielt ein gutes Jahr 2021 und konnte sich von einem Abstiegsplatz auf den zwölften Platz vorarbeiten. Acht Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz stellten zudem einen ordentlichen Puffer dar. Mit einem Sieg beim FCS konnten sie auf 36 Punkte kommen und sich damit endgültig ins Mittelfeld der Tabelle (Platz 9) schieben. Im Vergleich zum Heimsieg gegen den SC Verl nahm Trainer Joe Enochs keine Veränderungen vor uns schickte die gleiche Startformation wie am Freitag auf das Feld.


Beim FCS gab es zuletzt das 2:2-Unentschieden gegen den KFC Uerdingen. Es war ein leistungsgerechtes Remis und brachte den FC auf 44 Punkte und den vierten Tabellenplatz. Es war der nächste kleine Schritt auf dem Weg zu 46 Punkten und der Erfüllung des ersten Saisonzieles. Ein Heimsieg gegen Zwickau sollte dies nun nachholen. Die Außenseiterchancen um ein gewichtiges Wort im Aufstiegskampf zu spielen konnte man - bedingt durch andere Ergebnisse - mit dem Unentschieden gegen Uerdingen aber nicht verbessern. Ingolstadt gewann am Montag, Rostock am Dienstag. Dadurch ging man mit sechs Punkten auf Ingolstadt (Relegationsplatz, gleiche Spielanzahl) und sieben Punkte auf Rostock (ein Spiel mehr) in die Begegnung gegen Zwickau und konnte nur mit einem Sieg eine Lücke nach oben verhindern. In der zweiten englischen Woche in Serie hatten sich auch die Ausfälle gehäuft. Neben Thoelke und Bösel fehlte weiterhin auch Top-Scorer Nicklas Shipnoski (Oberschenkelzerrung). Neu auf der Verletztenliste: Timm Golley (Patellasehnenreizung) und José Pierre Vunguidica (Adduktorenzerrung). Sebastian Jacob rückte dafür nach seiner Adduktorenzerrung wieder in den Kader. Ein Startelfeinsatz kam für den Angreifer jedoch noch zu früh. Im Vergleich zum Spiel gegen Uerdingen nahm Kwasniok auch drei Veränderungen an seiner Startformation vor. Breitenbach, Froese und Perdedaj rückten auf die Bank. Dort saß auch Ersatztorhüter Theißen sowie die Feldspieler Mendler, Jacob und Schleimer.


Die Kwasniok-Elf erwischte einen guten Start in die Begegnung und konnte das Geschehen in der Anfangsphase klar bestimmen. Müller hatte schnell die erste vielversprechende Aktion, seine Flanke von links kam jedoch zu weit. Der folgende Eckball erbrachte dann die erste Torchance des Spiels. Der Eckball wurde flach an den Strafraum gebracht und Barylla schloss ab. Sein Schuss war jedoch zu zentral. Auch danach blieb der FCS am Drücker, Stanic klärte in letzter Sekunde vor Gouras zur Ecke. Man suchte die Lücken in der Zwickauer Defensive und fand immer wieder Ansätze. Nach zehn Minuten musste so Nkansah an der Mittellinie gegen Gouras zum taktischen Foul greifen, ansonsten hätte er viel Raum bekommen. Gelb war die Folge. Die Gäste zeigten sich nach einer Viertelstunde zum ersten Mal in der Offensive. Der Abschluss von Schikora landete am Außennetz. Drei Minuten später hatten sie nach einem Ballgewinn mehr Raum, am Ende hatte Schröter eine gute Abschlussmöglichkeit. Im Gegenzug bekam Gouras die größte Chance des Spiels. Der FCS kam in eine Umschaltsituation, Günther-Schmidt legte auf Gouras ab und aus spitzen Winkel brachte er den Ball auf die lange Ecke. Der Gästetorhüter wehrte den Ball stark zur Ecke ab. Danach verlor der FCS dann mehr und mehr den Faden im Spiel. Die Gäste hatten sich auf die Spielweise eingestellt, agierten taktisch nun besser und setzten die FCS-Defensive beim Aufbauspiel höher unter Druck. Mit Erfolg. Der FCS fand nun viel weniger Mittel und Ansätze im eigenen Spiel und konnte sich trotz viel Ballbesitz keine wirklichen Chancen und auch keine großen Ansätze mehr. Gouras und Jänicke gaben noch zwei Fernschüsse ab. Ansonsten war es ein Spiel im Mittelfeld und die letzte nennenswerte Aktion in der ersten Hälfte hatte Zwickau. Einen Freistoß aus zentraler Position brachte Starke jedoch nicht an der Mauer vorbei. Ohne Tore ging es in die Kabine.


Zur Pause wechselte Zwickau einmal, Jensen kam für Könnecke. Ansonsten produzierten die ersten fünf Minuten in der zweiten Hälfte nichts. Der FCS hatte den Ballbesitz, ansonsten spielte sich das Spiel jedoch komplett im Mittelfeld ab. Eine spielentscheidende Situation nach 51 Minuten. Zwickau setzt den FCS früh unter Druck und am Ende vertändelt Zellner im Strafraum den Ball und setzt anschließend den Körper ein. Der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß. Es ist definitiv bei einer minimalen Berührung kein klarer Elfmeter, sondern König lässt sich mehr oder minder fallen. Es ist aber auch keine klare Fehlentscheidung und am Ende wird man für die eigene Nachlässigkeit bestraft. Kombinationsspiel auch aus der Defensive heraus ist gefordert und macht eine Stärke beim FCS aus. In dieser Situation gab es aber keinen Ansatz zur Kombination mehr und dann muss der Befreiungsschlag kommen. So schenkt am Ende einen Elfmeter und Schröter verwandelte auch gegen Batz. Aus dem Nichts und total unnötig geht man in Rückstand. Der Treffer zeigte seine Wirkung. Einmal konnten die Gäste nun mehr auf ihre Defensive setzen und die Kompaktheit weiter erhöhen. Aber vor allem der FCS wurde durch den Gegentreffer aus der Bahn geworfen und tat sich in der Folge extrem schwer. Ein möglicher Erklärungsansatz: Ohne Shipnoski und Jacob geht in der Offensive des FCS viel Flexibilität verloren und auf den funktionierenden Ansatz der letzten Spiele hatten sich die Gäste sehr gut eingestellt. Tatsächlich waren die Gäste in dieser Phase sogar die etwas aktivere Mannschaft und der FCS wirkte zuweilen arg passiv und ohne rechte Überzeugung in den eigenen Aktionen. Nach 63 Minuten verlor der FCS einen Ball, Batz parierte den Abschluss von Schröter zur Ecke. Nach dieser Aktion reagierte man. Breitenbach kam für den schwachen Müller, Jacob ersetzte Geburtstagskind Luca Kerber. Die großen Impulse brachte der Doppelwechsel nicht, auch wenn man sich mal wieder am gegnerischen Strafraum zeigte und einen Eckball bekam. Die Ecke fand den Kopf von Zeitz, der Kapitän köpfte knapp vorbei.


Sonst fand man weiterhin wenig Zugriff auf die gegnerische Defensive und die Minuten gingen dahin. 15 Minuten vor Schluss ersetzte Froese noch Günther-Schmidt. Der zuletzt starke Angreifer blieb heute zum größten Teil blass. Eine Minute später spielte Uaferro den Ball, der Schiedsrichter wollte trotzdem ein Foul gesehen haben und verwarnte den Innenverteidiger. Den Freistoß sah Batz spät und klärte zur Ecke. Doch in dieser Aktion befand sich der FCS völlig im Tiefschlag. Kurz ausgeführt, Schröter ging spielend an Froese vorbei und im Zentrum hat König keine Mühe für den zweiten Treffer. Wie beim ersten Gegentreffer schenkt man das Tor viel zu einfach her. Das Spiel schien entschieden, doch die Schlussphase hatte es noch in sich. Fünf Minuten vor Schluss kombinierte sich der FCS durch, Froese legte zurück und der mittlerweile als Stürmer agierende Uaferro schob den Ball in die lange Ecke. Der Anschlusstreffer brachte wieder Leben ins Spiel und der FCS drückte nun auf den Ausgleich. Eine Minute vor Schluss eine spielentscheiden Szene: Nach einer Ecke köpft Zellner in Richtung Tor, Starke nimmt den Ball mit der Hand mit und hält ihn noch mehrere Sekunden. Trotz völlig freier Sicht hatte der Linienrichter den Blick aber möglicherweise auf der neuen Anzeigetafel und das Gespann ließ weiterspielen. Wie so oft gilt für die Schiedsrichter: Weniger Selbstdarstellung und mehr Blick auf das Spiel würde gut tun. Danach warf der FCS alles nach vorne und nach einem langen Ball kam das Leder zu Gouras. Er schloss aus der Drehung ab, setzte den Ball jedoch Millimeter am langen Pfosten vorbei. Beim nächsten langen Ball rempelte Uaferro Nkansah um und sah die Ampelkarte. Auch in Unterzahl warf der FCS noch mal alles nach vorne, der Lucky Punch wollte jedoch nicht mehr gelingen.


So steht am Ende die dritte Heimniederlage in der Saison zu Buche. Es ist eine total unnötige Niederlage, aber man muss sich in erster Linie an die eigene Nase fassen. Man hat gut begonnen, hatte die Möglichkeit um in Führung zu gehen und nach 20 Minuten oder spätestens nach 25 Minuten hat man zu sehr den Faden im eigenen Spiel verloren. Bis zum Anschlusstreffer in der 85.Minute hatte man zu wenige Mittel gegen den Gegner und war in den meisten Aktionen zu fahrig. Dazu hat man den Gegner einfach eingeladen. Man weiß wie es ist gegen Zwickau zu spielen und sie zu schlagen und dann hat man sich in zu vielen Phasen auf ihr Spiel eingelassen. Man nimmt sich die eigenen Stärke um die Stärken des Gegners auf den Platz zu bringen. Dazu kommt die Art der Gegentore. Bis zu diesem unnötigen Elfmeter war überhaupt nichts passiert und dann läuft man aus dem völligen Nichts einen Rückstand hinterher. An sich war das ein typisches Spiel wo es sehr lange 0:0 steht. Zudem bekommt man viel zu viele Elfmeter gegen sich. Zweites Gegentor das gleiche Bild. Wieder ist man nicht auf der Höhe und lässt sich viel zu einfach ein Gegentreffer verpassen. In den engen Spielen in dieser Liga sind solche Fehler zu schwerwiegend, zumal wenn man Offensiv auf Leistungsträger verzichten muss und sich schwer tut zu Chancen zu kommen. Der Endspurt kam dann unter dem Strich zu spät. Natürlich hast du die große Chance zum Ausgleich und nach den 90 Minuten wäre ein Unentschieden auch nicht unverdient gewesen. Der verwehrte Elfmeter spielt da gewaltig mit rein. Wenn man so spät in einem Spiel einen klaren Strafstoß verweigert bekommt ist es ähnlich katastrophal wie die individuellen Fehler vor den Toren. Am Ende muss man im Sport aber mit Fehlentscheidungen des Schiedsrichters leben.


Für den FCS ist es die erste Niederlage nach sieben Spielen. Im Endeffekt hat man nun aber aus den drei Heimspielen in sieben Tagen nur vier Punkte geholt und muss über diese Ausbeute enttäuscht sein. Es wäre mehr möglich gewesen, man war aber auch zu schwankend in den Leistungen. Schon vor dem Spiel war klar: Kassiert der FCS gegen Zwickau keine Klatsche, so wird er als Tabellenvierter in den nächsten regulären Spieltag gehen. So bleibt es auch nach dem Spiel, allerdings steht man weiter bei 44 Punkten und Wiesbaden oder 1860 München können den FCS mit ihren Nachholspielen noch überholen. Das erste Saisonziel bleibt klar: Man will die magische Grenze von 46 Punkten erreichen und damit den direkten Wiederabstieg in die Regionalliga zu vermeiden. Diese Aufgabe ist und bleibt eine Formsache. Darüber hinaus muss man sich neue Ziele setzen. Der Traum vom Durchmarsch in die 2.Bundesliga hat mit der Niederlage einen großen Rückschlag erlebt. Man liegt nun sieben Punkte hinter dem FC Hansa Rostock (gleiche Spielanzahl) und sechs Punkte hinter dem FC Ingolstadt (sie haben noch ein Nachholspiel). Dieses Spiel bestreiten sie am nächsten Mittwoch beim SC Verl. Es ist eine Lücke aufgegangen und es bleibt eine Außenseiterchance. Man ist nicht so breit aufgestellt wie die oberen Teams und das ist ein ganz dickes Brett für die Kwasniok-Elf. Klar ist aber auch: Mit dieser Ausgangslage kann es nicht das Ziel sein, die Saison als Zwölfter zu beenden. Ein mögliches nächstes Ziel: 60 Punkte erreichen. Damit hätte der Verein dann seine bisherige Bestmarke in der 3.Liga (59 Punkte aus der Saison 2010/11) geknackt. Dieser Schritt ist noch 16 Punkte (bei elf Begegnungen) entfernt. Aber auch der vierte Tabellenplatz (und damit die Qualifikation für den DFB-Pokal) ist ein lohnendes Ziel.


Schon am Samstag ist der FCS wieder gefordert und hat dann einen großen Prüfstein vor der Brust. Es geht zum formstarken Spitzenreiter Dynamo Dresden. Anstoß im Rudolf-Harbig-Stadion ist um 14:00 Uhr. Das Spiel wird live vom MDR und dem SR gezeigt werden. Wie gewohnt werden wir auch dieses Spiel mit einer intensiven Vorberichterstattung begleiten.

Kommentare 11

  • Wir sollten die Zeit ohne reale Abstiegssorgen genießen. Wenn man den Gerüchten um Abgänge glauben schenkt könnte die Zeit bald vorbei sein.

  • Ich halte die Kritik an Zelle für berechtigt und normal nach den letzten Spielen. Dennoch sollte man nicht alles in Schutt und Asche legen. Er hat grundsätzlich eine riskante Art zu spielen und wir spielen insgesamt hinten risikoreich. Es war aber in vielen Spielen auch erfolgreich das sollte man nicht vergessen. Es wurde schon geschrieben für einen neuen Trainer, der dann alsbald feststehen sollte ist das doch wunderbares Anschauungsmaterial!

  • Würd schon reichen wenn man Spieler die für jeden zu sehen völlig von der Rolle sind auf der Bank lassen würd bis sie sich wieder gefangen haben. Was muss der Mendler für eine Scheiße spielen im Training das der den Status bekam während dessen Zellner einen Elfer nach dem anderen verursachte, Bälle vertändelt oder irgendwo hin bollert? Nix gegen Zellner mag ihn, er ist aber im Moment nicht gut drauf! Barylla pokert? Der könnte langsam auch wieder Leistung auf dem Platz bringen! Ich bin dennoch mit der Gesamtsituation zufrieden und möchte niemanden runter machen, es geht rein um die sportlichen Leistungen.

    • Den Abwehrchef nach 2-3 schlechten Leistungen auf die Bank setzen? Ich weiß nicht! Der muss sich da durch Kämpfen nicht ewig aber 3-4 Spiele sollte er doch haben um sich aus dem Tief zu spielen?

    • Die Liste seiner Verfehlungen ist inzwischen lang. Ich Zweifel fast daran das er vollständig fit ist, weil die Liste selbst für ihn doch zu lang ist.

  • Ich fände grundsätzlich besser mehr auf die eigene Stärken zu schauen als die Stärken des Gegners zu unterbinden. Wenn du in der Regel 2 Tore zum Sieg brauchst was nützt dann eine defensivere Ausrichtung? die ändert dieses Problem nicht, bei uns nicht.

  • Sehe zwar auch die Fehler des Schiris finde es aber auch arg einfach die Niederlage auf den Typen abzuwälzen. Wenn man sich die letzen Partien anschaut, dann gab es oft lange Phasen für den Gegner und das hat viele Gründe, eines dürfte unser System sein ob das das allerbeste für unsere Mannschaft ist kann man diskutieren und zu einem unterschiedlichen Ergebnis kommen, aber um die Klasse zu halten hat es allemol gereicht;)

    • Sehe ich ähnlich trotz immer wieder guten Spielen und Ergebnissen. Mir gehen die Reporter auf die Nerven gegen MSV;KFC und Zwickau. Die reden davon das unsere Abwehrspieler unter Druck gesetzt wird, wir bringen uns meisten ohne Not selbst in die brenzlige Situtation, kann man nicht mal merken das es nix bringt im eigenen 16er noch hin und her spielen zu wollen?

  • Man sollte sich nicht lange beim Schiri aufhalten auch wenn der keine Sternstunde hatte. Unser Gekurke kam dem von der ersten Hälfte gegen den MSV und über lange Zeit gegen Uerdingen gleich. Dazu unzählige individuelle Fehler, dass sollten die Dinge sein auf die man schaut, die kann man ändern.

    Eijo 2
  • Solch ein verpfiffenes Spiel habe ich schon lange nicht mehr gesehen.



    Dieser Stegemann darf nie wieder ein FCS-Spiel bzw. ein Profispiel leiten.

    • Darf dann auch Zelle nie wieder ein FC Trikot überstreifen :) Nicht ernst gemeint, aber ich würde seine Leistungen in den letzten Spielen mit der von Stegmann gleichsetzen...