Teuer verkauft: FCS holt Punkt in Dresden

Am Samstag ging für den FCS die zweite englische Woche in Serie zu Ende und man stand vor der schwerstmöglichen Aufgabe in dieser 3.Liga. Es geht zu Dynamo Dresden und damit zum mit Abstand besten Kader der Liga und zum Tabellenführer. Der Spitzenreiter ging mit einer bestechenden Form in das Spiel, hatte zuletzt zwei Mal in Folge mit 4:0 gewonnen und dabei unter anderen den FC Ingolstadt aus dem eigenen Stadion geschossen. Im Vergleich zum Auswärtssieg beim SV Meppen nahm man bei Dynamo auch keine Veränderungen an der ersten Elf vor. Der FCS hatte indes noch mal größere personelle Probleme zu vermelden. Sebastian Bösel, Bjarne Thoelke, Timm Golley, José Pierre Vunguidica und Nicklas Shipnoski fehlten erneut verletzungsbedingt. Dazu fehlten dieses Mal noch Kianz Froese (angeschlagen) und Boné Uaferro (gesperrt). Rasim Bulic stand ebenfalls nicht im Kader, so hatte der FCS den Kader nicht voll besetzt und ließ einen möglichen Kaderplatz offen. Im Vergleich zur 1:2-Niederlage gegen den FSV Zwickau nahm man drei Veränderungen vor: Luca Kerber und Mario Müller rückten auf die Bank, Uaferro stand nicht im Kader. Neu in die Mannschaft kamen dafür Jayson Breitenbach, Fanol Perdedaj und Sebastian Jacob. Taktisch sortierte sich der FCS in einer Dreierkette mit Barylla, Zellner und Sverko. Außen agierten Perdedaj und Breitenbach. Zeitz und Jänicke spielten vor der Abwehr und hatten Julian Günther-Schmidt vor sich. Im Angriff kam Gouras an der Seite von Jacob zum Zuge.


Der FCS fand einen richtig guten Einstieg in die Begegnung und konnte die Eindrücke aus der bisherigen Saison mal wieder bestätigen: Rückschläge werfen diese Mannschaft nicht so leicht aus der Bahn und man hat geht mit einem gesunden Selbstbewusstsein in die Spiele. Die ersten Minuten gehörten den Gästen und der FCS ließ viel den Ball laufen. Eine erste vielversprechende Umschaltaktion bot sich nach vier Minuten. Der FCS nahm im Mittelfeld Tempo aus, Knipping holzte Gouras um und sah die gelbe Karten. Der anschließende Freistoß sorgte für den ersten nominellen Torabschluss, eine echte Gefahr bestand jedoch nicht. Die erste Großchance ging ebenfalls auf das Konto der Kwasniok-Elf. Man baute ruhig über Zellner aus, Jänicke spielte den schönen Chip hinter die Abwehr. Der durchgestartete Günther-Schmidt bringt den Ball in die Mitte und Jacob ist einen Schritt vor dem Abwehrspieler. Der Angreifer macht es eigentlich perfekt, lässt den Ball über den Fuß gleiten und nimmt dem Torhüter damit jede Abwehrchance. Sein Abschluss landet jedoch an der Unterkante der Latte, von dort springt der Ball deutlich vor der Linie wieder auf. Nur Zentimeter fehlten zur Führung. Weitere große Torchancen konnte sich der FCS zunächst nicht erspielen, immer wieder deutete man jedoch die mögliche Gefahr im vertikalen Spiel an und stellte die Abwehr der Hausherren vor Probleme. Nach einer Viertelstunde kam Dynamo dann besser in die Begegnung und konnte mehr Ballbesitz für sich verbuchen. Der FCS zog sich dagegen mehr zurück, legte den Fokus auf eine stabile Defensive um dann noch mehr in Umschaltmomente zu kommen. Dieses Konzept ging zum großen Teil auf. Der FCS hatte Ansätze um Räume zu nutzen, während man selbst keine Chancen für den Gegner zuließ. So gingen die Minuten im Mittelfeld dahin und beide Teams lieferten sich einen taktischen Kampf auf Augenhöhe. Beim FCS sah Perdedaj für eine Lappalie den gelben Karton.

Wichtig für die Kwasniok-Elf: Immer wieder streute man eigene Ballbesitzphasen in das Spiel ein und konnte auch die eigene Ballsicherheit ins Spiel bringen. In diesen Phasen ging der Plan sogar richtig gut auf während man in anderen Phasen zu schnell den Ball verlor und weniger Ruhe ins eigene Spiel bringen konnte. Den zweiten Torabschluss des Spiels gab es nach 35 Minuten. Der aufgerückte Breitenbach hatte im Zentrum viel Raum, sein Distanzschuss ging jedoch deutlich über den Kasten. Ansonsten gab es erst kurz vor der Pause wieder Gefahr: Mörschel rutscht auf der Außenbahn aus, das schwache Schiedsrichtergespann entscheidet trotzdem auf Freistoß. Will bringt diesen Ball rein und es wird zum ersten Mal brandgefährlich im Strafraum des FCS. Mit vereinten Kräften bringt man den Ball aus der Gefahrenzone und will mit einem langen Ball von Zeitz den Konter einleiten. Der Schiedsrichter pfiff jedoch 40 Sekunden vor Ende der angezeigten Nachspielzeit ab und ahndete zudem ein klares Foulspiel von Königsdörffer an Zeitz nicht. Stattdessen sieht Günther-Schmidt den gelben Karton. Der Angreifer hatte sich nach Auffassung des Schiedsrichter zu sehr über die genommene Konterchance beschwert.


Der FCS ging ohne Wechsel in den zweiten Abschnitt, die Gastgeber brachten in Sohm (statt Hosiner) einen neuen Angreifer ins Spiel. Sie kamen dann auch aktiv aus der Kabine und sorgten gleich mal für einige Eckbälle. Torchancen gab es zunächst aber nicht und die FCS-Defensive bereinigte die Situation und stellte nach fünf Minuten den Zustand aus der ersten Hälfte wieder her. Weitere fünf Minuten später gab es den ersten Abschluss im zweiten Durchgang. Gouras wurde auf die Reise geschickt, kam jedoch zu weit auf die Außen und konnte aus diesem Winkel den gegnerischen Torhüter nicht überwinden. Dies gelang dem FCS dann jedoch drei Minuten später. Jänicke brachte einen Eckball platziert ins Zentrum und fand den einlaufenden Zeitz. Mit seiner Wucht setzt er sich gegen drei Dynamo-Verteidiger (in der Raumdeckung ohne Tempo) durch und trifft in die lange Ecke. Definitiv keine unverdiente Führung durch den Kapitän. Es folgte eine etwas überraschende Maßnahme. Der auffällige Günther-Schmidt musste vorbelastet vom Feld und wurde durch Luca Kerber ersetzt. Jänicke sah in der nächsten Aktion seine fünfte gelbe Karte in dieser Saison. Relativ unnötig ließ er sich kurz vor dem Strafraum fallen. Und dann gab es schon den Ausgleich. Dynamo kam über ihre starke rechte Seite, Königsdörffer lässt mit einer Drehung Sverko stehen und bringt dann von der Grundlinie den Ball nach innen. Joker Sohm steht perfekt und schiebt mühelos ein.

Definitiv gut gespielt von Dresden, aber in der Aktion hat man es ihnen auch viel zu einfach gemacht. Das Tor hatte sich nicht angekündigt und man konnte die eigene Führung gerade einmal vier Minuten halten. Es war die erste selbst erspielte Chance für Dresden warf den Plan des FCS über den Haufen. Dynamo wollte jetzt umso mehr und den Schwung im Spiel halten. Der FC verhinderte dieses Vorhaben schnell wieder, blieb dran und das Spiel ging wieder in den bekannten Modus über. 20 Minuten vor Spielende war Dresden dann der Führung nahe. Nach einem Eckball drückt Knipping mit beiden Händen Zeitz zu Boden und kommt zum Kopfball. Batz fischt das Ding ganz starke aus der Ecke. Das Tor hätte (natürlich) gezählt. Der Schiedsrichter hatte kein Foul gesehen und blieb damit seiner katastrophalen Linie treu. Direkt danach gab es zwei weitere Wechsel bei den Malstättern: Jacob konnte nicht mehr, auch Jänicke ging vom Feld. Es kamen Deville und Schleimer. Es begann die Schlussviertelstunde und damit auch die Minuten des Leidens für den FC. Die hohe Belastung der letzten Spiele, die vielen Ausfälle und die Begegnung von Mittwoch machten sich nun bemerkbar: Die Kräfte ließen nach und man musste sich den Angriffen der Gastgeber erwehren. Dies gelang auch noch, zudem schickt man zehn Minuten vor Schluss noch mal Minos Gouras mit einem langen Ball. Seinen Dropkick brachte er jedoch nicht in die lange Ecke, sondern zu zentral. Die Monsterchance auf die erneute Führung war vergeben. Es war die letzte Chance im FCS-Spiel und die restliche Spielzeit stellte einen Abwehrkampf dar. Kerber schmiss sich in einen Schuss von Kade, Batz wäre machtlos gewesen (83.). Mendler (für Gouras) war der letzte Wechsel durch Kwasniok um noch mal für Entlastung zu sorgen. Dieses Konzept mit Schleimer, Deville und Mendler ging aber nur bedingt auf. Der FCS verteidigte nun leidenschaftlich und warf sich in alle Bälle. Kapitän Zeitz (gegen Meier) ist hier ein Beispiel und klärte die Kugel. Es war die letzte gefährliche Aktion in der Nachspielzeit und danach hielt der FC den Ball bis zum Spielende in den eigenen Reihen.


Das Spitzenspiel endet mit einem leistungsgerechten Unentschieden. Dieses Fazit darf man nach diesen 90 Minuten ohne schlechtes Gewissen ziehen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, es war ein taktisches Spiel und beide Mannschaften haben sich nichts geschenkt. Es spricht für die gute Leistung der Kwasniok-Elf und trotzdem wird man nicht vollends zufrieden sein. Es wäre mehr möglich gewesen. Man hatte ganz lange Zeit klar die besseren Chancen auf seiner Seite und war auch im ersten Abschnitt die bessere Mannschaft gewesen. In einem Spiel mit wenigen Torchancen muss so eine Großchance wie von Jacob auch einfach mal ins Tor und die frühe Führung hätte geholfen. So hat man gemäß der taktischen Marschrichtung gespielt und kann über die defensive Stabilität froh sein. Man hat die Offensive nicht zur Entfaltung kommen lassen und es gab (bis auf das Geschenk in der Nachspielzeit) keine Torchance für Dresden. Man selbst hätte aber auch die eigenen Ansätze besser ausspielen können. Dresden hatte Respekt vor dem Umschaltspiel, hat entsprechend auf die Absicherung geachtet und trotzdem hatte man immer wieder die Möglichkeit um Räume zu nutzen. Auch in der zweiten Halbzeit ist man dem Gegner auf Augenhöhe begegnet. Die Führung kommt eigentlich gut, man hatte viel im Griff und das Gegentor ist - wie angesprochen - zu leicht gefallen. Die Reaktion der Mannschaft war wieder gut und man hat weiter den eigenen Plan umgesetzt. Die Wechsel waren ein kleiner Bruch beim FCS. Es fehlen aktuell Offensivspieler (mit Shipnoski hätte der FCS noch eine absolute Waffe in diesem Spiel gehabt) und andere sind nicht in bester Form. Da ist der Kader momentan nicht am Maximum. Jacob hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig er als Anspielstation im FCS-Spiel ist und mit seinem Wechsel ging viel Momentum verloren. Die letzte Viertelstunde war dann mehr oder minder so zu erwarten. Natürlich will Dresden zuhause gewinnen und der Kräfteverschleiß beim FCS lässt sich im fünften Spieler innerhalb von 14 Tagen nicht vermeiden. Man ging auf dem Zahnfleisch und konnte dann auch nicht mehr alle Chancen in ihrer Entscheidung verhindern. Trotzdem hatte man mit Gouras selbst noch mal die größte Chance um wieder in Führung zu gehen. Von daher bleibt es eine zweiseitige Medaille.

Ein Punkt in Dresden ist in erster Linie ein Ausrufezeichen und spricht (gerade in der aktuellen Form von Dynamo) komplett für den Auftritt des FCS. Man kann - wie bereits die komplette Saison gezeigt - mit jedem Gegner in dieser Liga auf Augenhöhe agieren und es war ein ähnlicher Auftritt wie in Rostock. Damals hat man bei einem Spitzenteam aber keine Punkte geholt, dieses Mal bleibt es ein Punkt. Dieses Gefühl von "es war mehr drin" bleibt aber. Die schlechteste Leistung auf dem Platz zeigte ohne jeden Zweifel das Schiedsrichtergespann. Selten in dieser Saison lag ein Schiedsrichter bei so vielen (klaren) Entscheidungen daneben wie in diesem Spiel. Das einzig Positive: Sie haben mit ihrer Nicht-Leistung das Spielergebnis nicht beeinflusst.


In der Tabelle hat sich nicht so viel getan. Die Malstätter bleiben - mit nun 45 Punkten - erst mal auf dem vierten Tabellenplatz und zehn Punkte hinter dem Spitzenreiter. Auch Ingolstadt ist nun auf acht Zähler weg, Rostock liegt sechs Punkte vor dem FCS. Alle drei Spitzenteams haben noch ein Spiel in der Hinterhand und könnten den Vorsprung weiter ausbauen. Dahinter bleiben 1860 München, Wiesbaden, Türkgücü (jeweils mit einem Spiel weniger) und der SC Verl (mit zwei Spielen weniger) in Lauerstellung. Zehn Spieltage vor Schluss ist man damit definitiv noch voll drin im Kampf um den vierten Tabellenplatz. Man liegt maximal zwei Punkte hinter diesem Platz. Der Klassenerhalt ist - realistisch gesehen - schon seit einigen Spielen geschafft und jetzt fehlt auch nur noch ein Punkt bis zur angepeilten Marke von 46 Punkten.


Die Malstätter haben nun die englischen Wochen erst mal hinter sich gelassen und man kann wieder Kräfte sammeln. Unter der Woche steht kein Spiel an, das nächste Spiel ist so für den kommenden Freitag (Anstoß um 19:00 Uhr) geplant. Dann kommt Viktoria Köln in den Ludwigspark.

Kommentare