Wilder Ritt: FCS verliert spät gegen Viktoria Köln

Freitag Abend, Flutlichtspiel im Ludwigspark. Diese Kombination gab es im Park zuletzt im November 2015 (damals verlor man in der Regionalliga Südwest gegen Hessen Kassel mit 0:1), nun war es zum ersten Mal seit dem Umbau wieder der Fall: Der FCS empfing dabei Viktoria Köln zum Auftakt des 29.Spieltages. Die Gäste aus Köln kamen mit der Empfehlung von drei Siegen in Folge nach Saarbrücken und konnten sich damit entscheidend von der Abstiegszone absetzen. Zuletzt hatten sie ihr Heimspiel gegen den MSV Duisburg mit 3:1 gewonnen. Im Vergleich zu diesem Sieg gab es ein Wechsel in der Startformation: Handle begann statt Amyn im rechten Mittelfeld.


Der FCS hatte sich am letzten Samstag bei Spitzenreiter Dynamo Dresden teuer verkauft und am Ende ein 1:1-Unentschieden geholt. Auch ein Sieg wäre möglich gewesen. Nach drei Spielen ohne Sieg wollte man gegen die Viktoria auch wieder drei Punkte holen und nicht nur mit einem Sieg in die Länderspielpause gehen, sondern auch für die Tabelle vorlegen und da bis mindestens Montag wieder auf den vierten Platz springen. Einmal mehr musste man dabei auf eine ganze Reihe von Spielern verzichten. Sebastian Bösel, Bjarne Thoelke, Timm Golley, Kianz Froese und Nicklas Shipnoski fehlten wieder verletzungsbedingt. Auch Tobias Jänicke (fünfte gelbe Karte) stand nicht zur Verfügung. Im Vergleich zum Spiel in Dresden kehrten dafür Boné Uaferro (Sperre abgesessen) und José Vunguidica (Verletzung auskuriert) in den Kader zurück. Lukas Kwasniok hatte seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert: Luca Kerber kehrte für Jänicke in die Mannschaft zurück, außerdem begann Markus Mendler für Fanol Perdedaj. Taktisch agierte der FCS dabei in einem 4-4-2-System mit Raute. Luca Kerber und Julian Günther-Schmidt besetzten die Halbpositionen im Mittelfeld, Markus Mendler spielte hinter den Spitzen Gouras und Jacob.


Der FCS startete mit hohen Einsatz in die Begegnung und setzte gleich zum Pressing an. Nach gerade einmal 20 Sekunden tauchte man zum ersten Mal im gegnerischen Strafraum auf und sicherte sich einen Eckball. In der zweiten Aktion eroberte Mendler einen Ball in der gegnerischen Hälfte, sein Abspiel auf Jacob geriet jedoch leicht zu kurz und der Abschluss des Angreifers wurde geblockt. Im Gegenzug kamen die Gäste über ihre rechte Seite zur ersten Chance, Batz parierte den Kopfball von Thiele. Anders als zuletzt gegen Dresden konnte der FC dieses Mal die stürmische Anfangsphase auch in eine Führung umwandeln. Barylla brachte einen Freistoß aus dem Halbraum perfekt in die Mitte, Jacob köpfte an den Pfosten. Der zurückspringende Ball ging an den Kopf von Viktoria-Keeper Mielitz und dann ins Tor. Ein äußerst kurioses Tor. Für Jacob war es nicht nur der neunte Saisontreffer. Der Angreifer steht nun auch bei 43 Ligatoren für den FCS und hat die Marke von Patrick Schmidt (42) übertroffen. Kein FCS-Spieler in diesem Jahrtausend erzielte mehr Tore in Ligaspielen. In Pflichtspielen steht Jacob (49) nun gemeinsam mit Patrick Schmidt auf dem zweiten Platz. Nur Marcel Ziemer (51) erzielte noch mehr Tore. Die Führung war schon zu diesem frühen Zeitpunkt verdient und die Malstätter legten erst mal weiter nach, blieben aggressiv und stellte die Viktoria vor einige Probleme. Mielitz klärte gerade so vor Günther-Schmidt, Gouras fehlte nach einer Flanke von Mendler ein halbe Kopf, auch wurden viele leichte Ballverluste bei den Gästen provoziert. Nach der ersten Viertelstunde drehte sich die Begegnung zum ersten Mal. Die Gäste fanden nun besser in die Begegnung und konnten sich mehr Ballbesitz sichern. Auch deutete Köln mögliche Schwächen im Rücken der FCS-Abwehr (gerade über die Außenbahn von Breitenbach, er hatte mit seinem Gegenspieler mächtig Probleme) an. In dieser Phase zeigten sich beide Teams auf einem hohen taktischen Niveau und immer wieder wurde das Tempo im Mittelfeld aus dem Spiel genommen. Zeitgleich gab es dann aber Umschaltmomente in ein hohes Tempo. So musste Batz gegen Cueto sein ganzes Können zeigen (19.), auf der Gegenseite war Mielitz nach einer Ecke unsicher. Doch kein FCS-Spieler stand richtig. Auch Mitte der ersten Hälfte bewegten sich beide Teams noch absolut auf Augenhöhe und lieferten sich einen spannenden Fight. Torchancen sahen die Zuschauer nun jedoch nicht mehr. Gerade der FCS hatte einige vielversprechende Ansätze, die Zielstrebigkeit in Richtung Tor und auch die Passgenauigkeit in den entscheidenden Aktionen fehlte nun jedoch. Man hatte einige Ballgewinne, einige mögliche Umschaltaktionen und hat zu wenig Kapital auf den Ansätzen geholt. Eine Torchance sah das Spiel erst fünf Minuten vor der Halbzeit wieder. Sverko spielte einen flachen Vertikalball aus der Abwehr heraus, Mendler ließ geschickt durch und öffnete so den Raum für Gouras. Er ging alleine auf Mielitz zu, scheiterte jedoch im direkten Duell. Es war die große Chance auf den zweiten Treffer, so ging es mit einer knappen Führung in die Pause.


Breitenbach blieb in der Kabine. Seine Auswechslung war nachvollziehbar. Für ihm kam Fanol Perdedaj ins Spiel und spielte nun als rechter Verteidiger. Barylla wechselte auf die linke Abwehrseite. Die erhoffte Wirkung hatte der Wechsel indes nicht. In der ersten Phase der zweiten Halbzeit verlor der FCS die - in der ersten Hälfte gezeigt - defensive Stabilität und bekam im Mittelfeld zu wenig Zugriff auf die Gegenspieler. In der Folge spielte der FCS mit dem Feuer und ließ einige gefährliche Pässe in die Tiefe zu. Beide Male stand der durchgestartete Handle im Abseits, beide Male ging die Fahne des Assistenten um den heute guten Schiedsrichter zurecht nach oben. Das Risiko spielte in den ersten zehn Minuten der zweiten Hälfte mit und der FCS befreite sich dann auch wieder aus der Umklammerung. Mendler gab den ersten Distanzschuss im zweiten Abschnitt ab, hätte aber auch nach Außen auf Barylla legen können. Eine Minute später steckte Mendler durch, Gouras kam einen Schritt zu spät. Wieder wogte das Spiel in die andere Richtung, nun hatten die Malstätter Oberwasser und übernahmen die Spielkontrolle. Köln wechselte nach 63 Minuten doppelt und in der nächsten Aktion gab es den Ausgleich. Nach einem Abschlag von Batz verlor der FCS zwei Kopfbälle in Folge und plötzlich ging Rissen völlig frei auf das Tor zu. Er stand wohl nicht im Abseits und bediente in der Mitte Cueto. Da auch Perdedaj auf der Linie nicht mehr klären konnte gab es den Ausgleich, ein etwas geschenkter Gegentreffer. Es blieb eine völlig offene Begegnung, Mendler scheitert an Mielitz und im Gegenzug musste Batz im direkten Duell gegen Thiele parieren und war auch beim Nachschuss von Wunderlich zur Stelle. Zwei Minuten später war es dann so weit: Wieder kam Köln in den Strafraum, beim Klärungsversuch schoss Zeitz Sverko an und den Abpraller setzte Wunderlich in die Ecke. Ein unglückliches Gegentor, aber auch ein Gegentor der Marke "Selbstverschuldet" und die Führung der Gäste war nicht unverdient. Der FCS zeigte nach den beiden schnellen Gegentoren Moral und kämpfte sich wieder in die Begegnung und setzte weiter selbst offensive Aktionen. Lukas Kwasniok brachte Schleimer für Günther-Schmidt und anschließend noch Vunguidica und Uaferro für Kerber und Gouras. Taktisch trieb es nun ganz bunter Blüten mit Jacob hinter der Doppelspitze Vunguidica und Uaferro. Und die Mannschaft belohnte sich für ihre Moral und den Aufwand. Mendler flankt von links, Jacob verlängert und Vunguidica steht wo ein Torjäger zu stehen hat. Aus kurzer Distanz schiebt er ein zum Ausgleich und dieser Treffer war wiederum verdient. Auch in den letzten Spielminuten blieb es ein Spektakel. Der FCS wollte unbedingt den Siegtreffer und setzte weiter alles auf eine Karte, während die Gäste auch mit dem Unentschieden zufrieden waren und sich nun Defensiv orientierten und auch auf Zeitspiel gingen. Dazu blieben sie bei Kontern gefährlich. Risse hatte den ersten gefährlichen Konter, Batz parierte und Zellner klärte den zweiten Ball kurz vor Thiele. Beim FCS kam noch Deville für Mendler. Die Blauschwarzen setzten sich am gegnerischen Strafraum fest, leisteten sich jedoch nochmal einen großen Patzer. Sverko vertändelte im Aufbauspiel leichtfertig den Ball, beim folgenden Konter blieb keine Zeit um sich zu sortieren. Holthaus brachte den Ball in die Mitte, Thiele steht perfekt und macht den Siegtreffer für die Gäste.


Am Ende steht für den FCS also eine bittere 2:3-Heimniederlage gegen Viktoria Köln zu Buche. Es ist ein Spiegelbild der größeren Problematik in einer sonst so starken Saison. Man bekommt einfach zu viele Gegentore. Beziehungsweise man schenkt den Gegnern zu oft und zu leicht Tore. 41 Gegentore sprechen da eine deutliche Sprache und es gelingt viel zu selten zu Null zu agieren. Teilweise war in dieser Saison eine normale Sache, man hat als Aufsteiger einfach Lehrgeld bezahlt. Aber nach 29 Spielen lässt sich das nicht mehr nur als Lehrgeld bezeichnen und eine verbesserte Defensive mit viel weniger individuellen Patzern wird eines der großen Themen für die kommende Saison sein müssen. Die Mannschaft leistet so extrem viel, man investiert in jedes Spiel eine Menge und muss sich die eigenen Chancen und die eigene Wucht immer wieder hart arbeiten während im Umkehrschluss man den Gegner dann einlädt. In dieser engen 3.Liga mit vielen Mannschaften auf ungefähr dem gleichen Niveau ist es dann schwer Spiele zu gewinnen und das hat man in den letzten vier Spielen wieder als Spiegel vor das Gesicht gehalten bekommen. Daher ist die Niederlage - wie zuvor schon gegen Zwickau - auch nicht unverdient. Vom reinen Spiel her wäre ein Unentschieden das gerechte Ergebnis gewesen. Das man am Ende dieses Spieles noch mal alles nach vorne wirft um auf den Siegtreffer zu gehen und die Minimalchance auf die ersten drei Plätze zu wahren ist verständlich und in dieser Phase kann man sich einen entscheidenden Konter einfangen. Passiert und auch wenn natürlich der Kampf um den vierten Platz noch existent ist, so hat man keinen Druck nach unten und kann auch kleinen Chancen nachjagen. Der unnötige Ballverlust im Mittelfeld ist da eine andere Sache und solche Gegentore schmerzen einfach. Nimmt man die individuellen Patzer in der Defensive raus, so war es ein spektakulärer Ritt zwischen den beiden Teams. Über viele Phasen war es ein komplett offenes Spiel und beide Mannschaften haben Drittligafußball auf einem hohen taktischen Niveau und im höchsten Tempo gezeigt. Gerade für neutrale Zuschauer wird die Begegnung sehr viel Freude gebracht haben. Beide Teams hatten jeweils ihre Phase, hatten ihre Chancen und hätten das Spiel gewinnen können. Gouras hatte auf FCS-Seite die große Chance auf den zweiten Treffer und lässt die Chance leider liegen.


In der Tabelle hat der FCS damit den zwischenzeitlichen Sprung auf den vierten Tabellenplatz verpasst und konnte die Konkurrenz im oberen Tabellendrittel nicht unter Druck setzen. Diesen ganz leichten Blick auf die ersten drei Plätze und eine Lauerstellung für Phasen in denen die Top-Teams doch noch mal schwächeln kann man nach dieser Niederlage endgültig zur Seite schieben. Die Ausgangslage im Kampf um Platz 4 wird durch die weiteren Ergebnisse am Wochenende bestimmt. Verl (in Lübeck) und Wiesbaden (in Zwickau) können den FCS bis auf Platz 7 verdrängen und jeweils zwei Punkte vor der Kwasniok-Elf stehen. 1860 München (gegen Dresden) hat die Möglichkeit auf drei Zähler davon zu ziehen. Für Platz 4 und damit die direkte Qualifikation zum DFB-Pokal zu erreichen bleiben dem FC dann noch neun Spiele.


Zunächst ist jedoch erst mal Pause und für die Malstätter beginnt nun die erste und einzige Länderspielpause in der Saison. Das kommende Wochenende ist so spielfrei, am Samstag danach (3.April) geht es für den FCS mit dem direkten Spiel beim SV Wehen Wiesbaden weiter. Eine Woche später kommt es gegen Türkgücü München zu einem weiteren direkten Duell, dann wird zum nächsten Mal im Ludwigspark gespielt. Im April folgt dann noch das lang ersehnte Derby auf dem Betzenberg, das Südwestduell gegen Waldhof Mannheim und eine Auswärtsbegegnung beim FC Bayern München II.

Kommentare 2

  • Hat alles auch eine gute Seite, man kann sich nun voll und ganz auf die neue Saison konzentrieren und anlaysiert diese Spielzeit hoffentlich richtig. Man sollte versuchen den nächsten Schritt zu machen. Wir haben tolle Spiele gesehen, es zieht sich aber durch die Saison aber auch durch das wir sehr oft durch individuelle Fehler Gegentore kriegen. Oft wurde wie eine Jugendmannschaft gespielt die ihre Kräfte nicht einteilen kann, es ging oft die Luft aus. Als Aufsteiger sicher kein Problem für diese Saison die weiter überragend ist aber dies alles sollte der Ansatz der Analyse für die kommende Spielzeit sein.

  • Am Ende hätte man den Punkt absichern sollen. Egal!


    Regenerieren und in zwei Wochen wieder angreifen!