Auf Wiedersehen

Vier Pflichtspiele sollen in der Saison 2020/21 durch den FCS noch ausgetragen werden. Das Heimspiel gegen den SV Meppen am Freitag ist jedoch das letzte Spiel im Ludwigspark in dieser Saison. Traditionell werden im Rahmen des letzten Heimspieles scheidende Personen aus der Mannschaft verabschiedet. Ob diese Tradition angesichts von Geisterspielen fortgesetzt wird, sei dahin gestellt. Es bietet uns jedoch schon mal die Gelegenheit - bevor es im Pokal wieder "ernst" wird - schon mal Auf Wiedersehen zu sagen.


Ein kurzes Vergnügen gab es nur mit Bjarne Thoelke. Der Innenverteidiger kam erst im Winter zum FCS und führte sich mit zwei vielversprechenden Einsätzen gut ein. Dann stoppte ihn ein Wadenbeinbruch und besiegelte das Saisonaus. Am Saisonende muss er - nach Medienberichten - den Club verlassen.


Ebenfalls nur ein halbes Jahr in Saarbrücken war Jannick Theißen. Der Torhüter wurde im Winter als Ersatz für den verletzten Castellucci und als U23-Torhüter verpflichtet und kam für den FCS nicht zum Einsatz. Den Sinn seiner Verpflichtung als Back-Up von Batz hat Theißen jedoch erfüllen können.


In Ramon Castellucci wird auch ein zweiter Keeper den Club verlassen. Castellucci kam 2019 von den Stuttgarter Kickers und hat am Ende die Erwartungen weitgehend erfüllen können. Er war in beiden Jahren ein Reservekeeper und hat sich in dieser Rolle gut eingefügt. Ein echter Herausforderer für Batz war Castellucci allerdings nie. Zu einem Ligaeinsatz kam der Keeper für den FCS nicht, im Saarlandpokal durfte er insgesamt drei Spiele absolvieren.


Die Zeit von José Pierre Vunguidica in Saarbrücken ist dagegen aus sportlicher Sicht als ein Missverständnis zu sehen. Er kam 2018 aus Sandhausen zum FCS, konnte die hochgesteckten Erwartungen aber zu keiner Zeit erfüllen und an seine Qualitäten aus früheren Tagen anknüpfen. Unter Dirk Lottner wurde er in der Regionalliga lange Zeit als notmäßiger Linksverteidiger eingesetzt, auch unter Kwasniok blieb ihm der Durchbruch klar verwehrt. In der Drittligasaison kam er gerade einmal auf neun Einsätze (nur zwei Mal in der Startelf), dazu kommen 28 Regionalligaeinsätze. Vier Tore gelangen ihm in der Liga. Außerdem bestritt er zwei DFB-Pokalspiele und sechs Saarlandpokalspiele (2 Tore) für die Malstätter. Menschlich konnte der Angolaner dagegen vollumfänglich überzeugen.


Adiós müssen wir auch Kianz Froese entgegenrufen. Der in Kuba geborene Kanadier kam 2019 von Fortuna Düsseldorf ins Saarland und konnte sich in der ersten Saison in die Herzen der Fans spielen. Hauptsächlich: Seine Auftritte und Vorlagen im DFB-Pokal. Niemals werden die beiden Steckpässe auf Jurcher zum späten 3:2-Siegtreffer gegen Regensburg und zum zwischenzeitlichen 2:0-Treffer gegen den 1.FC Köln, der Querpass auf Jänicke zum 3:2-Siegtreffer gegen Köln oder der Querpass auf Jänicke vor dem 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf in Saarbrücken vergessen werden. Gegen Düsseldorf verwandelte er zudem einen Elfmeter. In der Liga konnte er sein Potenzial und seine fußballerische Qualität zu selten abrufen. In der Regionalliga kam er auf 19 Einsätze (10 Spiele von Beginn an) und zu sechs Torvorlagen. In dieser Drittligasaison stehen zwar 27 Einsätze zu Buche, er spielte jedoch lediglich sechs Mal von Beginn an und konnte zu selten eine überzeugende Leistung auf den Platz bringen.


Der Krieger geht von Bord. Fanol Perdedaj kam im Januar 2018 zu den Malstättern und stellte sich insgesamt drei Jahre in die Dienste des FCS. Gemeinsam durchschritt man das tiefe Tal nach dem Scheitern in den Aufstiegsspielen bei 1860 München und überwand eineinhalb schwere Jahre später endlich das Nadelöhr zur 3.Liga. Perdedaj konnte dabei einen großen Anteil auf sich verbuchen und überzeugte als Leistungsträger (mit stetiger Gratwanderung in Richtung roter Karte) in der erneuten Meistermannschaft. In der Regionalliga bestritt er 52 Einsätze für den FCS (13 Tore). Dazu bestritt er neun Saarlandpokalspiele. Seine Rolle beim DFB-Pokalmärchen war ebenfalls groß. In allen fünf Spielen stand er in der Startelf im defensiven Mittelfeld und leistete seinen großen Beitrag zum Halbfinale. Nach dem Aufstieg in die 3.Liga erlebte er jedoch nicht seine beste Saison. Ständig zurückkehrende Wadenprobleme verhinderten einen Kampf um Stammplätze. Erst im Frühjahr schien er dieser Probleme endgültig überwunden zu haben und er hat sich in den letzten Wochen wieder fest in die Mannschaft gespielt. 24 Einsätze (15 Spiele von Beginn an) sind für seine Fähigkeiten enttäuschend. Der gewollte Abgang von Vereinsseite darf kritisch betrachtet werden.


Genie und Wahnsinn. Treffen diese beiden Komponenten beim FCS zusammen, so ist stets die Rede von Timm Golley. Er kam 2019 von Viktoria Köln nach Saarbrücken und ließ in einem Vorbereitungsspiel seine Klasse aufblitzen. In der Regionalliga zeigte er unter Dirk Lottner jedoch wenig Genie und geriet schnell auf das Abstellgleis. Im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe traf er souverän in den Winkel, gegen Düsseldorf hielt der Torwart seinen Strafstoß. Nach dem Aufstieg änderte sich seine Rolle und - obwohl aufgrund seiner Spielweise gerne kritischer gesehen - war er ein Grund für den starken Saisonstart. Im Laufe des Herbstes verlor er jedoch seine Form und ließ dann oft wieder seiner Qualität hinterher. Erst zuletzt präsentierte er dem FCS nach einer überstandenen Verletzung noch mal sein gutes Gesicht und ließ gegen Mannheim und Bayern seinen Fähigkeiten freien Lauf. Über beide Jahre gesehen konnte Golley die Erwartungen bei seiner Verpflichtung nicht gänzlich erfüllen und war zu oft außen vor oder in einem Formtief. Für den FCS bestritt er insgesamt 35 Ligaspiele (3 Tore), fünf Saarlandpokalspiele (1 Tor) und vier DFB-Pokalspiele. In Zukunft möchte er sich durch eine Ausbildung zum Feuerwehrmann ein zweites Standbein aufbauen.


Vielleicht kein endgültiger Abschied? Die Leihe von Lukas Schleimer läuft aus. Der FCS soll sich jedoch nach einer Möglichkeit zur Weiterverpflichtung des 21-Jährigen erkundigt haben. Schleimer kam Anfang Oktober aus Nürnberg und hatte ein gutes Debüt. Gleich im ersten Spiel leitete er nach Einwechslung zwei Treffer vor und war damit maßgeblich am Sieg beteiligt. Danach wurde es jedoch äußerst dünn und bald spielte Schleimer so gut wie keine Rolle mehr. Am Ende stehen gerade einmal 12 Einsätze und lediglich zwei Einsätze von Beginn an zu Buche.


Freiwillig geht Anthony Barylla. Den Außenverteidiger zieht es nach Ende seines Vertrages in die 2.Bundesliga. Barylla kam 2019 als Stammspieler in der 3.Liga zum FCS und ging bewusst einen Schritt zurück. Dieser Wechsel hat sich aus seiner Sicht bezahlt gemacht und der Spieler konnte auch die Erwartungen bei seiner Verpflichtung erfüllen. Er war eine feste Stammkraft in der Regionalligamannschaft, stand bei drei Siegen im DFB-Pokal über die volle Distanz auf dem Feld und verwandelte gegen Düsseldorf einen Elfmeter. Auch nach dem Aufstieg blieb er Stammspieler und Leistungsträger. Er konnte mit seiner Flexibilität, seiner Konstanz und seiner Qualität auf allen Linien überzeugen und ist ein herber Verlust. Zumal seine Entwicklung mit gerade einmal 23 Jahren auch noch nicht beendet sein muss. Für den FCS bestritt er 55 Ligaspiele (3 Tore), 4 DFB-Pokalspiele und drei Saarlandpokalspiele (1 Tor).


Auch Nicklas Shipnoski hat sich bewusst für einen Wechsel entschieden. In der kommenden Saison geht er bei Zweitligist Düsseldorf an den Start. Er kam erst im vergangenen Sommer aus Wiesbaden und präsentierte sich als echter Transfercoup. Vielfältige Stärken in der Offensive machen ihn unberechenbar und er hat eine überragende Saison hingelegt. Fünfzehn Saisontore und zehn Torvorlagen sprechen Bände und stellen die bisherige FCS-Bestmarke von Marcel Ziemer (16 + 5) klar in den Schatten. Insgesamt bestritt er bisher 32 Drittligaspiele für den FCS und kam zudem in zwei Saarlandpokalspielen zum Einsatz. Wie bei Barylla stellt auch sein Abgang einen herben Verlust für die Malstätter dar.


Abschließend aus Spielersicht muss auch Jayson Breitenbach seine Koffer packen. Er feiert heute seinen 23.Geburtstag und kam im Sommer 2019 vom FSV Mainz II an die Saar. Er bringt alle Voraussetzungen mit um ein starker Außenverteidiger zu sein, kann seine Anlagen jedoch zu selten umsetzen. In der Regionalliga spielte er kaum eine Rolle, kam nur in neun Spielen zum Einsatz und durfte fünf Mal im Saarlandpokal über 90 Minuten ran. Auch unter Kwasniok und nach dem Aufstieg änderte sich zunächst nichts. Bis zur Winterpause spielte Breitenbach fast keine Rolle. Danach begann seine mit Abstand beste Phase beim FCS und bis in den März schien plötzlich auch eine Vertragsverlängerung nicht undenkbar. Längst hat er dieses Formhoch wieder verloren und konnte sich zuletzt nicht mehr Recht in Szene setzen. Unter dem Strich hat seine Verpflichtung nicht alle Hoffnungen erfüllen können. Er kommt auf 32 Ligaspiele für den FCS (1 Tor) und sechs Pokalspiele.


Auf eigenen Wunsch hin verlässt auch Cheftrainer Lukas Kwasniok den Verein nach dieser Saison. Er wurde im Januar 2020 Nachfolger von Dirk Lottner und blieb ein halbes Jahr ungreifbar. Er erreichte mit seiner Mannschaft zwei Pokaltriumpfe und stieß sensationell bis ins Halbfinale vor. Nebenbei stieg der FCS unter seiner Regie auch in die 3.Liga auf, sein Anteil blieb durch den Saisonabbruch jedoch überschaubar. In der Drittligasaison führte er den Aufsteiger dafür zu einer überragenden Saison. Dies ist ein ganz großer Erfolg und geht zu einem ordentlich Teil auch auf das Konto des Trainers. Er hat eine gezielt verstärkte Mannschaft noch mal auf ein höheres Level gebracht und für die erfolgreichste Drittligasaison der FCS-Geschichte gesorgt. Unumstritten war der Trainer trotzdem nicht. Er hatte schon früh einen schwierigen Stand, spätestens aber nach der Pokalniederlage in Homburg. Beigetragen dazu haben seine regelmäßigen taktischen Experimente. Aber auch seine Art im Umgang mit Medien und Umfeld hatte seinen eigenen Stil und hat schon auch für Kritik gesorgt. Er ist ein besonderer Charakter und ist kein Trainer nach dem Schema F. Alleine die Art der gewünschten Vertragsverlängerung spricht hier Bände. Er hinterlässt große Fußspuren für seinen Nachfolger.


Wir bedanken uns bei allen Abgängen für ihren Einsatz beim FCS und wünschen für die Zukunft viel Erfolg.

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